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Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.

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Jungbauern

Heute abend standen zwei nicht mehr ganz taufrische Jungbauern Traktor an Traktor an der benachbarten Scheune und unterhielten sich. Ihre Stimmlage war sehr laut, so bekam ich alles mit. Ich wollte Tiger, den Lipizzaner und Marian, den Esel, in den Stall holen. Beide grasten noch am entfernten Ende der Koppel. Ich rief nur: "Tiger, Marian, komm!"

Beide hoben die Köpfe, spitzten die Ohren und schon fetzten sie im Galopp zu mir. Tiger musste eine Vollbremsung einlegen, so schnell war er. Marian ist noch wendiger, er drehte sich vor dem Zaun um 180 Grad. Westernreiter würden sagen: Ein perfektes Rollback!

Die Jungbauern sahen alles mit an. Einer bruddelte erstaunt: "Die Viecher kommen ja wirklich!"

Das ist für manche "Normalbauern" nicht selbstverständlich, dass Tiere kommen, wenn sie gerufen werden. Einmal habe ich in einem anderen Dorf miterlebt, wie das halbe Dorf sechs Monate alte Kälber über die Straße trieb. Der Bauer zieht seine Kälber in einem alten Stall auf der einen Straßenseite auf, wenn sie alt genug sind, werden sie über die Straße in einen anderen Stall geführt. Was heißt geführt? Der Bauer hat ein Kalb am  Strick, hinter dem Kalb sind viele Leute, mit Dachlatten bewaffnet, die auf das Kalb eindreschen, wenn das Kalb nicht laufen will.

Wenn ein solches Kalb mal in die Freiheit ausbricht, das lässt sich dann sehr schwer einfangen. Verständlich!

Ich brachte also Tiger und Marian in den Stall und wollte nun mit Riffel ins Haus. Aber Riffel wollte noch nicht. Sie protestierte laut. Sie produziert dabei verschiedene Töne, die sich fast menschlich anhören.
Ihr Protest endet mit einem "Hiff", dem manchmal ein "Uach" folgt.

Auch das haben die Jungbauern gehört. Einer fragte den andern: "War das jetzt der Köder oder sie?"

Dass ein Bauer zu einem Hund "Köder" sagt, das gibt es oft. Grund: Ein Hund bringt kein Geld, ist also nur ein nutzloser Fresser.

Zur Ehrenrettung des Bauernstandes betone ich hier, dass es auch andere Bauern gibt, die sprechen mit ihren Tieren und versorgen sie sehr gut. Ihnen kommt nie in den Sinn, ihre Tiere zu schlagen.


(C) Copyright 2004-2009 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.
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