Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Gestern in Berlin, 18 Uhr. Die erste Hochrechnung flackert über die Bildschirme. Die Funktionäre aller Parteien feilen schon an den Worten, wie sie sich und ihre Partei positiv darstellen können! Alle? Nun ja, der FDP fällt es schwer, etwas Positives zu finden.
Die CDU erklärt sich zum Sieger - ganz klar. Sie hat Stimmen dazu gewonnen und keine verloren! Die SPD ist sowieso Sieger, sie hat ja die meisten Stimmen gewonnen. Die Grünen, ja sie haben auch gewonnen - zwar nicht so viel, wie sie sich erträumt hatten. Aber was will man mit einer Kandidatin wie der Renate auch anderes erwarten?
Wieso? Nun ja, die Renate hat vorher ihren Wählerinnen und Wählern klargemacht, dass sie nur dann in Berlin bleibt, wenn sie in Berlin regieren darf, andernfalls bleibt sie im Bundestag. Der sitzt ja auch in Berlin. Da haben sich gewiss einige gedacht: "Wieso sollen wir dann die Renate wählen?"
Es gibt ja Gerüchte, dass es schon vor der Wahl eine Absprache zwischen SPD und Grüne gab: "Haltet mal die Renate etwas zurück, damit der Klaus weiterhin Regierender Bürgermeister von Berlin bleibt, und dann werfen wir die LINKEN raus und ihr regiert mit uns!" Sozusagen ein Probelauf von Rot-Grün in Berlin - wenn es später zu Neuwahlen kommt - auf Bundesebene!
Ja, die LINKEN sind auch zufrieden. Das Mitregieren war ja in Berlin ganz schön anstrengend. Es gibt halt doch einen Unterschied zwischen praktischer Politik und roter Theorie!
Ja, und die FDP! Wie schnell ist sie in der Wählergunst gesunken! Das ist doch absoluter Rekord! Da wollte der neue Chef noch das Rad der Geschichte anhalten oder gar zurückdrehen und sprach an sich wahre Worte über die europäische Union, über die Zukunft des EURO, über die Zukunft mancher EU-Länder wie Griechenland. Es halt jedoch nichts genutzt!
Wieso eigentlich? Der alte FDP-Hase Kubicki sprach es aus: "Die Marke FDP hat es beim Wähler verschissen!" Oder hat er die Marken bei der FDP gemeint? Aber er hat ganz offen zugegeben, dass es bei den politischen Parteien weniger um Politik geht als um Marketing. Und das ist die Krux. Immer mehr Wähler haben erkannt: "Denen geht es gar nicht um Politik, sondern nur um Kohle!" Also wandten sich die Wähler mit Grausen von diesen FDP-Marken ab.
Und wo liefen sie hin? Zu den Piraten! Allein schon der Name! Der hat doch was! Wer wollte nicht schon einmal im Leben Pirat sein? Und sei es nur beim Karneval! Ja, zeigen wir es doch diesem langweiligen Politikbetrieb! Und wählen wir mal die Piraten!
Der Erfolg der Piraten - eine Trotzreaktion mancher Wähler! Ja, so hätten es die Funktionäre gern! Ich denke, da steckt mehr dahinter:
Die Piraten haben ein Programm - mit ganz konkreten Forderungen, wie zum Beispiel:
Somit waren die Piraten in Berlin die einzige Partei, die mit konkreten Aussagen sich den Wählern präsentierte. Und wer sich das Parteiprogramm der Piraten anschaut, ist erstaunt, welche konkreten Aussagen und Ziele formuliert sind.
Fast ein Zehntel der Wähler haben dieses Programm honoriert! Und dieses Programm hat es in sich, wenn ich nur an die Punkte "Transparenz des Staatswesens" und "Freier Zugang zu öffentlichen Inhalten" denke. Oder an "Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe".
Alles in allem - ein überzeugendes Programm - und deshalb haben die Berliner die Piraten gewählt!