Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Heute abend ruhten wr uns nach der Stallabeit aus. Da kam aus dem Maisfeld links ein Reh, ganz langsam. Dann lief es über die Koppel, machte sich etws niedriger und stieg unter dem aufgehängten Weidezaun durch.
Dann begann es zu essen, hier eine Grasspitze, dort eine Grasspitze. Das Reh war höchstens zehn Meter von uns entfernt. Unsere Gegenwart störte es nicht. Ein Wildtier darfst du nie direkt ansehen, in die Augen sowieso nicht. Irgendwie am Tier vorbeischauen. Dann ist der Mensch kein Tier, das angreifen will.
Riffel hatte natürlich längst das Reh gesehen, und signalierte mir fragend: "Jagen wir das Reh?" Ich "funkte" zurück: "Nein, das Reh will auch leben!" Riffel drehte sich in die andere Richtung, so dass es das Reh nicht sehen musste. Sie war anderer Meinung, aber sie gehorchte. Und ich war froh, dass Riffel und ich lautlos kommunizierten, eben telepathisch. Das Reh hatte diese "Unterhaltung" bestimmt mitbekommen.
Das Reh verschwand dann hinter dem alten Schweinestall und tauchte dann beim Kirschbaum an der Holzlege wieder auf. Es stand im hohen Gras und fraß.
Diese schöne Idylle wurde dann gestört. Auf der Straße hinter meinem Hof kam ein Auto angefahren, das Reh hatte das Geräusch schon lange gehört, hob seinen Kopf und verschwand ins südliche Maisfeld. Da kam dann ein Jäger hinter der Scheune hervor. Wir rannten sofort hin, der Jäger: "Ihr haltet Rehe auf dem Hof! Das dürft ihr nicht, das sind meine Rehe!"
"Und du hast auf meinem Hof nichts verloren, also verschwinde!" Was er auch widerwillig tat. Er brummte noch etwas Unfreundliches ...
Was der jetzt am Jägerstammtisch wieder erzählen wird ...
(C) Copyright 2004-2010 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.