Overblog Alle Blogs
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.

Werbung

Karwoche und Aberglauben

Gestern schien die Sonne, da hing ich meine Wäsche im Freien auf. Nur wenig später fuhr eine Bäuerin mit ihrem Traktor vorbei, hielt und kam zu mir auf den Hof. Sie sah meine Wäsche und sagte: "Nächste Woche darfst Du nichts waschen, sonst stirbt jemand im Dorf!"

Da fiel es mir ein, nächste Woche ist Karwoche. Der Aberglauben will es, wenn in dieser Woche jemand Wäsche wäscht, dann stirbt einer im Dorf.

Ich weiß noch mehr solche "Bräuche", also machte ich mir einen Spaß: "Und ihr dürft dann in der Karwoche auch nicht odeln und auch keinen Mist ausbringen! Das bringt Unglück fürs Dorf!"

"Ja, freilich! Aber heuer ist es ein spätes Jahr, und bei einigen Bauern sind die Güllegruben randvoll, ich glaub, einige werden odeln", meinte sie sorgenvoll.

"Und die Betten darfst Du in der Karwoche auch nicht frisch beziehen! Sonst werden die Menschen krank!"

"Das habe ich noch nicht gewusst!"

Ich fuhr fort: "Und Du musst mit geweihter Kreide ein großes Kreuz unterm Bett auf den Boden malen, dann kann der Teufel nicht eindringen!"

"Wirklich?"

"Klar! Ach ja, am Palmsonntag musst Du auf nüchternem Magen drei unzerkaute Palmkätzchen schlucken, dann bleibst Du das ganze Jahr gesund."

"Das habe ich auch noch nicht gehört. Aber hilft das wirklich?"

"Musst halt ausprobieren."

"Weißt Du noch mehr?"

"Der Gründonnerstag ist ja auch der Antlasstag. Die Eier, die deine Hühner an diesem Tag legen, die sind besonders heilkräftig."

"Ja, davon habe ich schon gehört. Woher weißt Du das alles?"

"Naja, wenn der Dorfwirt erzählt, dass ich eine Hexe bin, dann muss ich doch so was wissen. Ich darf ja deshalb nicht mehr in seine Wirtschaft. Letztes Jahr habe ich nicht mal an der Wahl des Ortssprechers teilnehmen können. Genau genommen, ist die Wahl ungültig, weil undemokratisch. Und auch nicht an der Bürgerversammlung."

"Der war schon immer komisch, mach dir nichts draus. Ich muss jetzt weiter."

Ich grinste innerlich, da habe ich ihr einen Besen aufgebunden, obwohl,  diese abergläubischen Bräuche gibt es immer noch in manchen Gegenden. Schade, dass sie es eilig hatte. Ich hätte ihr gerne noch erzählt, dass man am Karfreitag keine Hämmer und Zangen anfassen darf. Grund: Die können zum Foltern missbraucht werden.

Und die Bauern dürfen nicht pflügen und auch nicht graben, weil sie sonst die Grabesruhe Jesu stören.

Ich wundere mich immer über Menschen, die an solchem Aberglauben festhalten. Aber wenn jemand wie ich anders lebt als die sog. Dorfgemeinschaft, dann werde ich gleich als "Hexe" verschrieen. Als Dummheit verteilt wurde, haben manche Menschen offenbar gleich mehrmals "Hier" gerufen.


(C) Copyright 2004-2009 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.
Werbung
Zurück zu Home
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post
F
Da mit dem Laib Christi klingt irgendwie kanibalisch.
Antworten
K
<br /> Liebe Flora,<br /> <br /> das klingt nicht nur so, das ist kannibalisch! Es hat ja früher Stämme gegeben oder es gibt sie noch heute, da werden dem besiegten Feind das Herz rausgerissen und verspeist. Die glauben dann, dass<br /> die Kraft des Gegners auf sie übergeht ...<br /> <br /> Übrigens, eigentlich war Jesus ein jüdischer Rabbi. Und dem Judentum ist diese Form von Kannibalismus fremd! Im Alten Testament steht zwar was von einem Bock, der in mit den Sünden beladen <br /> und in die Wüste geladen wird, aber dass Leib des Gottessohnes oder des Messias verspeist wird, das findest Du nicht in der jüdischen Religion.<br /> <br /> Nachdenkliche Grüße, Kiat<br /> <br /> <br />
F
Das hat sie gleich alles ihrem Nachbarn erzählt ? Alles ? Meine Güte muß die Dame eine Plaudertasche sein !<br /> <br /> Jaja diese nun wieder.<br /> <br /> Geisterhäuschen sind eine nette Idee, find ich!
Antworten
K
<br /> Liebe Flora,<br /> <br /> ich finde Geisterhäuschen auch eine gute Idee!<br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br />
S
Liebe Kiat,<br /> <br /> egal, wie immer man dies nennt: Aberglaube ... Volksweisheit ... Überglaube ... es hat immer seine Berechtigung, indem dass er dem Glauben anderer Völker entsprungen ist. Den Begriff Aberglaube haben die Christen geprägt, um diesen Glauben als etwas darzustellen, dass dem 'wahren Glauben' konträr ist.<br /> Dabei ist es ja auch ganz schön abgefahren, an Engel, Wunder und Auferstehung von den Toten zu glauben, oder?<br /> Solche Auswüchse wie Kommerz, Verdummung, Automatisierung gab es wohl schon in jeder Kultur, egal ob christlich, keltisch oder sonstwie. <br /> Kreuzzügler brachten aus dem Heiligen Land Phiolen mit der Muttermilch von der Hl. Maria mit, sowie Dornen aus der Dornenkrone, Splitter vom Kreuz usw.. Juden schleppen uralte Schriftrollen durch die halbe Welt, Buddhisten stellen sich Geisterhäuschen vor die Tür .<br /> Der Mensch braucht ein bisschen Feenstaub, dann gehts ihm gut ;-)<br /> LG<br /> Sabine
Antworten
K
<br /> Liebe Sabine,<br /> <br /> zu den Geisterhäuschen: Der Hintergrund ist der, dass beim Bau eines Hauses viele Bewohner dadurch gestört oder gar vertrieben werden. Diese "Bewohner" können Lebewesen sein, aber auch für uns<br /> unsichtbare Energieformen.<br /> <br /> Und um nun die gestörten Bewohner zu besänftigen, werden Geisterhäuschen aufgestellt, täglich wird auch Nahrung reingelegt.<br /> <br /> Die Quintessenz dessen ist jedoch, bei jedem Eingriff in die Natur stets behutsam vorzugehen, gerade so viel eingreifen, wie es unbedingt nötig ist.<br /> <br /> Aberglaube findest Du so ziemlich in jeder Religion. Ich kenne einige Theologen, die selbst Schwierigkeiten haben mit den magischen Praktiken ihrer Kirche. Nimm z. B. das Abendmahl, bei den<br /> Katholiken ist die Oblate nach der Wandlung wirklich der Leib Christi. Also, wenn das keine magische Handlung ist. Aber diese Theologen dürfen das nicht laut und auch nicht öffentlich sagen.<br /> <br /> Ich stimme dir voll zu, dass Aberglauben sich dazu missbrauchen lässt, um die Schäfchen bei sich zu behalten und gegen andere abzugrenzen.<br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br />
F
Da hast du die Frau aber voll erwischt ! :-)
Antworten
K
<br /> Liebe Flora,<br /> <br /> wie mein Buschfunk mir später berichtet hat, hat sie das gleich ihren Nachbarn erzählt ...<br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br />
H
Köstlich!<br /> in Fernsehen habe ich zu Weihnachten auch so eine Sendung mit Gebräuche und Aberglaube gesehen. Es war in Österreich, leider weiß ich nicht mehr wo genau.Jedenfalls wenn man da ein bestimmtes Ritual in der Kirche macht (ist mir leider auch entfallen) kann man die Hexen daran erkennen, das sie umgekehrte Eimer auf den Köpfen tragen!<br /> Ich konnte mich kaum einkriegen vor Lachen, weil ich mir das bIldlich Vorgestellt habe! :o))
Antworten
K
<br /> Liebe Heike,<br /> <br /> zur Zeit der Hexenverbrennungen galt auch der Glaube, dass Hexen nichts wiegen. Wer als Hexe verdächtigt wurde und genügend Geld hatte, konnte sich in Leyden auf einer Hexenwaage wiegen lassen. Er<br /> bekam dann ein Zertifikat, dass er etwas wiegt, also keine Hexe ist.<br /> <br /> Das zeigt, wie sich Aberglaube auch kommerzialisieren lässt.<br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br />