Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Heute mittag ging ich mit Riffel spazieren. Da entdeckte ich auf dem Feldweg Teile eines Rehkitzes.
Fahrspuren sah ich keine. Wer schießt denn nur auf ein Kitz, da ist doch nichts dran! Und wer trennt fachgerecht fein säuberlich die Keule ab? Und legt sie dann in die Landschaft?
Mir fiel auch auf, dass nur eine einzige Fliege um das gute Stück herumschwirrte. War das Fleisch vielleicht nicht in Ordnung? Es konnte noch nicht lange liegen, sonst hätte es anders ausgesehen und gerochen.
Als ich wieder zu Hause war, rief ich in der Polizeiinspektion in Heilsbronn an, weil ich mit diesem Jagdpächter schon mehrmals schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Der Polizeibeamte meinte, ich solle das trotzdem dem Jagdpächter selbst sagen, weil er nicht wisse, wo das Teil liegt.
Also rief ich beim Jagdpächter an, seine Frau war am Telefon. Sie meinte, das sei vielleicht eine Maschine gewesen. Kann jedoch nicht sein. Die produzieren nämlich nur Frikassee.
Das arme Kitz. Ihm war nur ein kurzes Leben vergönnt. Mir sind bisher drei Kitze bekannt gewesen, die auch öfters über meinen Hof spaziert sind: eine Ricke mit Zwilingen und eine mit einem Einzelkitz.
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