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Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.

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GLOSSE: München 21, Stuttgart 21 und die Bahn-Haie

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Bisher war die Frage offen, wieso heißt das Megaprojekt "Stuttgart 21" eben "S 21". Was bedeutet diese Zahl? War es der 21. Versuch, am Volkswillen vorbei einen Großbau durchzuführen? Nein, das liegt zwar auf der Hand - aber die Antwort schaut ganz anders aus!

Es gibt resp. gab ein "Ober-Megaprojekt" - das wurde "Bahnhof 21" genannt. Ja, was steckt dahinter? So ein großer Bahnhof benötigt große Flächen. Und diese Grundstücksflächen sind nur mit Gleisen belegt. Und die meiste Zeit fährt kein Zug drauf! Das ist doch Verschwendung!

Jawohl, Verschwendung! In den Augen eines Immobilienhais sind das sehr wertvolle Grundstücke - die können doch nicht einfach so brach liegen! Die lassen sich doch verkaufen oder verpachten. Und darauf lassen sich Einkaufscenter bauen. Und die lassen sich vermieten. Also, da lässt sich jede Menge Geld verdienen! Aber nicht, wenn diese Flächen nur mit Gleisen bedeckt sind.

Also wurde flugs ein Geheimprojekt "Bahnhof 21" ins Leben gerufen. Und diese "Projekte 21" sollen den Bahnbetrieb rationalisieren und vor allem die benötigten Gleise reduzieren, also auch die Fläche, die die Bahn für ihren Betrieb braucht. Und was passiert dann mit den frei werdenden Flächen. Ja, da ist die Bahn ganz großzügig! Sie werden für die städtebauliche Entwicklung freigegeben! Ist doch so etwas von nobel von der Bahn!

Tja, die Zeiten werden härter, also muss auch die Bahn sich ein weiteres Standbein aufbauen - den Immobilienhandel! Bahnbetriebsflächen gibt es ja genug, die kann die Bahn alle einsparen. Und dann handelt die Bahn nicht mehr mit Fahrkarten, nein, sie handelt dann mit Grundstücksflächen.

Also wurden 21 größere Bahnhöfe ausgewählt - daher die 21! - und das geschah bereits 1996! Zunächst wurden unter anderem folgende Bahnhöfe ausgewählt:

  • Frankfurt am Main
  • München
  • Saarbrücken
  • Mannheim
  • Neu-Ulm

Dann stieg der Appetit der Immobilienhaie und sie legten dann noch weitere Bahnhöfe drauf wie

  • Magdeburg und
  • Lindau.

Wer sich diese Bahnhöfe anschaut, wird gleich erkennen, diese Bahnhöfe liegen ja alle in Gegenden mit sehr hohen Grundstückspreisen! Wie das wohl kommt? Aber man blieb bei der 21 bei der Projektbezeichnung, es könnten ja im Laufe der Zeit noch mehr Bahnhöfe werden.

Und es gibt auch einige Projekte, die sind bereits abgeschlossen, zum Beispiel

  • Neu-Ulm 21: da wurde ein neuer Durchgangsbahnhof gebaut, da können die Züge so schnell unterirdisch durchrasen, dass sie kaum zu sehen sind
  • Saarbrücken 21: da wurde der Hauptbahnhof renoviert und dabei wurden Flächen frei, daraus entstand ein neuer Stadtteil - Quartier Eurobahnhof!

Und bei Lindau 21 soll der gesamte Kopfbahnhof auf der Insel wegfallen und auf das Festland verlegt werden. Da werden vielleicht Grundstücke in bester Lage frei. Was für ein Geschäft!

Ja, und es gibt euch einige Projekte 21, da haben sich die Immobilienhaie zurückgezogen:

  • Frankfurt 21, das wurde schon 2001 aufgegeben, es wäre einfach zu teuer geworden - da hatten die Immobilienhaie kein Interesse mehr. Sie wollen halt nur schnell schnelles Geld verdienen!
  • Mannheim 21: da haben die Bahn-Grundstückshändler 2003 erklärt, dass sie kein Interesse mehr haben. 

Und ein besonderer Fall ist München 21:

Da gab es eine Machbarkeitsstudie, die bewies einwandfrei, dass München 21 zu teuer wird und fast nichts an Vorteilen bringt! Es blieb dann nur noch der Plan, den Hauptbahnhof neu zu bauen. 2004 gewann das Architekturbüro Auer + Weber + Assoziierte einen Wettbewerb - von Freistaat und München ausgerichtet. Nur die Bahn war mit diesem Entwurf nicht einverstanden, sie präsentierten am 18. Mai 2011 (sic!) einen eigenen Entwurf, dem fehlte es an vielen Details, aber er hatte für die Immobilienhaie einen Vorteil: die Verkaufsflächen im Bahnhof wurden immens vergrößert!

Dass dabei vergessen wurde, an die unterirdischen Verbindungen für S- und U-Bahnen zu denken, das störte die Immobilienhaie nicht im Geringsten - Hauptsache, sie können viele Flächen vermieten.

Tja, was lernen wir daraus? Wie können die Stuttgarter die Bahn doch noch dazu zwingen, sich aus S 21 zurückzuziehen? Über die Kosten! Die Kalkulationen der Bahn müssen bis in allen Details durchleuchtet und nachgerechnet werden! Es kann natürlich sein, dass die Bahn ihre Kalkulationen nicht mehr veröffentlicht - vielmehr versucht die Bahn in Stuttgart Tatsachen zu schaffen, so dass ein Rückzug zu teuer werde!

Es wird auch gemunkelt, dass wie die Waffenexporte auch die internen Bahnkalkulationen unter Verschluss gehalten werden - wie bei "Geheimprojekten" üblich, in einem besonders geschützten Tresor, der Bundesverkehrsminister soll dann der Schlüsselträger sein.

Übrigens, 1996 erschien im Vieweg Verlag "Renaissance der Bahnhöfe. Die Stadt im 21. Jahrhundert" und da schrieb jemand über "Bahn frei für eine neue Stadt" - und wollt ihr wissen, wer der Autor ist? Heinz Dürr!

Monitor München; Bahn, Tunnel und Stuttgart 21
Hochgeladen von Piti117 am 10.01.2011
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K
<br /> wie immer eine sehr informative glosse!<br /> <br /> <br />
Antworten
K
<br /> <br /> Danke für dein Lob!<br /> <br /> <br /> <br />
T
<br /> stimmt, dem stimme ich zu! darüber steht kaum etwas in der zeitung!<br /> <br /> <br />
Antworten
K
<br /> <br /> Es ist wirklich ein Trauerspiel, dass dieses schon angegraute Projekt 21 oder Bahnhof 21 in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Vielleicht ist es den Verantwortlichen auch peinlich, dass die<br /> Bahn keine Fahrkarten verkaufen will, sondern nur noch Grundstücke. Damit diese frei werden, werden die Bahnhöfe einfach versenkt. In eine Grube! Heißt nicht der Bahnchef auch so? Und wieder<br /> haben die Römer recht! NOMEN EST OMEN!<br /> <br /> <br /> <br />
I
<br /> Eine sehr gute glosse und noch informativ dazu! Jetzt weiß ich wenigstens, wieso es stuttgart 21 heißt ;-)<br /> <br /> <br />
Antworten
K
<br /> <br /> Vielen Dank für dein dickes Lob! Ich musste das schreiben - vielleicht wird so einigen Schwaben klar, worum es geht. Es geht nicht um einen neuen Bahnhof, es geht um Immobiliengeschäfte der<br /> Oberklasse! Auf Kosten der Steuerzahler! Genau darum geht es!<br /> <br /> <br /> <br />