Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Da befasst sich der Bundesgerichtshof mit Wahrsagerei, in diesem Fall mit Kartenlegen. Es gibt Menschen, die das anbieten - gegen Geld natürlich. Ist das verwerflich? So eindeutig fiel die Entscheidung nicht aus, der Fall wurde an die Vorinstanz zurückverwiesen.
Der vorliegende Fall ist eigentlich typisch: Ich persönlich kenne viele solche Fälle: Ein Mann und eine Frau, in einer Beziehung. Die Frau trennt sich von diesem Mann - das kommt öfter vor. Dies schmeißt den Mann aus der Bahn - in seiner Verzweiflung sucht er Rat - bei einer Kartenlegerin.
Allein, ich frage mich, wieso suchen Menschen in einer solchen verzweifelten Lage ein Orakel auf. Eine Kartenlegerin macht ja nichts anderes als ein Orakel, will heißen, sie beantwortet Fragen zur Zukunft. In diesem Fall wohl: "Kommt meine Freundin zu mir zurück?"
Tja, wenn nun die Kartenlegerin sagt - gegen Honorar natürlich - "Ja, deine Freundin kommt zurück!" Was hat der Mann davon? Sein Wunschbild ist erfüllt, es fragt sich nur wie lange. Und wenn nun die Freundin nicht zurückkommt, geht der Mann zu einer anderen Kartenlegerin, und dann zu noch einer anderen. Oder er wandert in andere esoterische Bereiche ab - im Grundtenor meist Orakel.
Tja, dann besteht ja die Meinung, wer Kartenlegen beherrscht, der oder die muss auch hexen können oder magisch talentiert sein. Und die meisten AnbieterInnen geben vor, so etwas wie eine Partnerrückführung zu beherrschen. Was bedeutet eine Partnerrückführung? Dumme Frage: Die Freundin kehrt zum Mann zurück, und das Paar lebt wieder zusammen - so als sei nichts gewesen.
Ich frage noch einmal: Was bedeutet das für die Frau? Nun, jede Trennung hat ihre Gründe. Hat sich der Mann darüber jemals Gedanken gemacht, was falsch gelaufen ist? Wieso falsch gelaufen! Ich mache immer alles richtig. Sie hat das in den falschen Hals bekommen ... Oder ...
Da ist es doch viel einfacher, viel Geld hinzulegen und auf ein "Wunder" zu hoffen, dass die Kartenlegerin mit ihren Zauberkräften die treulose Freundin wieder herzaubert. Was bedeutet das eigentlich? Die Freundin soll gezwungen werden! Die Freundin ist in den Augen des Mannes willenlos, sie soll wie ein Zombie "funktionieren".
Jeder, der als "Auftraggeber" so etwas will, macht die Betroffene zum willenlosen Objekt, zum Opfer. Es geht hier nicht um die Frage, ob es grundsätzlich magisch möglich ist, Menschen willenlos zu machen. Ich für mich persönlich weiß, dass so etwas möglich ist. Aber mit welcher Verantwortung! Auch der Magier oder die Magierin übernehmen in solchen Fällen eine große Verantwortung. Sie zwingen Menschen zu Entscheidungen, die nicht die ihren sind.
Darf ich das als Mensch? Bin ich ein Gott oder eine Göttin, die über den Menschen steht? Nein, und nochmal Nein! Auch ein noch so üppiges Honorar ist es nicht wert, sein eigenes Karma zu beschmutzen. Was mache ich dann in solchen Fällen?
Da gibt es viele Möglichkeiten. Einmal, ein oder mehrere Dreiergespräche, wenn beide dazu bereit sind. Sollte das nicht der Fall sein, dann die "Bearbeitung" des Zentrums der Erkenntnis. Der Mensch, der die Partnerrückführung möchte, soll darüber nachdenken müssen, was er eigentlich will. Und wenn er einsieht, dass die Trennung unvermeidlich ist, dann gibt es weitere Möglichkeiten, den Menschen so zu "bearbeiten", dass er über diese Trennung hinwegkommt und zuversichtlich in seine persönliche Zukunft sieht.
Ich halte dies stets für die bessere Lösung! Sie mag zwar für die Betroffenen anstrengend sein, in den meisten Fällen werden Entwicklungsprozesse in Gang gesetzt, die auf lange Sicht gesehen für den Menschen sich positiv auswirken.
Diese Methode hat natürlich auch Nachteile: Sie ist zeitaufwändig und bringt finanziell nicht viel ein. Und oft kommt noch manchmal der Vorwurf, ich sei gar keine Schamanin, weil ich nicht einfach zaubere. Nun, ein solcher Vorwurf kommt nur von dummen Menschen, trifft mich demnach nicht.
Die Versuchung ist natürlich sehr groß, einfach zu zaubern. Es gibt immer wieder Menschen. die dieser Versuchung nicht widerstehen. Mir fällt das Beispiel einer Hexe im Nürnberger Raum ein, die vor Jahren sehr gut im "Geschäft" war. Sie hat ihr Hexenhaus sogar derart decken lassen, dass mit schwarzen Dachpfannen auf ihrem Dach Kreuze zu erkennen waren - nach unten gedreht natürlich.
Diese Hexe hatte Erfolg, viele Geschäftsleute gingen zu ihr, damit sie deren Konkurrenten verfluche. Die Flüche wirkten - leider auch auf diese Hexe: Eines Tages war sie nicht mehr da, keiner weiß, was mit ihr passierte ...
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