Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Ja, was macht ein Landrat, wenn ihm die Einwohner weglaufen? Wieso, dem Landrat laufen die Einwohner weg? Das gibt es doch nicht! Doch, das gibt es! Im flächengrößten Landkreis von Bayern ist das der Fall. Der Landkreis hat seit Jahren immer weniger Bewohner!
Wie denn das? Nun, immer mehr Menschen finden diesen Landkreis offenbar nicht mehr attraktiv genug - und ziehen weg. Und immer weniger ziehen neu dazu. Das macht unter dem Strich: Immer niedrigere Einwohnerzahlen für diesen Landkreis!
Und was macht der Landrat dagegen? Er schimpft! Worüber? Über sich selbst, über die mangelnde Infrastruktur? Nein, er schimpft über die anderen. Nur die sind schuld! Er und seine schwarze Partei trägt keine Schuld! Im Gegenteil: Die bösen Anderen blockieren ihn bei seinen Vorhaben.
Das war schon so, als in der Nähe des Hesselberges ein Feriendorf von Center Parcs aufgebaut werden sollte. Nicht alle Menschen waren dafür. Ja, es gab sogar Menschen, die öffentlich dagegen waren - für sie ist so ein Feriendorf ein Humbug. Wegen der Umweltbelastung. Und wegen des Saugeffektes für die örtliche Gastronomie.
Der Landrat und seine Vasallen hatten zwar versprochen, dass gut bezahlte Arbeitsplätze entstehen. Wirklich? Sind Miniarbeitsplätze gut bezahlt? Anscheinend schon. Für Center Parcs. Die nehmen lieber für die niedrigen Arbeiter vorwiegend Pakistaner! Und die Gäste in den Feriendörfern, die essen nicht außerhalb der Parks, sondern - wie es sich gehört - innerhalb der Anlage, da schaut dann die örtliche Gastronomie in die Röhre. Und was ist mit den Wäldern? Nun ja, die werden geopfert! Dem Mammon! Der Tanz um das Goldene Kalb beginnt - wieder einmal!
Eingeleitet - oder genauer gesagt versucht - wurde dieser Tanz ums Goldene Kalb von Center Parcs selbst. Die Manager wollten Geld - vom Bayerischen Freistaat - viel Geld: 50 (in Worten fünfzig!) Millionen Euronen! Wofür? Nun ja, sozusagen als Vorschuss! Dafür, dass sie dann das gelobte Feriendorf bauen und sie versprechen auch, dass sie von den Einnahmen nichts abgeben werden, die Gelder versickern dann im undurchdringlichen Finanzdschungel.
Auch wenn der Landrat den Gemeinden saftige Einnahmen an Gewerbesteuer versprochen hat - daraus wurde nichts. Warum? Weil der Ministerpräsident nicht wollte! Ja, er wollte den Managern keine 50 Millionen in den Rachen schmeißen. Damit war diese Region für die Manager nicht mehr interessant. Sie zogen weiter - nach dem Schwabenlande ...
Und der Landrat schimpfte - auch über den Ministerpräsidenten und seine Staatsregierung. Da gab es dann Reaktionen. Der Landrat wurde dann öffentlich "abgestraft". In einer öffentlichen Rede wusste der Ministerpräsident nicht einmal den richtigen Namen dieses Landrates - oder kennt jemand einen "Schwammberger". Kopfschütteln! Der Landrat heißt doch ganz anders.
Ja, und wenn dieser Landrat wieder über die Menschen nachdenkt, die seinen Landkreis verlassen, dann schimpft er wieder. Über die Grünen, die gegen sein Feriendorf waren. Ja, immer die Grünen! Das ist doch eine schlimme Partei! Grün! Eine richtige Partei ist schwarz - tiefschwarz! Früher war ganz Bayern schwarz! Vielleicht ab und zu ein paar rote und grüne Flecken, die wurden einfach ignoriert. Die absolute Mehrheit war schwarz!
Aber der Landrat hat neue Gründe zum Schimpfen gefunden: über die Gegner seines Lieblingsprojektes: Interfranken. Da gibt es auch wieder solche komischen Leute, die dagegen sind. Immer sind sie somit gegen den Landrat! Dabei hat doch der Landrat viel versprochen: 2.000 bis 3.000 neue Arbeitsplätze, wenn sich Firmen auf dem großen Gelände ansiedeln.
Wieso gerade da? In den anderen Gemeinden ringsum werden ja seit Jahrzehnten Gewerbeflächen wie Sauerbier angeboten - kaum eine Firma hat sich angesiedelt. Und wie schaut es bei dem neuen, super großen Gelände aus. Ja, eine Logistikfirma hat Interesse. Logistikfirma? Schafft die viele Arbeitsplätze? Wohl kaum. Die stellen ein oder mehrere große Hallen hin - meist in Leichtbauweise und lagern dort Produkte, die sie dann mit LKWs verteilen.
Was gibt es da schon an neuen Arbeitsplätzen? Wieder schlecht bezahlte Mini-Jobs! Und für dieses große Gelände muss ja noch die gesamte Infrastruktur geschaffen werden: neue Straßen zum Beispiel - die schwarzen Parteifreunde reiben sich in Vorfreude auf neue saftige Aufträge die Hände!
Und wieder soll des Landrats Lieblingsprojekt scheitern? Die Gegner wollen alle Ernstes klagen - gegen das Großprojekt. Solange geklagt wird, kann nicht gebaut werden. Was machen da die Parteifreunde, die schon mit den Aufträgen fest gerechnet haben? Sie schauen buchstäblich in die Röhre. Und der Anwalt der Gegner erklärt öffentlich auch ein Motiv der Befürworter: Da gebe es eine nicht mehr bewirtschaftete Hofstelle, die liege mitten im Gebiet und die solle versilbert - und damit vergoldet werden ...
Und was macht der Landrat? Er schimpft weiter ...
Zum Beipiel über die Eigentümer von Center Parcs? Suchen wir doch in www.wer-zu-wem.de. da werden wir fündig:
"Center Parcs ist der europäische Marktführer bei Ferienparks. Hauptattraktion der Parks sind das Subtropische Schwimmbad. Gestartet in den Niederlanden mit 40 Ferienhäusern.
Der Ferienparkanbieter gehörte früher zur französischen Gruppe Pierre & Vacances und wurde im Mai 2006 für 526 Millionen US-Dollar an Blackstone verkauft.
Auslandsaktivitäten: Weitere Center Parcs gibt es in Holland, Belgien und Frankreich.
Gegründet wurde das Unternehmen 1967 von Piet Derksen.
Wesentliche Mitbewerber sind Landal GreenParks.
Die Firma Blackstone Group L.P. (Kürzel: BBN) ist börsennotiert. Die Aktie mit der WKN A0MSM5 und ISIN US09253U1088 wird im Freiverkehr gehandelt."
Und über den neuen Eigentümer finden wir:
"Blackstone ist der weltgrößte Privatinvestor.
The Blackstone Group ist eine der größten und in dieser Liga die erste an der New Yorker Börse notierte Investment- und Vermögensberatungsfirma. Die 1985 vom ehemaligen US-Handelsminister Peter G. Peterson und Stephen A. Schwarzman gegründete Gesellschaft beschäftigt mehr als 400 Mitarbeiter in ihren Büros in New York, Atlanta, Boston, Chicago, Dallas, Los Angeles, London, Paris, Bombay, Tokyo und Hong Kong.
Ihre Geschäftsbereiche gliedern sich in die vier Bereiche Private Equity, Immobilien, Vermögens- und Finanzberatung. Der Bereich Private Equity wurde 1987 gegründet und verwaltet 5 allgemeine Fonds und einen auf die Medien- und Kommunikationsbranche spezialisierten Fond. Bei ihren Beteiligungen investiert Blackstone sowohl in etablierte Firmen als auch in Start-ups, Sanierungsprojekte, Fusionen sowie Partnerschaften und geht auch Minderheitsbeteiligungen ein.
Der Immobiliensektor ist stark diversifiziert und global ausgerichtet. Er verwaltet sechs allgemeine und zwei international ausgerichtete Immobilienfonds. Hauptsächlich investieren die Fonds in Wohnungen, sehr große Bürogebäude in Stadtzentren, Wohnsiedlungen, Logistik- und Lagerzentren und ausgewählte Immobilienverwaltungen.
Der 1990 geschaffene Bereich Vermögensberatung investiert in spezielle Fondsarten wie Fund-of-Funds, Mezzanien-Funds, Inhaber-Schuldverschreibungen und ähnliches. Die Finanzberatungssparte von Blackstone nennt sich The Park Hill Group und berät bei Firmenübernahmen, Restrukturierungen und Reorganisation von Firmen. Außerdem sammelt sie das Geld für die unterschiedlichen Fonds ein.
Zu den größten Firmen im Portfolio des Private-Equity-Hauses zählt die im Mai 2007 erworbene Equity Office Property Trust, der größte amerikanische Eigner und Verwalter von Industrie-Immobilien. Das Unternehmen hat wiederum ein Portfolio von zehn Millionen Quadratmetern Bürofläche in 580 Gebäuden und stellte mit 39 Milliarden Dollar die größte Privatisierung aller Zeiten dar.
Außerdem hält Blackstone Anteile an der Deutschen Telekom und ist Eigner von Madame Tusauds."
Hmm, wer ist der Eigentümer von Center Parcs? Eine Heuschrecke? Und mit so einer Firma Geschäfte abschließen? Ja, der Landrat hat wirklich Grund zum Schimpfen!