Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Auf meinen Blogbeitrag "Absage von DroemerKnaur" schrieb mir Mariella: "Was ist denn mit dem Suhrkampverlag? Der hat ja auch 1994 schon 'Der blaue Himmel' von Galsan Tschinag rausgebracht." Und Reiner antwortete: "das erste Buch von Galsan Tschinag erschien im A1, dann ist er zu Suhrkamp gewechselt. Sicher ein guter Tipp!"
Liebe Mariella, ich danke dir für deinen Tipp. Und lieber Reiner, bei Suhrkamp habe ich mal angerufen, immerhin konnte ich schildern, worum es in meinem Buch geht. Dann wurde ich ziemlich arrogant abgefertigt: "So etwas brauchen wir nicht!" Naja, sie werden schon wissen, was sie tun.
Zum A1 Verlag in München fällt mir eine Begebenheit ein. Ich hatte mit der Geschäftsführerin, Frau H., Ende 2007 Kontakt aufgenommen. Sie bat mich um eine Kopie des Manuskriptes. Das habe ich ihr noch vor Weihnachten geschickt.
Dann bekam ich kurz vor Ostern 2008 eine Mail, ob sie mich besuchen könnten. Naja, warum nicht? Ein bisschen aufgeregt war ich schon, die GF eines Verlages besuchen mich, eine Debütantin! Sie wollten gegen zwölf Uhr bei mir sein, also zum Mittagessen.
Nun kenne ich in München ein Verlagsurgestein, diesen älteren Herrn rief ich an. Als er erfuhr, dass sie bei mir zum Mittagessen auftauchen, gluckste er immer wieder: "Geht es den Verlagen schon so schlecht, dass sie sich bei Debütanten durchessen müssen?"
Er riet mir, zunächst mal anzuhören, was sie wollen. Und er sagte zu mir, rausschmeißen könnte ich sie ja immer noch. Und ich sollte ja nichts voreilig unterschreiben!
Pünktlich fuhr dann ein Bus auf meinen Hof. Wie ich später erfuhr, saß ihr GF-Kollege, Herr V., am Steuer. Frau H. sah meinen, zugegeben, ziemlich rustikalen Hof, ich brachte gerade Pferd und Esel auf die Koppel. Frau H. sah überhaupt nicht erfreut aus, sie zögerte auszusteigen. Ihr Kollege Herr V. stieg flott aus und wollte meinen Esel streicheln. Dann gingen wir ins Haus.
Frau H. wollte von mir wissen, wer mein Manuskript lektoriert habe. Lektoriert? Ich stellte mich doof, das gelingt mir meistens sehr gut, und antwortete: "Mein PC hat doch ein Rechtschreibprogramm!" Sie: "Das meine ich nicht!" Und sie wiederholte mehrmals: "Wer hat das lektoriert?"
Herr V. meinte auch, der Text sei so geschrieben, dass man nicht aufhören könne zu lesen. Frau H. gefiel meine Sprache nicht, das sei kein Roman, ja, das könne allenfalls als Jugendroman durchgehen.
Wer mein Manuskript kennt, wird da den Kopf schütteln. So ging es hin und her. Ich merkte schon, Frau H. wollte nicht, Herr V. schon. Da fragte ich mich, wieso die beiden extra von München zu mir gefahren sind. Herrn V. wollte dann wissen, ob er das Manuskript nochmal mitnehmen dürfe. Ich: "Wieso? Lassen Sie es hier, dann sparen Sie sich das Porto".
Aber er nahm das Manuskript mit. Dann tat sich einige Wochen nichts. Da rief ich an und hatte Frau H. am Telefon. Als ich nach dem Manuskript fragte, meinte sie schnippisch: "Hat das Herr V. noch nicht zurückgeschickt, wir haben keine Verwendung für den Text!"
Dann dauerte es noch Wochen, bis wirklich mein Manuskript zurückgeschickt wurde.
Bei dem Besuch hatte Herr V. ein Buch von Galsan Tschinag mit gebracht: Mein Altai. Ich guckte auf den Umschlag, da waren drei Pferde drauf, eins gesattelt. Da rutschte es mir raus: "Das ist aber kein mongolischer Sattel, das ist ein kasachischer!"
Herr V. machte ein erstauntes Gesicht und murmelte dann: "Ja, Herr Tschinag spricht auch kasachisch ..."
Ich habe dieses verschweißte Buch in Gegenwart der beiden nicht geöffnet, da machte sich die asiatische Erziehung bemerkbar: Geschenke werden schön verpackt, aber erst geöffnet, wenn der Besuch weg ist. Grund: Wenn Du ein Geschenk in Gegenwart des Schenkenden aufmachst und es gefällt dir nicht, dann muss dein Mund "Danke! Wie Schön!" sagen, auch wenn deine Augen was anderes ausdrücken. Um nun dies zu vermeiden, werden Geschenkpackungen erst später geöffnet.
Als ich dann in dieses Buch reinlas, stolperte ich schon auf den ersten Seiten über aneinander gereihte Alliterationen. Stabreim hin und her, aber ich finde, man kann da auch übertreiben. Und dann las ich Details wie, dass Kamele üppiges, saftiges Gras brauchen. Wenn sie nur mageres Gras bekommen, dann würden sie verhungern. Nein, das wusste ich besser. Sibirische Kamele gehen ein, wenn sie saftiges Gras essen, das ist zu energiereich für sie. Seitdem halte ich vom viehzüchterischen Wissen dieses Autors nicht besonders viel. Und ich fand noch mehr so Stellen, da klappte ich dieses Buch zu.
Ich habe das alles dem Münchner Urgestein erzählt. Er hat sich auch gewundert und gemeint: "Wenn die Häuptlinge selbst fahren, dann müssen sie sehr interessiert gewesen sein!" Und er fragte ungläubig: "Und die haben kein Angebot gemacht?" Ich: "Nein". Er: "Mehr als komisch!" Und dann erzählte er mir noch ein paar Insider-Infos über den A1, aber das gehört nicht hierher.