Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Fast jeden Tag muss ich derzeit in der Zeitung lesen, dass eine Bank pleite ist. Manchmal auch hier in Deutschland. Und bei manchen Banken bürgt sogar die Bundesrepublik. Igendwie verstehe ich das nicht:
Die Neoliberalen waren doch sonst immer gegen staatliche Eingriffe. Aber dass jetzt die privaten Verluste der Masse der Steuerzahler aufs Auge gedrückt werden, das finden die jetzt plötzlich in Ordnung.
In diesem Zusammenhang fällt mir ein, wie einer meiner Lehrer mich fragte: "Kiat, wie fängt man Affen?"
Das Problem damals war, dass ich noch nie vorher einen Affen gesehen hatte. Also musste mein Lehrer mir erklären, was für ein Tier ein Affe ist. Sozusagen menschenähnlich. Er erklärte mir dann, wie sich Affen ganz leicht fangen lassen:
Man nehme einen hohlen Baum, und bohre ein Loch, gerade so groß, dass die Hand eines Affen durchpasst. Dann lege man ein paar Nüsse in den Baum. Jeder Affe ist neugierig. Er wird das Loch untersuchen. Und er wird bemerken. dass in dem Baum was liegt. Also greift er sich die Nüsse, macht eine Faust und kann seine Hand nicht mehr zurückziehen. Immer wieder probiert er es. Auf die Idee, die Nüsse loszulassen und keine Faust zu machen, nein, darauf kommt der Affe nicht. Die Gier ist zu groß.
Genauso kommen mir die vielen Spekulanten vor. Aus Gier nach noch mehr Geld verzocken sie Geld, das ihnen nicht gehört. Sie wetten auf alles. Dass eine Firma pleite geht, und wenn nicht, dann wird "nachgeholfen", nur damit sie ihre Wette und damit Geld gewinnen. Da wird darauf spekuliert, dass die Lebensmittelpreise steigen usw.
Und was machen unsere politischen Entscheider? Nichts! Offensichtlich sind sie so sehr in ihrer Gier nach (vermeintlicher) Macht gefangen, dass sie nicht mehr klar denken können.
Auch in einer Sippe bei den Nomaden gab es gierige Menschen. Einmal erlebte ich selbst, wie der Chan immer gieriger wurde. Da kam es zur Spaltung: Die Züchter und Handwerker wurden davon gejagt, nur die Günstlinge des Chans blieben. Zu spät merkten sie, dass sie jetzt niemand mehr hatten, der für sie arbeitete. Mit dieser Sippe ging es schnell bergab.
Und wenn ein einzelner in der Sippe zu gierig wurde, griffen der Chan und der Schamane ein. War dieser Gierschlund uneinsichtig, wurde ihm die schlimmste Strafe angedroht, das half meistens. Was die schlimmste Strafe war? Nun, der Ausschluss aus der Sippe! Er musste die Sippe für immer verlassen. Das kam meistens einem Todesurteil gleich, denn in der rauhen Steppe konnte einer allein nicht überleben.