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Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.

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Mein Buch: Halbzeit!

Heute nachmittag erhielt ich vom Lektor wieder einen Schwung Seiten. Dabei hatten sich nachmittags Kunden angesagt. Die hatten natürlich Vorrang, das Gegenlesen musste warten. Die letzte Kundin war spät gegangen, da mussten wir noch den Stall machen und die Tiere versorgen. Wir waren gerade damit fertig, da kam ein Überraschungsbesuch, eine liebe Bekannte. Naja, da wurde es halt noch etwas später.

Dabei haben wir heute Halbzeit! Will heißen, die Hälfte der Seiten ist lektoriert. Eigentlich wollten wir das ein bisschen feiern. Naja, aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben;-)

Heute war ein für mich besonders wichtiges Kapitel dabei: Ich traf zu Beginn eines kurzen Sommers auf einen für mich sehr wichtigen Lehrer, er unterrichtete mich einen Sommer lang. Erst später erfuhr ich, dass er sich seine Schüler selbst aussuchte. Und er hat auch viele abgewiesen, obwohl ihm viel Geld und einmal ein Chanat geboten wurde.

Beim Lesen tauchten viele Bilder auf und ich war dankbar, dass gerade dieser Lehrer mich unterrichtet hat. Auch wenn mein Leben nicht immer glatt verlief, allein, diesen Lehrer getroffen zu haben, das machte mein Leben lebenswert!


(C) Copyright 2004-2009 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.
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C
Liebe Kiat, <br /> <br /> okay, verstehe. Da muss man wohl echt vorsichtig sein, wenn es darum geht einen Schamanen zu verärgern. Sieht man ja bei Dir wie gut Du geschützt bist. ;-) <br /> <br /> Akademiker, das bewahrt wohl nicht davor Aberglauben aufzusitzen. Kopf und Gefühl sind halt doch zweierlei Dinge. <br /> <br /> Liebe Grüße, Cellulanus
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K
<br /> Liebe Cellulanus,<br /> <br /> vielleicht habe ich noch ein paar Aufgaben zu erledigen, so wie wir alle. Einer meiner ersten Lehrer hatte ein Schwester, die beiden waren grundverschieden. Während er sehr ausgeglichen war, war<br /> sie aufbrausend, ja richtig cholerisch. Und sie war eine Magierin. Mit ihrer Ungeduld hat sie sich selbst geschadet, das wusste sie, konnte sich aber trotzdem nicht ändern.<br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br />
C
Wenn der Chan nichts taugte, wäre es dann nicht sinnvoller erneut einen zu wählen anstatt die Sippe durch Teilung zu schwächen?
Antworten
K
<br /> Liebe Cellulanus,<br /> <br /> einen Schamanen abzuwählen, das ist nicht so einfach! Die meisten Schamanen wurden oft gefürchtet, nach dem Motto: Nur ja nicht verärgern. In manchen Sippen musste der Schamane sein Ger am Rand des<br /> Lagers aufbauen.<br /> <br /> Und wenn nun ein Schamane im Zorn von der Sippe geht, dann könnte er vielleicht die Sippe verhexen oder sonst was Schlimmes mit ihr anstellen.<br /> <br /> Und welcher Chan will dann dieses Risiko eingehen?<br /> <br /> Das mag zwar wie im Mittelalter erscheinen. Aber ich erinnere mich an das Landesamt in Düsseldorf, in dem ich mal arbeitete. Da wurden einmal Kettenmails verschickt, so nach der Weise, Du kriegst<br /> eine Mail und dann musst Du die an zehn weitere Bekannte verschicken und als Lohn dafür gewinnst Du einen Haufen Geld oder so. Ich habe den Leuten gesagt: Lasst den Quatsch, das macht nur die<br /> Server langsamer.<br /> <br /> Aber da gab es tatsächlich einige, die meinten: Und wenn doch was dran ist?<br /> <br /> Und das waren Akademiker!<br /> <br /> Ich denke, ein solcher Aberglaube lässt sich nicht so einfach ausrotten.<br /> <br /> Nachdenkliche Grüße, Kiat<br /> <br /> <br />
C
Liebe Kiat, <br /> <br /> ein Sippenchef muss von dieser anerkannt sein, dachte ich. Wird man das nicht nur durch Geburt oder indem man sich die Achtung der Sippenmitglieder erarbeitet? Wie erwirbt jemand die dafür nötige Autorität? <br /> <br /> Fragende Grüße, Cellulanus
Antworten
K
<br /> Liebe Cellulanus,<br /> <br /> in den Sippen, die ich in meiner Jugend kennengelernt habe, da wurde der Chan gewählt. Und wenn der Chan nichts taugte, dann kam es auch vor, dass die Sippe sich teilte. In meinem Buch habe ich so<br /> etwas beschrieben.<br /> <br /> Bei Galsan Tschinag z. B. ist es so, dass seine Söhne "automatisch" seine Nachfolger sind. Also, das habe ich nie kennengelernt. Und dann gibt es natürlich die Möglichkeit, dass ein Chan viele<br /> reiche Günstlinge um sich scharte, die dann die übrigen Sippenmitglieder aussaugten. Das ging nur eine Zeitlang gut.<br /> <br /> Einer Sippe ging es nur dann gut, wenn folgende Säulen wie<br /> <br /> der Chan<br /> <br /> der Schamane<br /> <br /> die Alten Männer und<br /> <br /> die Frauen<br /> <br /> einander ergänzten. Auch die Frauen hatten Macht, wenn es ganz gegen ihren Willen ging, dann streikten sie eben im Bett <br /> <br /> Wie erwirbt sich jemand in diesem Mikrokosmos Autorität? Durch z. B.<br /> <br /> Zuverlässigkeit, was einer verspricht, das hält er auch ein<br /> <br /> besondere Fähigkeiten, z. B. als Jäger, Handwerker etc.<br /> <br /> auch Reichtum erhöhte die Autorität<br /> <br /> auch die Abstammung von einer berühmten Familie<br /> <br /> Und wenn z. B. die Vorfahren eines Sippenmitgliedes etwas Besonderes für die Sippe getan haben, dann wurde von diesem Mitglied angenommen, dass er dieser Tradition folgt und sich besonders für<br /> die Sippe einsetzt.<br /> <br /> Mit der Kollektivierung der Nomaden durch den Kommunismus zerbrachen diese Traditionen und es kam zu tragikomischen Vorkommnissen. In meinem Buch habe ich das auch geschildert.<br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br />
J
Ja, liebe Kiat, auch ich hatte eine Lehrerin an die ich heute noch gerne zurückdenke, aber auch eine die ich gerne hätte nie kennengelernt. Aber diese bleiben einem immer im Gedächnis.
Antworten
K
<br /> Liebe Julie,<br /> <br /> tja, sowohl die guten als auch die schlechten Exemplare von Lehrern bleiben im Gedächtnis haften. Die einen zum Aufbauen und die anderen zum Abschrecken oder später zum Drüberlachen.<br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br />
C
Chanat? Laut Wikipedia (Khanat, Chanat) ein Staatsgebilde und ein Reich. Meinst Du damit ein Stück Land oder mehr? <br /> <br /> Fragende Grüße, Cellulanus
Antworten
K
<br /> Liebe Cellulanus,<br /> <br /> Chanat leitet sich von Chan ab. Ein Chan war der Chef einer Sippe, er wurde von der Sippe gewählt und sagte dann, wo es lang ging. Und ein Chanat ist dann die gesamte Sippe mit den Menschen und<br /> ihrem Vieh.<br /> <br /> Wenn nun jemandem ein solches Chanat angeboten wurde, dann war er der absolute Chef der Sippe, also ein mächtiger und gemachter Mann. Aber mein Lehrer hat ein solches Angebot ausgeschlagen.<br /> <br /> Was in Wikipedia steht, ist ziemlich abstrakt geschrieben. Wundert mich auch nicht, das wird kaum ein Nomade geschrieben haben <br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br />