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In Berlin sitzen im Abgeordnetenhaus auch fünfzehn Piraten - argwöhnisch von den etablierten Parteien beäugt. Diese Piraten verstoßen gegen die üblichen Sitten für Abgeordnete! Diese Piraten nehmen den Auftrag ihrer Wähler ernst! Wann hat es so etwas schon gegeben?
Das kann nicht so weiter gehen, haben sich die Schwarzen gedacht. Denn sie gingen ja eine Koalition ein mit den Blassroten, der früheren SPD. Jetzt regiert Schwarz. Und die Schwarzen in Berlin haben in die griechische Mythologie geschaut und vom Niedergang Trojas gelesen. Aha, das ist die Lösung: Sie brauchen ein trojanisches Pferd für den Kampf gegen die Piraten.
Dumm war nur, dass keiner von den Schwarzen wusste, wie in der heutigen Zeit Trojaner zusammengezimmert werden. Aber da gibt es ja Firmen wie Digitask. "Um Gottes willen" , ruft einer der Schwarzen empört, "das ist doch die Firma, die den Bundestrojaner gebaut und verkauft hat - an die Bundesländer. Und die Chaoten von einem Computer Club haben das bemerkt und an die große mediale Glocke gehängt.
Offenbar war dieser Bundestrojaner ziemlich stümperhaft zusammengezimmert worden, ja diese Firma hat wahrscheinlich die falschen digitalen Nägel verwendet - jetzt dürfte die Zukunft dieser Firma ziemlich vernagelt sein.
Anfangs nannte sich diese Firma ja "Reuter Leiterplatten GmbH" - das war August 1986. Und dann passierte ein kleines Malör: Dezember 1999 teilte die Staatsanwaltschaft Köln mit, dass gegen den Firmeninhaber und einem Mitarbeiter Haftbefehle ausgestellt wurden - wegen Verdacht auf Bestechung und Vorteilsgewährung.
Und was machte der Rest der Firma, um damit nicht in Zusammenhang genannt zu werden. Die Firma nannte sich um - in "Digitask". Der derzeitige Geschäftsfüher von digitask heißt "Achim Pulverich" - nicht die Griechen, aber die alten Römer haben ja gesagt: NOMEN EST OMEN.
Quelle: SPIEGEL ONLINE Trojaner-Hersteller beliefert etliche Behörden und Bundesländer
Und da nun sozusagen diese Firma bereits polizeibekannt war, erhielt sie viele lukrative Aufträge von Polizei- und Zollbehörden. Und wieder ist bewiesen, dass das wirkliche Leben die tollsten Geschichten schreibt: Würde so etwas in einem Fernsehkrimi gesendet, rümpften die Zuseher die Nase: "So ein ausgemachter Schmarrn!"
Ja, also für die Schwarzen kam als Lieferant Digitask nicht mehr in Frage - diese Kartoffel war ihnen doch zu heiß. Aber ein Trojanisches Pferd musste es unbedingt sein. Da gibt es doch im Saarland die Firma Syborg.
Eigentlich gibt es gleich zwei SYBORG Firmen, eine SYBORG GmbH und eine SYBORG Grundbesitz GmbH. Geschäftsführer beider Gesellschaften ist einunddieselbe Person - wie das Impressum ausweist.
Aber so etwas gehört zu den Praktiken der "steuerlichen Optimierung" - das gehört sozusagen zum guten Ton.
Also kaufte die Stadt Berlin von Syborg einen Trojaner - 280.000 Euronen legten sie dafür auf den Tisch. Was will Berlin mit diesem trojanschen Pferd? Oder mit diesem Trojanervirus? Böse Menschen - also alle Piraten und auch die Linken, die Berlin übelwollen, abhören! Vor allem, wenn sie ihre Telefonate über das Internet führen.
Jedenfalls hat der Berliner Innensenator Frank Henkel das zugegeben, diese Piraten besaßen die Frechheit, eine Große Anfrage einzureichen. Es ist wirklich fürchterlich mit diesen Piraten, die kapieren sofort, wie das im Parlament läuft und schlimmer noch, sie nützen es für die Wahrnehmung der Interessen ihrer Wähler schamlos aus!
Überhaupt, der Name "Piraten" ist genaugenommen eine Wählertäuschung! Ja, sagen die etablierten Parteien. Die hat doch keiner von uns ernst genommen, wir haben gedacht, das sind Youngster, die Piraten spielen und mit Augenklappe herumlaufen und ein bisschen mit dem Säbel rasseln.
Und dann stellt sich heraus, dass das alles nicht stimmt! Eine richtige Gemeinheit, uns - die Oldies - so auflaufen zu lassen! Da sind wir etablierten Parteien uns alle einig!
Quelle: BERLINER UMSCHAU Berlin kaufte Staatstrojaner für 280.000 Euro
10.11.2011 - Abgeordnetenhaus Berlin - Überwachungssoftware an Schulen - C. Lauer (Piraten)
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