Gestern las ich einen Artikel von Daniela Wiegmann (dpa) und Antje Homburger (AP). Beide warfen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück vor, er habe mehrfach öffentlich von einer geplanten "Abwicklung" der Hypo Real Estate gesprochen und damit dazu beigetragen, dass die am ersten Krisengipfel beteiligten Privatbanken ihre Zusagen zurückzogen.
Aber hallo! Was war denn am ersten Krisengipfel vom 29.09.2008 vereinbart worden? Jochen Sanio (Bafin), Peer Steinbrück, Martin Blessing (Commerzbank), Josef Ackermann (Deutsche Bank) und Klaus-Peter Müller (Bankenverband) hatten sich auf eine Ausfallbürgschaft für die HRE geeinigt.
Was heißt Ausfallbürgschaft? Nun, wie der Name sagt, eine Bürgschaft für den Ausfall der HRE, also wenn die HRE ihren Verpflichtungen nicht nachkommen kann. Dann müssen die Bürgen einspringen. Also hatte Steinbrück doch vollkommen Recht, wenn er sagte, dass diese Bürgschaft für den Fall ein geregelten Abwicklung vorgesehen ist.
Daraus nun ein Fehlverhalten von Steinbrück zu konstruieren, halte ich für schlechten Journalismus. Mir stellt sich hier die Frage, was Wiegmann und Homburger bewogen hat, so etwas zu berichten. Was war denn beschlossen worden? Für Ausfälle bis 14 Milliarden EUR bürgt der Staat bis 40 %, der Bankenverband mit 60 %. Zusätzlich bürgt der Staat für weitere 20 Milliarden EUR allein.
Gerade Presseagenturen sollten objektiv berichten; zumal immer mehr Zeitungen dazu übergehen, ihre Redaktionen auszudünnen und einfach Artikel der Presseagenturen 1:1 zu veröffentlichen.
Immerhin, diese einseitige Berichterstattung konnte nicht verhindern, dass einige der Schuldigen für diese schwere Finanzkrise ihren Stuhl räumen müssen, so Paul Leatherdale (Chef der Deutschen Pfandbrief AG) und Bo Heide-Ottosen (sitzt im Vorstand der HRE). Beide haben angekündigt, dass sie kurzfristig das Unternehmen verlassen werden. Wahrscheinlich wieder mit einem vergoldeten Handschlag ...
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