Vor Monaten hatten mir Reiterinnen erzählt, dass eine Bekannte von ihnen an Krebs erkrankt ist. Da war ich erschrocken, weil ich vor Jahren mit dieser Frau eine nette Stallgemeinschaft hatte. Sie besaß zwei Pferde, ich damals nur meinen Tiger. Wir hatten einen Holzstall vom Vater ihrer Schwiegermutter gemietet, es war die ganze Zeit sehr nett.
Dann passierte etwas Unschönes: Als ich eines Tages zu dem Holzstall kam, um Tiger zu versorgen, war er nicht mehr da. Statt dessen standen zwei überfettete Stuten in den Boxen, die hatte sich der Reitverein eine Woche vorher von einem Viehhändler aus Uffenheim bringen lassen.
Ich ging gleich zur Reithalle des Vereins und fand dort Tiger in Ständerhaltung! Mein Tiger angebunden?! Kommt nicht in Frage. Was war passiert?
Der Verein hatte die beiden Stuten eingespannt und fast alle Mitglieder drängten sich auf der Kutsche. Die beiden Pferde mussten mächtig ziehen und kamen ins Schwitzen. Weil beide Stute sehr fett waren, lief der Schweiß auch am Euter herunter. Das sah der Vorsitzende und geriet in Panik: "Um Gottes willen, die beiden fohlen jeden Moment ab!"
Die Leutchen schirrten die Stuten aus, quartierten kurzerhand meinen Tiger aus und schütteten Berge von Stroh in die Boxen. Dann führten sie die beiden Stuten hinein, einer schüttete immer wieder Stroh auf den Weg, denn der Vorstand hat ja gesagt, dass die jeden Moment abfohlen.
Ich ließ mir die Ständerhaltung für Tiger nicht gefallen. Dann sah ich mir die Stuten an, das war keine Milch, die da floss, sondern nur Schweiß. Die Stuten waren einfach zu fett. Ich bestand darauf, dass ein Tierarzt geholt wurde und die Stuten untersucht. So geschah es auch.
Der Vorsitzende hatte auch wutentbrannt den Viehhändler angerufen und ihm vorgeworfen, er hätte sie betrogen und hochträchtige Stuten verkauft. Das ließ sich der Viehhändler nicht gefallen und kam gleich hergefahren, mit einer Mordswut im Bauch.
Dann kam der Tierarzt, er untersuchte beide Stuten. Ich fragte ihn dann: "Und? Sind die Stuten tragend?" Er lächelte und meinte dann: "Bei der einen auf keinen Fall und bei der anderen vielleicht in elf Monaten!" Als der Viehhändler das hörte, lachte er so gewaltig, dass die Bretter vibrierten, dann drehte er sich zum Vorsitzenden um und sagte ihm verächtlich ins Gesicht: "Pferdefachleute!" Dann ging er, dabei drehte er sich noch mal um und hieb voller Verachtung seine Hand nach unten.
Der Vorsitzende hatte einen ganz roten Kopf bekommen. Ich ging jetzt zu meinem Tiger, band ihn los und ging mit ihm zum Holzstall. Zu den Reiterinnen sagte ich: "So jetzt holt mal die Stuten aus dem Stall, es dauert ja wohl eine Weile, bis die abfohlen!" Mit vor Wut zusammengekniffenen Lippen zogen die ihre Stuten aus dem Holzstall und liefen mit ihnen zur Reithalle. Das Ganze sah wie ein Trauerzug aus. Dann zoh sich der Reitverein zur Kriegsberatung zurück. Denn der Vorsitzende mit samt seinem Verein hatten sich ziemlich blamiert!
Als ich dann vom Ausreiten zurückkam, erwartete mich schon eine Gruppe von Reiterinnen, die Schwiegermutter der Stallfreundin war auch dabei. Die keifte am meisten und steigerte sich immer weiter in ihre Wut. Dann schrie sie: "Bei Hitler ist so was wie du vergast worden!" Das war den anderen dann doch zu viel, gemeinsam zogen sie die Zeternde mit sich.
Dass jetzt auch meine Stallfreundin plötzlich nichts mehr von mir wissen wollte, ja mehr noch, schlimme Gerüchte über mich in den Umlauf brachte, das betrübte mich sehr. Naja, so sind halt die Menschen, habe ich mir gedacht. Aber traurig war ich schon.
Und dann die Krebserkrankung! Da fiel mir wieder diese ganze unschöne Geschichte ein. Und die Prophezeiung: Alle dir mir schaden, von denen wird das Glück weichen!
Ich rief gleich diese Frau an, wir redeten eine Weile, ich wünschte ihr alles Gute und fragte sie, ob sie die Krebsklinik in Freiburg kenne, die nur mit alternativen Mittel arbeitet. Sie wollte aber davon nichts wissen und meinte nur: "Ach, was Du schon weißt!" Ich zuckte mit meinen Schultern.
Dann hörte ich, dass sie operiert worden war. Da rief ich sie an und erkundigte mich nach ihr. Sie war sehr geschwächt und sagte mir, dass sie überhaupt keinen Hunger mehr hat und sich geradezu vor dem Essen ekelt. Ich gab ihr ein paar Tipps, jetzt hörte sie zu und war auch ganz anders, fast wie früher zu Zeiten der Stallgemeinschaft. Ich wünschte ihr noch alles Gute. Aber ich habe ein sehr schlechtes Gefühl. Sie soll dann noch eine Chemotherapie machen, aber ob dies hilft, da habe ich so meine Zweifel.
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