Overblog Alle Blogs
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.

Werbung

Wahltag ist Zahltag!

Gestern traf ich eine Milchbäuerin. Sie war auch beim Protest in Berlin vor dem Kanzleramt dabei gewesen. "Wir durften ja nicht einmal unsere Zelte aufbauen, angeblich wegen des Rasens."

"Und die Bundeskanzlerin habt ihr auch nicht gesehen?!"

"Nö, die ließ sich nicht blicken. Aber zur Melodie Bruder Jakob haben wir gesungen: Schwester Angie, schläfst Du noch? Hörst Du nicht die Bauern? Milchpreis hoch! Und dann haben wir gerufen: Wahltag ist Zahltag!"

"Aber der Ramsauer von der CSU hat euch doch besucht?"

"Hör mir doch mit dem auch! Der hat von der Erbschaftssteuer gefaselt, wenn die nicht gerecht ist, dann können wir unsere Höfe nicht an die nächste Generation übergeben. Da hat eine gebrüllt: Wir haben nichts mehr zum Vererben, weil bis dahin alles kaputt ist!"

"Und wie hat der Ramsauer reagiert?"

"Dumm geschaut! Aber eins war toll, ein Bauer hat uns Rosen mitgebracht, und eine haben wir dem Ramsauer gegeben, die sollte er der Merkel geben."

"Und? Hat er sie genommen?"

"Ja, aber gleich an seine Assistentin weitergegeben. Dann sagte er noch, dass er der Angie eine SMS schicken werde. Die kann er sich sonst wo hinstecken!"

"Die Bauern sind jetzt ganz schön geladen!"

"Das kannst Du laut sagen! Ich schätze, dass in diesem Jahr jeder dritte Milchbauernhof zumachen muss!"

"Das hat Folgen!"

"Freilich! Da hängen ja viele Arbeitsplätze dran, nicht nur die Bauernfamilien, sondern die Handwerker, die Landmaschinenindustrie. Da kommt einiges auf Deutschland zu."

"Haben sich andere Politiker auch blicken lassen?"

"Vergiss es. Die Aigner war kurz da, der Dobrindt war mal zu sehen, als der Ramsauer wieder über die Wiese tappt, habe wir nach Du hast die Haare schön gesungen: Wir wolln die Kanzlerin, wir wolln die Kanzlerin jetzt sehn. Aber die ließ sich nicht blicken ..."

"Ich habe gehört, dass die Molkerei in Ansbach euch nur noch 18,65 Cent für einen Liter Milch bezahlt?"

"Das stimmt! Da zahlen wir drauf. Lange kann das keiner von uns durchhalten!"

"Am 7. Juni ist ja Europa-Wahl, da könnt ihr doch der CSU einen Denkzettel verpassen."

"Ach, die meisten wollen überhaupt nicht mehr wählen. Als Bauer kannst ja eigentlich nur schwarz wählen, bei den Roten und Grünen ist ja unser Boden nicht mehr sicher."

"Dann wählt doch die Pauli von den Freien. Wenn die ins EU-Parlament kommt, da werden die von der CSU aber schauen. Noch besser wäre es, die schaffen bundesweit 5 % nicht mehr."

"Das stimmt. Die haben uns so was von verkohlt. Eigentlich hast Du Recht, mit der Pauli könnten wir denen mal einen richtigen Denkzettel verpassen."


(C) Copyright 2004-2009 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.
Werbung
Zurück zu Home
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post
C
Nachtrag: <br /> Noch ein Projekt, bei dem ich das langsame, erfolgreiche Anwachsen beobachten konnte: Der Hof liegt nicht wirklich reizvoll, also eignet er sich nicht für "Ferien auf dem Bauernhof". <br /> In einem der Zimmer wurde in gemütlicher Seminarraum eingerichtet. Auf dem gleichen Stockwerk gibt es etliche Zimmer für die Kursteilnehmer, die von weiter her kommen. <br /> Erweitert wurde es dann durch den Verkauf von Kaffee, Biosäften, Wasser. Und im Jahr drauf konnte man sich von der Bäuerin samt einer Helferin bekochen lassen. <br /> Im Eingangsbereich wurde ein Schrank aufgestellt, in dem Dinge aufgestellt wurden, die zu verkaufen waren, u.a. herrliche Schaffelle, Marmeladen und andere Köstlichkeiten.<br /> In einem Nebengebäude ist die Praxis einer Heilpraktikerin. Das alles sind Magnete, die einen sogar zu einem sehr abgelegen und ansonsten reizlosen Hof ziehen. <br /> Die Seminarbetreuung ist sehr liebevoll und persönlich, wenn ich selbst einmal einen größeren Raum brauche, würde ich genau deshalb dort anfragen.
Antworten
K
<br /> Liebe Cellulanus,<br /> <br /> deine Beispiele machen Mut und verführen geradezu zur Nachahmung! Sie zeigen wieder einmal, dass es keinen Sinn macht. den Kopf in den Sand zu stecken, sondern nach neuen Möglichkeiten zu<br /> suchen.<br /> <br /> Andererseits gönne ich den politischen Entscheidern, dass ihnen jetzt ein rauer Wind entgegenweht. All diese neuen Initiativen müssen ja auch genehmigt werden und da gibt es eine überbordende<br /> Bürokratie zu bewältigen.<br /> <br /> Mir fällt da gerade die Geschichte eines jungen Paares ein, die ein Restaurant eröffnet haben. Sie betreiben das mit viel Liebe und Engagement, sehr zum Missfallen der alten Gasthäuser. Jetzt kam<br /> die Stadt und forderte sie auf, mit viel Aufwand eine Außentreppe zu bauen, für den Fall, dass es mal brennt. Soweit so gut!<br /> <br /> Seltsam an der Geschichte ist nur, dass ein paar Kilometer weiter ein Gasthof Fremdenzimmer betreibt, zu den Zimmern kommst Du nur über sehr steile Treppen, und dieser Gasthof wird nicht<br /> aufgefordert, eine Außen-Feuertreppe zu bauen?!<br /> <br /> Und um nun solche bürokratische Hindernisse einzudämmen, ist Protest von der Basis schon nützlich.<br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br />
C
Ist eigentlich die Zeit der Nur-Milchbauern nicht längst abgelaufen? Dass es immer schwieriger wird für die Milchbauern, das konnte man ja schon vor Jahrzehnten mitbekommen. Verschärft hat es sich noch einmal in den letzten Jahren, aber es war absehbar, dass es genau so kommen wird, dass irgendwann niemand mehr allein davon wird leben können. Und dann ist es notwendig Betriebe umzustrukturieren, nicht nur über die schwindenden Einnahmen zu klagen. Ich kenne etliche, die haben sich was Neues ausgedacht und es geht ihnen gut damit. Beispiele: <br /> - Hofläden (in einigen Gegenden zu viele, dagegen in anderen durchaus noch ausbaubar); einige schlossen sich auch zu einem Dorfladen-Projekt zusammen, das von allen betreut wird.<br /> - ein Bergbauernhof, bei dem viele Wanderer vorbei kommen, der machte ein Café auf, benutzt nur gute Zutaten und bewährte Kuchen- und Tortenrezepte aus der eigenen Familie. Geöffnet hat er jeweils Frühjahr - Herbst, da im Winter hoch zu ihm nur mit dem Traktor geräumt werden kann.<br /> - ein anderer daneben erbaute auf seinem Grundstück eine Wellness-Hütte und eine Tagungshütte. In der Gegend hier eine nette Alternative zu den ewig gleichen Hotelseminarräumen. <br /> - Ein arg baufälliger Hof wurde von Kühen auf Ziegen umgestellt, eine eigene Hofkäserei kam hinzu und der Käse ist so hervorragend, dass sie die bekannten Bioläden und Mehrsternerestaurants der Gegend und darüber hinaus beliefern. Das rechnete sich so, dass der Hof über die Jahre wieder zu einem sehr feschen Objekt restauriert werden konnte. <br /> - ein anderer Bauer setzte auch auf Bio und züchtete Ochsen, mit denen er die besseren Metzgereien und Restaurants der Gegend beliefert. <br /> - eine Bäuerin ist Spezialistin für Meditationen und bietet die nicht nur für ihre Gäste an, sondern hat auch sonst im Landkreis - sogar ohne Werbung - einen hervorragenden Ruf. Und nutzbringende Interessen hätten sehr viele Bäuerinnen und Bauern, wenn sie sich trauen würden das anzubieten.<br /> - Mehrere Bäuerinnen liessen sich zu Kräuterpädagoginnen ausbilden, schlossen sich werbemässig zusammen und sind im Landkreis damit sehr gefragt. <br /> - Vor kurzem im Landfunk gesehen: Es gibt für Bauern eine Weiterbildungsstätte, in der werden die Bäuerinnen in Dingen wie Wellnessmassagen ausgebildet, die sie ihren Feriengästen zusätzlich anbieten können. Die Kurse sollen ausgebaut werden, weil das so gut ankommt. <br /> - Gut gebucht sind auch Bauernhöfe, die spezielle Programme für Kindergärten und Grundschulen anbieten.<br /> - Einer hat sogar einen Kuschelzoo errichtet. <br /> - Ein Hof wird gerade umgebaut, um einige Senioren zu betreuen. <br /> - Immer bekannter wird auch das Projekt, in dem psychisch kranke oder behinderte Menschen für eine bestimmte Zeit in einer Familie aufgenommen werden und dafür eine Art Pflegegeld bekommen.<br /> - eine der oben genannten Kräuterpädagoginnen verkauft selbstgemachte Produkte in einem extra dafür hergerichteten Raum und bietet Kurse für Kleingruppen an im Marmeladen kochen, etc.<br /> Ich höre jetzt auf die ganzen Projekte aufzuzählen, es gibt so viele Möglichkeiten, aber dazu muss man bereit sein Neues auszuprobieren, Kontakte zu schließen, um herauszufinden, was sich rentiert anzubieten. Viele machen das, aber es gibt auch immer noch welche, die haben schon immer einen Milchwirtschaftsbetrieb gehabt und wollen den auch für die nächsten 100 Generationen noch genauso weiter betreiben. Und einige reagieren mit den ständig geringer werdenden Einnahmen durch die Milch, indem sie ihre Ställe zu Riesenhallen umbauen, um halt noch mehr Milchvieh einstellen zu können. Hmmm ... <br /> <br /> Wann kapiert der letzte, dass das kein zwischenzeitliches Problem ist, das sich durch Proteste welcher Art auch immer lösen lässt, sondern eines, das sich seit Jahrzehnten zugespitzt hat und auf das man endlich mit einer erhöhten Flexibilität reagieren muss? Mit dem Blumenboykott einiger Bäuerinnen, die was bewegen wollten, indem sie ihre Höfe nicht mehr schmückten, schaden sie sich doch nur selbst, aber sie werden sonst nichts bewirken.<br /> <br /> Liebe Grüße, Cellulanus
Antworten
K
<br /> Liebe Cellulanus,<br /> <br /> das Problem ist halt, dass viele Bauern noch bis vor kurzem zu großen Investitionen geraten wurden, um der Krise zu begegnen. Ich kenne eine Familie, die wollte über ein Million in ihre<br /> Milchviehhaltung investieren, aber dann haben sie nachgerechnet und stellen jetzt die Milcherzeugung ein und machen etwas anderes.<br /> <br /> Natürlich gibt es Alternativen. Viele scheidern derzeit an dem fehlenden Gemeinschaftssinn. Es muss wieder die Zeit kommen, dass sich Bauern zu kleinen Genossenschaften zusammenschließen. Erinnern<br /> wir uns an die Anfänge von Raiffeisen und Baywa und den vielen kleinen Milchgenossenschaften?! Anfangs waren diese klein und überschaulich, aber dann wurden diese Genossenschaften immer größer und<br /> die wenigen übriggebliebenen sind heute Konzerne, in denen Du den Genossenschaftsgedanken nicht mehr finden wirst.<br /> <br /> Ich danke dir für deine vielen Beispiele und werde sie dir mir bekannten Bäuerinnen weitergeben. Du hast Ziegen erwähnt, ich kenne einen Ziegenbauer, der immer klagte. Da habe ich mal einen Artikel<br /> gelesen, da hat ein Schweizer Bauer eine Art Kuh-Leasing eingeführt: einmal im Jahr darf für ein paar Wochen eine Familie "ihre" Kuh versorgen, das ist gerade für Kinder etwas ganz Neues und total<br /> aufregend, dafür zahlt sie und bekommt im Gegenzug Rabatt, wenn sie Käse kauft. Dieses Projekt lief in der Schweiz sehr gut an.<br /> <br /> Ich habe ihm diesen Artikel kopiert, er hat hin und her überlegt, dann durchkalkuliert und jetzt fängt er mit einem "Ziegen.Leasing" an. Ich halte das für eine viel versprechende Idee und er wird<br /> gewiss viel Erfolg damit haben.<br /> <br /> Du hast völlig Recht, wenn Du fehleNde Bereitschaft zu Neuem anprangerst. Andererseits sind viele Bauern dahin erzogen worden, sich 100 % -ig auf die Funktionäre der Verbände zu verlassen. Ich<br /> kenne nicht wenige Jungbauern, die sich von den alten Verbänden und ihren Funktionären distanziert haben ...<br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br />