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Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.

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Flucht aus Dubai

Gestern abend rief ein Mensch an, mit bibbernder Stimme: "Du ich bin hier im Bahnhof Nürnberg."

"Ich habe gedacht, Du bist in Dubai?"

"Das war ich auch, aber ich habe meinen Job verloren und habs geschafft, gerade noch rauszukommen. Ich habe alte Bekannte und Freunde angerufen, aber die hatten alle keine Zeit oder konnten sich an mich nicht erinnern. Und da bist Du mir eingefallen."

"Naja, wir haben vor vielen Jahren zwar den betrieblichen Umweltberater zusammen gemacht, aber da warst Du immer recht arrogant zu mir. Hast Du das vergessen?"

Das musste sein! Da wollte er mit mir nichts zu tun haben, zog Witze über mich und jetzt bin ich gut genug für ihn, weil er offenbar in der Patsche sitzt.

"Hast Du noch Kleingeld, dass Du mit der S-Bahn bis Heilsbronn fahren kannst? Mein Bär holt dich dann ab."

So geschah es. Er stieg aus, nur mit einem Köfferchen. "Ist das alles, was Du aus Dubai mitgebacht hast?" Er nickte sorgenvoll, er war fast am Heulen. Ich stellte gleich klar: "Eine Nacht kannst Du hier übernachten, aber morgen bist Du weg! Du hast doch Geschwister und deine Eltern!"

Naja, er bekam noch was zum Essen. Und dann erzählte er: "Ich habe vor fast drei Wochen meinen Job verloren. Und wer innerhalb von vier Wochen keinen neuen findet, muss das Emirat verlassen. Und die Miete für meine sauteure Wohnung konnte ich mir nicht mehr leisten. Aussichten auf einen neuen Job sind gleich Null. Die fahren fast alle Projekte runter. Was soll ich nur machen?"

"Hast Du denn nichts gespart?"

"Da ist nicht viel übrig. Es reichte gerade für den Flug. Sogar mein Auto habe ich am Flughafen stehen lassen ..."

"Wieso das denn?"

"Die sind knallhart! Wenn Du deine Raten nicht pünktlich bezahlst, landest Du gleich im Knast!"

"Klar, die Ausländer sind für die Ungläubige, da kennen die kein Pardon."

"Was soll ich nur machen?"

"Du rufst morgen deine Eltern an und fragst, ob Du zu ihnen ziehen kannst, bis dein Leben geordnet ist."

Er erschrak und murmelte: "Das kann ich ihnen nicht antun."

"Was kannst Du nicht?"

"Naja, ich habe denen erzählt, was für ein toller Hecht ich in Dubai bin. Und dann das ..."

"Na und? Viele sind Opfer dieser weltweiten Krise geworden. Sei froh, dass Du noch am Leben bist! Und gesund! Und deine Eltern werden froh darüber sein!"

Dann verzog er sich und legte sich Schlafen. Heute morgen druckste er rum. Ich fragte ihn: "Und, hast Du deine Eltern schon angerufen?"

"Nein ..."

"Also gut, dann rufe ich sie an. Sie wohnen doch noch in Augsburg?"

"Mach das nicht!" schrie er fast. Da hielt ich ihm den mobilen Telefonknochen hin und sagte: "Kannst rausgehen, ich will nicht mithören."

Nach einer Weile kam er wieder rein und fragte: "Kann ich hier warten? Mein Vater fährt gleich los."

"Na, da wird er in so zwei Stunden hier sein. Und wir frühstücken erst mal in Ruhe."


(C) Copyright 2004-2009 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.
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