Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Heute war ja Feiertag - aber ein richtiger Feiertag war das auch nicht. Für die Schulkinder ja - die Schule fiel aus. Aber nicht für die Eltern. Die mussten zur Arbeit gehen oder sie nahmen einen Tag Urlaub. Irgendwer muss ja auf die Kinder zu Hause aufpassen.
Manche Betriebe und Verwaltungen richteten für Eltern, die arbeiten mussten, aber niemand fanden, der auf ihre Kinder aufpasst, eine provisorische Kindertagesstätte ein - eine gute Idee. Da durften die Kinder mit der Mutti oder dem Vater mit zur Arbeit fahren.
Nicht nur Schulen waren geschlossen. Auch die Kindergärten. Heute vormittags fuhr ich an einem Wirtshaus vorbei, da belud gerade der Wirt seinen Lieferwagen mit den Styroporpackungen für Essen. Ich weiß, dass er einen Kindergarten beliefert. Tja, da war ich verdutzt! Der Kindergarten war doch heute geschlossen! Sollte ich ihn fragen? Ach nein, er wird es ja wohl wissen. Obwohl, Buß- und Bettag ist ein evangelischer Feiertag, er aber ist katholisch.
Nun ja, wenn er dann vor verschlossenen Türen mit seinen Essen für Kinder ankommt, wird er halt dumm schauen. Und seine Essen wieder mitnehmen. Er hat ja zu Hause eine große Familie, dann muss die halt sich der Kinderportionen erbarmen.