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Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.

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Elternfreundlich?

Wenn ich in dieser Woche mit Eltern von Kindern, vor allem schulpflichtigen Kindern, sprach, spürte ich jedesmal eine Riesenwut, vor allem auf die Schulen im allgemeinen und auf das Kultusministerium im besonderen. Was war passiert?

Am letzten Mittwoch war Buß- und Bettag, früher mal ein Feiertag, vor allem in Gegenden mit protestantischer Mehrheit, so etwas soll es ja gerüchteweise auch in Bayern geben. Dieser Feiertag wurde vor vielen Jahren der Gewinnmaximierung der Arbeitgeber geopfert. Getreu nach dem Bibelspruch "Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat!" getraute sich die evangelische Kirche dagegen nicht einmal aufzumucken. Naja, die protestantischen Kirchenöberen waren schon immer folgsam, für sie galt stets: Nomen non est omen! Den Katholiken dagegen einen Feiertag wegnehmen, das hat sich noch keiner getraut.

Am letzten Buß- und Bettag war bayernweit schulfrei angesetzt worden, sehr zum Verdruss der berufstätigen Eltern, die nicht wussten, wohin mit den Kleinen, die zu Hause blieben. Aber die Behörden setzten noch eins drauf. Am heutigen Samstag war ein Schultag angesetzt worden, als Ausgleich dafür, weil sonst im gesamten Schuljahr ein freier Tag zuviel entstehe. Bei insgesamt 14 Ferienwochen pro Jahr ist so etwas natürlich untragbar.

Dass an diesem Tag keine Schulbusse fahren, das wurde relativ spät bemerkt. Dann kam der Schnee, von den Wetterfröschen lange vorher angekündigt. Irgendwann ging das Gerücht umher: Bei starkem Schneefall fällt die Schule aus. "Ja, das habe ich auch im Lokalradio gehört", sagte ich zu einer Mutter. Die, ganz aufgebracht: "Ach, was die senden, das ist sowieso nur Quatsch! Da höre ich schon gar nicht mehr hin. Und die Musik war früher besser, jetzt bloß noch diese Rumhüpfgeräuschkulisse, ich bin doch keine vierzehn mehr!"

Heute wusste niemand definitiv: Ist Schule oder nicht? Fährt ein extra Bus oder muss ich meine Kinder selbst zur Schule bringen? Im Landkreis hatte man ja einen "Gesundheitstag" angesetzt. Wahrscheinlich als Ausgleich dafür, dass der Turnunterricht immer mehr reduziert wird.

Von einer betroffenen Mutter in Kulmbach erfuhr ich, dass dort die Kinder heute ins Bäckereimuseum gehen, naja, das hat den guten Nebeneffekt, dass auch die Eltern erfahren, dass es in ihrer Stadt ein solches Museum überhaupt gibt. Jedenfalls wäre es viel einfacher gewesen, am letzten Mittwoch ein paar Stunden abzuhalten und diese ganze Aufregung hätte es nicht gegeben.

Ich verstehe einfach diese Staatsregierung nicht. Auch die neue Regierung setzt offenbar den Trend der alten fort und beim Volk schwindet das Vertrauen, das Volk weiß nicht mehr, woran es ist, an was soll es sich halten. Da wird was beschlossen, die BürgerInnen stellen sich knurrend darauf ein und dann werden die Beschlüsse wieder zurück genommen.

Nehmen wir das Büchergeld! Erst beschlossen, mit viel Aufwand wurde in den Schulen das Büchergeld eingetrieben, dann stellte man fest, dass es ja auch Eltern gibt, die unter der Knute von König Hartz dem Vierten stehen, ach ja, für die müssen wir uns eine Lösung einfallen lassen, dann wurde in einigen Städten zu Spenden aufgerufen, dann klagte jemand, diese Spenden dürften nicht für Schulbücher eingesetzt werden, also wurde ein Verwaltungsgericht bemüht und nachdem der Stoiber Edi seinen neun Monate langen Abschied auszelebriert hatte, wurde das Büchergeld wieder gestrichen.

Oder das Rauchverbot! Dafür hatte sich ja einst der Schüttel-Schorsch stark gemacht, weil er meinte, er könne damit sein Image für Recht und Ordnung schärfen. Er hat wohl das Gegenteil erreicht. Die Raucherklubs schossen aus dem Boden, die Ordnungsämter konnten nicht eingreifen, nach der Kommunalwahl gab es lange Gesichter und vor der Landtagswahl versprachen die PolitikerInnen, dass am Rauchverbot in Gaststätten sich was ändern werde. Die Frage nach dem Was ist bis heute nicht geklärt. Im Gegenteil, die Ordnungsämter sind jetzt in Sachen Rauchverbot warmgelaufen (Leute, es braucht halt seine Zeit, bis sich neue Verordnungen in Ämtern rumsprechen ...) und vergeben jetzt gnadenlos Bußgelder. Die armen Bürger wissen nicht, woran sie sind.

So wird noch das letzte bisschen Vertrauen in Sachen Politik zerstört.

Wenn ich da an meine Zeit in der Steppe erinnere, da hat ein guter Chan vor her mit seiner Sippe geredet, wenn er etwas durchsetzen wollte. Und dann blieb es dabei.


(C) Copyright 2004-2008 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.
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