Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Heute fuhr ich durch ein Dorf. Das Dorf bestand aus einer einzigen Baustelle - eines der Konjunkturprogramme lässt grüßen. Komisch, dass die meisten Bauunternehmen zu Gute kommen.
Aber klar doch! Die meisten Bauunternehmer sind in Bayern Mitglied der CSU ...
Als ich an einem ehemaligen Bauernhof vorbei tuckerte, lief ein Mädchen auf die Straße, ich erkannte sie, es war die Älteste einer Kundin. Ich hielt, atemlos fragte sie mich: "Unser Esel ist krank, kannst du mal schauen."
Ich ging mit und schaute mir den kleinen Esel an. Die Mutter war auch da, völlig aufgelöst, als sie mich sah, versteckte sie schnell Unterlagen, die sahen wie Kursunterlagen aus. Sie wird doch nicht ein Fernstudium machen?, dachte ich mir.
"Was hat er denn?" fragte ich. Die Älteste kam ihrer Mutter zuvor: "Er frisst nicht mehr?"
"Hat er schon geäppelt?" Kopfschütteln.
Also horchte ich ihn ab, aha, auf der linken Seite nur schwache Darmgeräusche. "Habt ihr einen Noppenstriegel?" Nicken. Dann zeigte ich der Großen, wo und wie sie mit dem Striegel massieren sollte. Sie machte das. Ziemlich perfekt.
Ich massierte die Ohrspitzen, der Esel horchte in sich hinein, er bewegte seine Unterlippe, aha, es gefiel ihm. Da mischte sich die Mutter ein: "Der Esel zittert ja, du tust ihm weh!"
"Nö, es gefällt ihm. Aber ich kann ja gehen ..."
"Nein, nein, ich habe nur gemeint ..."
Da, plötzlich, der Esel ließ einen Furz, einen superlangen. Also ging es ihm besser. Zur Großen sagte ich: "Geh doch mal mit deinem Esel eine Strecke spazieren." Sie tat das auch."
Als die Tochter weg war, sprach mich die Mutter an: "Ich wollte eigentlich Akupunktur machen, aber ich wusste nicht, was ein Cun ist."
"Das ist die Breite des Calcaneus. Und ein Cun, so tief musst du die Nadel einstechen."
"Was ist ein Calcaneus?"
"Das Fersenbein."
Dann kramte sie in einem Haufen kopierter Blätter. "Da steht: 0,2 Cun bei den Ohrspitzen! Da hätte ich akupunktiert", sagte sie fast vorwurfsvoll.
"Was meinst du, was ich die ganze Zeit gemacht habe?!"
"Aber du hast ja keine Nadel genommen."
"Das wäre ja noch schöner. Dein Esel hat Schmerzen und da willst du ihn noch pieken. Ich massiere da lieber mit meinen Fingern."
"Du nimmst keine Nadeln?"
"Wenn es sich vermeiden lässt, nein."
Ich wollte schon meine Tasche wieder einpacken, da kam die Große mit dem Esel. Erfreut erzählte sie: "Er hat einen großen Haufen gemacht!"
"Dann ist er wieder in Ordnung. Lasst ihn nicht aufs Gras, gebt ihm lieber altes Heu und viel Wasser."
Und weg war ich ...
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