Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Gestern war es wieder so weit: Der Sohn des Controlletti fuhr mit seinem Riesenmähdrescher zum Lohndrusch auf ein Feld. Ihm folgte sein Vater - der Controlletti - mit dem Geräteträger - ein langes Gerät angehängt. Mein Bär war mit Riffel unterwegs.
Da passierte es: Die Kurve war zu eng - das Gerät zu lang. Er musste rangieren - vor und zurück - immer wieder. Mit hochrotem Kopf! Mein Bär ist ja gutmütig und gab ihm Handzeichen. Aber er wollte sie nicht sehen.
Dann stieg der Controlletti ab und wollte sich auf meinen Bären stürzen und schrie: "Du bist im Weg! Ich hab es eilig! Wir wollen dreschen!" Mein Bär konterte: "So? Ihr wollt dreschen? Im Regen?" und ließ ihn stehen.
Zehn Minuten später fing es an zu regnen - und wie! Es goss in Kübeln. Also fuhren Vater und Sohn weder nach Hause - viel gedroschen hatten sie nicht. Heute früh stand der Controlletti vor der Hofauffahrt und krähte: "Das wird euch noch leid tun, ihr Regenhexer!"
Da ging mein Bär zu ihm runter und fragte ihn: "Bist du unter die Regenmacher gegangen?"
"Was soll das heißen?"
"Ist dir noch nicht aufgefallen, immer wenn ihr mit euren Geräten aufs Feld fahrt, wenig später fängt es zu regnen an! Also, da ist wirklich System dahinter! Steigt halt um vom Lohndrusch zur Regenmacherei!"
"Du, du, du, du wirst schon sehen, was du davon hast, wenn es heute wieder regnet!"
"Heute haben wir Neumond, und der Neumond wäscht sich gern - sagt der Volksmund", sagte mein Bär und ließ ihn wieder einmal stehen. Und so geschah es auch - es regnete ...