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18. September 2008 4 18 /09 /September /2008 20:52

Auf meinen Blogbeitrag "Absage von DroemerKnaur" schrieb mir Mariella: "Was ist denn mit dem Suhrkampverlag? Der hat ja auch 1994 schon 'Der blaue Himmel' von Galsan Tschinag rausgebracht." Und Reiner antwortete: "das erste Buch von Galsan Tschinag erschien im A1, dann ist er zu Suhrkamp gewechselt. Sicher ein guter Tipp!"

Liebe Mariella, ich danke dir für deinen Tipp. Und lieber Reiner, bei Suhrkamp habe ich mal angerufen, immerhin konnte ich schildern, worum es in meinem Buch geht. Dann wurde ich ziemlich arrogant abgefertigt: "So etwas brauchen wir nicht!" Naja, sie werden schon wissen, was sie tun.

Zum A1 Verlag in München fällt mir eine Begebenheit ein. Ich hatte mit der Geschäftsführerin, Frau H., Ende 2007 Kontakt aufgenommen. Sie bat mich um eine Kopie des Manuskriptes. Das habe ich ihr noch vor Weihnachten geschickt.

Dann bekam ich kurz vor Ostern 2008 eine Mail, ob sie mich besuchen könnten. Naja, warum nicht? Ein bisschen aufgeregt war ich schon, die GF eines Verlages besuchen mich, eine Debütantin! Sie wollten gegen zwölf Uhr bei mir sein, also zum Mittagessen.

Nun kenne ich in München ein Verlagsurgestein, diesen älteren Herrn rief ich an. Als er erfuhr, dass sie bei mir zum Mittagessen auftauchen, gluckste er immer wieder: "Geht es den Verlagen schon so schlecht, dass sie sich bei Debütanten durchessen müssen?"

Er riet mir, zunächst mal anzuhören, was sie wollen. Und er sagte zu mir, rausschmeißen könnte ich sie ja immer noch. Und ich sollte ja nichts voreilig unterschreiben!

Pünktlich fuhr dann ein Bus auf meinen Hof. Wie ich später erfuhr, saß ihr GF-Kollege, Herr V., am Steuer. Frau H. sah meinen, zugegeben, ziemlich rustikalen Hof, ich brachte gerade Pferd und Esel auf die Koppel. Frau H. sah überhaupt nicht erfreut aus, sie zögerte auszusteigen. Ihr Kollege Herr V. stieg flott aus und wollte meinen Esel streicheln. Dann gingen wir ins Haus.

Frau H. wollte von mir wissen, wer mein Manuskript lektoriert habe. Lektoriert? Ich stellte mich doof, das gelingt mir meistens sehr gut, und antwortete: "Mein PC hat doch ein Rechtschreibprogramm!" Sie: "Das meine ich nicht!" Und sie wiederholte mehrmals: "Wer hat das lektoriert?"

Herr V. meinte auch, der Text sei so geschrieben, dass man nicht aufhören könne zu lesen. Frau H. gefiel meine Sprache nicht, das sei kein Roman, ja, das könne allenfalls als Jugendroman durchgehen.

Wer mein Manuskript kennt, wird da den Kopf schütteln. So ging es hin und her. Ich merkte schon, Frau H. wollte nicht, Herr V. schon. Da fragte ich mich, wieso die beiden extra von München zu mir gefahren sind. Herrn V. wollte dann wissen, ob er das Manuskript nochmal mitnehmen dürfe. Ich: "Wieso? Lassen Sie es hier, dann sparen Sie sich das Porto".

Aber er nahm das Manuskript mit. Dann tat sich einige Wochen nichts. Da rief ich an und hatte Frau H. am Telefon. Als ich nach dem Manuskript fragte, meinte sie schnippisch: "Hat das Herr V. noch nicht zurückgeschickt, wir haben keine Verwendung für den Text!"

Dann dauerte es noch Wochen, bis wirklich mein Manuskript zurückgeschickt wurde.

Bei dem Besuch hatte Herr V. ein Buch von Galsan Tschinag mit gebracht: Mein Altai. Ich guckte auf den Umschlag, da waren drei Pferde drauf, eins gesattelt. Da rutschte es mir raus: "Das ist aber kein mongolischer Sattel, das ist ein kasachischer!"

Herr V. machte ein erstauntes Gesicht und murmelte dann: "Ja, Herr Tschinag spricht auch kasachisch ..."

Ich habe dieses verschweißte Buch in Gegenwart der beiden nicht geöffnet, da machte sich die asiatische Erziehung bemerkbar: Geschenke werden schön verpackt, aber erst geöffnet, wenn der Besuch weg ist. Grund: Wenn Du ein Geschenk in Gegenwart des Schenkenden aufmachst und es gefällt dir nicht, dann muss dein Mund "Danke! Wie Schön!" sagen, auch wenn deine Augen was anderes ausdrücken. Um nun dies zu vermeiden, werden Geschenkpackungen erst später geöffnet.

Als ich dann in dieses Buch reinlas, stolperte ich schon auf den ersten Seiten über aneinander gereihte Alliterationen. Stabreim hin und her, aber ich finde, man kann da auch übertreiben. Und dann las ich Details wie, dass Kamele üppiges, saftiges Gras brauchen. Wenn sie nur mageres Gras bekommen, dann würden sie verhungern. Nein, das wusste ich besser. Sibirische Kamele gehen ein, wenn sie saftiges Gras essen, das ist zu energiereich für sie. Seitdem halte ich vom viehzüchterischen Wissen dieses Autors nicht besonders viel. Und ich fand noch mehr so Stellen, da klappte ich dieses Buch zu.

Ich habe das alles dem Münchner Urgestein erzählt. Er hat sich auch gewundert und gemeint: "Wenn die Häuptlinge selbst fahren, dann müssen sie sehr interessiert gewesen sein!" Und er fragte ungläubig: "Und die haben kein Angebot gemacht?" Ich: "Nein". Er: "Mehr als komisch!" Und dann erzählte er mir noch ein paar Insider-Infos über den A1, aber das gehört nicht hierher.

 


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Kommentare

Minischamanin Flora 07/17/2011 14:47


stimmt, ich glaube nicht das herr tschinag sich damit einen guten dienst getan hat, denn die medien zerfetzen gern alles und jeden, auch wenn er die frau moderatorin vorher gefragt hat, es gibt
zwar auch ausnahmen, aber die sind und werden immer seltener.

ich wünsche herrn galsan tschinag eine gute reise und viel glück, ob nun schamane oder nicht, mensch ist mensch.


Kiat Gorina 07/17/2011 18:39



Liebe Flora,


er hat nicht nur sich selbst keinen Gefallen getan, sondern er hat wieder das schiefe Bild von Schamanen bestätigt. Im Internet gab es dann Kommentare wie "Ich werde auch Schamane, weil ich dann
...". Und das finde ich sehr schade. Ich wünsche auch, dass er da heile herauskommt. Es kann natürlich auch sein, dass sein deutscher Verlag ihm das vorgeschlagen hat, um die Werbetrommel zu
rühren. Da stürzen sich dann Leser auf seine Bücher und suchen Stellen, wo er den Busen abfummelt. Blöd genug sind viele Menschen 


Liebe Grüße, Kiat



Minischamanin Flora 07/16/2011 21:11


stimmt


Kiat Gorina 07/17/2011 08:43



Liebe Flora, ich denke, dieses Video spricht nicht für diesen Schamanen  Liebe Grüße, Kiat



Deva 07/16/2011 21:09


Da hast Du Recht.
Bei einigen Geschehnissen, schaffe ist das mittlerweile auch, mit
einem Schulterzucken von dannen zu gehen.
Wie sagte Adenauer: Wer sich ärgert büßt für die Schuld der anderen.
Das finde ich einen sehr guten sinnvollen Spruch.
Ist es wirklich nicht wert.
Du hast was im Leben geleistet.
Das soll Dir erst einmal so jemand nachmachen.
Ich habe da großen Respekt davor.

Nochmals ein feines Nächtle
Deine Deva


Kiat Gorina 07/16/2011 22:50



Liebe Deva, vielen Dank für deine lieben Worte! Liebe Grüße, Kiat



Deva 07/16/2011 12:25


Haha, das Spichwort hat mein Großvater oft wiederholt.
Das entspricht echt den Tatsachen.
Hab das schon oft ausprobiert.
Aber ganz schön dreist von der Frau, so mit dir zu reden.
Glaube, die Weiber neigen immer sehr zum Neid, wenn
ne andere Frau erfolgreich ist.

einen feinen Tag noch
Deine Deva...


Kiat Gorina 07/16/2011 20:33



Liebe Deva,


wieso sollte ich mich über eine Redakteuse der Lokalzeitung, also der Hofberichterstattung de Schwarzen ärgern? Das wäre doch reinste Energieverschwendung! 


Liebe Grüße, Kiat



Deva 07/16/2011 10:16


Gut so! Das mit dem Buch auf dem Gymnasium, habe ich gelesen.
Ich finde das fantastisch. Ich würde vor Stolz platzen. Du kannst
wirklich stolz auf Dich sein.
Und das die Frau dort nicht mehr Geschäftsführerin ist, hat
hoffentlich was mit Dir zu tun...hihi

Deine Deva


Kiat Gorina 07/16/2011 10:29



Liebe Deva,


ein altes Verlagsurgestein im Verlagswesen hat mir einige Internas geflüstert, die Geschichte mit mir hat angeblich eine Geldgeberin sehr verärgert. Kann gut sein oder auch nicht. Und als ich
erfuhr, dass die Klasse sich für mein Buch entschieden hat und nicht für die Welle, ja, das hat schon gut getan. Und noch mehr hat es mich gefreut, dass eine Redakteuse von der Lokalzeitung mir
einmal übern Weg lief und mich ansprach: "Ich habe gehört, dass ihr Buch am Gymnasium gelesen wird. Aber bilden Sie sich ja nicht ein, dass wir darüber berichten!" Ich lächelte nur. Es gibt ein
asiatisches Sprichwort: "Das Lächeln ist eine gute Möglichkeit, um seinen Feinden die Zähne zu zeigen!"


Liebe Grüße, Kiat


 



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