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Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.

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GLOSSE: Erst Ausbeuten - dann hinter Justiz verstecken

Das haben wir gerne: Da buk im Oktober 2008 ein Großbäcker im Rheinland für den Discounter Lidl. Genau genommen, er buk nicht selbst, sondern ließ backen, von seinen Arbeitern - unter ausbeuterischen Verhältnissen.

Günter Wallraff bewarb sich als Arbeiter in dieser Brotfabrik und lernte selbst diese ausbeuterischen Methoden kennen und schrieb darüber. Gut so! Nicht so gut fand das der Größbäcker, und Lidl fand das auch nicht gut. Immerhin verbesserten sich die Verhältnisse. Das wiederum finde ich gut!

Aber heute werden in diesem Betrieb keine Brötchen und auch kein Brot mehr gebacken. Die Produktion wurde eingestellt. Ja, so sind diese Kapitalisten: Die haben so viel Geld, wenn denen etwas nicht passt, dann stellen sie ihren Betrieb ein. Geld haben die ja meist genug auf ihrer Bank oder sonst wo. 

Sie können sich das einfach leisten. Und sie können ihre Drohungen wahr machen, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Schuld daran ist ein Undercover-Journalist, der die schlimmen Verhältnisse an die Öffentlichkeit brachte. Sagen die Kapitalisten.

Zwar ist der Großbäcker angeklagt, aber das Verfahren zieht sich in die Länge. Grund: Der Großbäcker kann derzeit nicht reisen. Aber er hat eine Zivilklage eingereicht - genau genommen sein Anwält. Und zwar gegen Günter Wallrall, der das alles ins Rollen gebracht hat.

Da wurde dann vor Gericht gestritten, nicht um des Kaisers Bart, sondern um das Wörtchen "alle". Wallraff berichtete, dass die Arbeiter mit kaputten Handschuhen - oder auch gar keinen Handschuhen - die heißen Backbleche anfassen mussten.

Das müssen wir verstehen: So ein Großbäcker muss sparen und sehr billig backen, weil Lidl ja auch etwas verdienen will. Und dann kann sich der Großbäcker keine Handschuhe mehr leisten für seine Arbeiter. Und außerdem, an Brandblasen ist noch keiner gestorben. Und dieser Großbäcker ist ja auch so großzügig: In seinem Betrieb war es immer warm, und seine Arbeiter sparten sich zu Hause Heizkosten, wenn sie gnädigerweise bei ihm arbeiten durften. So sollte das man auch mal sehen.

Aber zurück zu "alle": Bisher behauptete Wallraff, dass "fast alle" Arbeiter Brandblasen gehabt hätten. Und einmal in einer Talkshow hat Wallraff das Wörtchen "alle" vergessen. Das ist aber schlimm. Das ist ganz schlimm! Ja, dieser Journalist spricht die Unwahrheit, wir haben ihn ertappt. Dem können wir gar nicht glauben.

Ja, das ging sogar so weit, dass Wallraff vor Gericht sein Hemd ausziehen und seine Brandnarben zeigen musste. Und der Anwalt des Großbäckers stellte die Vermutung auf, die Brandblasen seien nicht echt, das habe eine Maskenbildnerin gemacht.

So weit ist es in dieser Republik gekommen: Da beutet ein Kapitalist seine Arbeiter mit brutalen Methoden aus, ein Journalist dokumentiert das - nicht nur mit Worten, sondern auch mit Fotos und dann werden völlig abwegige Behauptungen aufgestellt und das Gericht befasst sich damit.

Und warum dieses Theater mit dem Zivilprozess? Das war Zeitschindrei des Großbäckers, er wollte damit seinen Strafprozess in die Länge ziehen. Und wenn alle Stricke reißen, lässt er sich ein Attest verpassen, dass er nicht verhandlungsfähig ist oder so.

Ich frage mich sowieso, wieso die behördliche Aufsicht nicht eingegriffen hat. Aber das machen die Behörden kaum. Bei kleinen Handwerkern schon, aber bei Großbäckern, die noch für den übermächtigen Lidl backen, auf keinen Fall! 

Da musste erst ein Journalist wie Günter Wallraff kommen und diese Missstände anprangern. 

Und jetzt stelle ich mir vor, es gebe das bedingungslose Grundeinkommen. Würden dann noch Arbeiter unter solchen ausbeuterischen Bedingungen backen? Nein, sie sagten dem Großbäcker ihre Meinung und dann Adieu! Und der Großbäcker müsste seine Arbeitsbedinungen verbessern.

Übrigens, wer meint, dass Wallraff schuld ist, dass der Großbäcker seinen Betrieb geschlossen hat, irrt gewaltig. Immer mehr Discounter machen immer mehr Umsatz mit ihren in den Filialen aufgestellten Backautomaten, da werden halt die Teiglinge aufgebacken. Das hat für Lidl einen großen Vorteil: Da kann kein Journalist recherchieren.

Quelle: taz.de Auf der Suche nach Wunden

Günter Wallraff - Wo Arbeit weh tut | Teil 1

Günter Wallraff - Wo Arbeit weh tut | Teil 2

Günter Wallraff - Wo Arbeit weh tut | Teil 3

So, habt ihr genau hingehört? So schaut also die Ausbeutung durch Kapitalisten aus! Und das Ganze unterstützt durch das System. Und zum Schluss schaut auf die Homepage. Der Inhaber Bernd Westerhorstmann macht seinen Betrieb einfach dicht! Das ist seine persönliche Konsequenz!

Was lernen wir daraus? Das ist Raubtierkapitalismus pur! Und wieder ein Verstoß gegen das Grundgesetz dieser Republik: Da steht unter anderem: "Eigentum verpflichtet!" Tja, wozu? 

Weinzheimer war mal eine Firma mit Tradition. Davon ist nicht viel übrig geblieben!

 

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