Vor Jahren hatte ich für Tiger einen Spielball gekauft, mit einem Griff. In Rot. Aber Tiger mochte diesen Ball nicht, er mag lieber gelbe Bälle. Obwohl Pferde angeblich keine Farben erkennen können.
Darüber habe ich mich mal mit einem promovierten Zoologen gestritten. Er meinte: "Pferde können keine Farben erkennen!"
"Und wieso mag mein Lipizzaner lieber gelbe Bälle als rote?"
"Ach Sie, mit Ihren Viechern, die verhalten sich immer anders als die Fachliteratur es beschreibt!"
"Wie wäre es, wenn dann die Literatur angepasst wird?"
Da hat er nur geschnauft. Dabei ist es wirklich so, dass Tiger lieber gelbe Dinge mag. Ich erinnere mich an einen Ausritt, da kamen wir an einen Bach, da schwamm eine gelbe Plastikente in der Kurve. Tiger wollte da unbedingt hin, also stieg er in den Bach und mit einem Vorderhuf drückte er die Ente unter Wasser und freute sich, wie sie wieder auftauchte. Und dann drückte er wieder die Ente unter Wasser ...
Er freute sich wie ein kleines spielendes Kind. Ich ließ ihn eine Zeitlang spielen und freute mich mit ihm.
Und heute, da war es der Maulesel, der spielte, mit dem roten Spielball, der eigentlich laut Verkäufer nur für Pferde geeignet sei. Das scheint Marian nicht zu wissen. Denn heute stand er in der Sonne und hatte den Griff des Balles im Maul und schlenkerte den Ball hin und her und auf und ab. Dann ließ er den Ball fallen und tat so, als müsste er entsetzt wegspringen.
Anschließend schlich er sich zu dem liegenden Ball und das Spiel begann von Neuem. Als ich längere Zeit zuschaute, da merkte Marian, dass ich ihn beobachte und prompt hörte er mit dem Spielchen auf. Offenbar mag er nicht, dass jemand zuschaut, wenn er spielt.
Zurück zu dem Zoologen: Ich frage mich, weshalb viele Wissenschaftler nicht bereit sind, Forschungsergebnisse zu ändern, wenn es Beweise dafür gibt. Wenn da jemand mal veröffentlicht hat, dass Pferde farbenblind sind und wenn eine kleine Schamanin daherkommt und das Gegenteil behauptet und schlimmer noch, das an ihren Tieren zeigen kann, was ist schon dabei? Das wäre doch eine Gelegenheit, die bisherige Theorie zu überenken und zu erweitern.
Eben dieser Zoologe behauptete auch: "Den Pawlowschen Reflex gibt es nur bei Hunden!" Da widersprach ich: "Mein Pferd macht immer einen langen Spuckefaden, wenn ich früh zum Füttern komme." Seine Antwort: "Das kann nicht sein, Pferde sind zu dämlich dafür!"
Naja, wenn er meint ...
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