Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Derzeit geht durch die Gazetten der angebliche supergeheime Trick mit der Keksdose. Als ich das las, musste ich lachen. Wer mich persönlich kennt, dem habe ich meine Erlebnisse mit Handys bestimmt erzählt:
Das war zu der Zeit, als ich als Prüferin im LEJ (Landesamt für Ernährung und Jagd) in Düsseldorf arbeitete. Am Wochenende fuhr ich stets nach Bayern - mit der Bahn. Oft gab es Verspätungen - und da spendierte mir mein Bär ein Handy, damit ich ihn anrufen konnte, falls der Zug später eintrudelte - was oft genug vorkam.
Tja, bei einer meiner ersten Heimfahrten steckte ich das Handy in die rechte Brusttasche meines Holzfällerhemdes. Diesmal war der Zug pünktlich, ich musste nicht anrufen. Als ich zu Hause ankam, nahm ich das Handy aus der Brusttasche und es funktionierte nicht mehr. Da sah ich das Malheur:
In der Tasche war noch ein Schokoladenriegel, das Handy ist offenbar sehr warm geworden, und die Schokolade ist geschmolzen. Das Handy muss wirklich sehr warm geworden sein - als ich mein Hemd auszog, sah ich eine Art Brandblase auf meinem rechten Busen ...
Wieso wurde mein Handy so heiß? "Weil es senden wollte, und zwar mit voller Pulle!" meinte mein Bär. "Aber ich hatte das Handy ausgeschaltet!" sagte ich. Am nächsten Tag ging er in den Handyladen und kaufte ein baugleiches Handy. Zu Hause machte er Versuche:
Er legte das Handy eingeschaltet auf einen Tisch und näherte sich dem Handy mit einem seiner Messgeräte. Und siehe da, obwohl keiner mit dem Handy sprach, sandte es rhytmisch Signale aus. Wir machten uns schlau, ja ein eingeschaltetes Handy teilt in Abständen den Basisstationen mit, wo es sich befindet. So lässt sich also bequem der Aufenthaltsort eines Handy verfolgen ...
Ja, und wenn das Handy ausgeschaltet ist? Neuer Versuch: ausgeschaltetes Handy auf den Tisch, und das Messgerät im Aufnahmemodus, wir ließen das ein paar Stunden laufen. Dann durchsuchten wir das Messprotokoll. Und siehe da, plötzlich war ein reger Betrieb zwischen unserem Handy und der nächsten Basisstation - obwohl das Display ausgeschaltet war.
Frage: Wer hat unser Handy eingeschaltet? Obwohl das Display dunkel blieb!
An diesem Wochenende lief passend eine Sendung des "Computertreff" -vielleicht erinnern sich einige noch daran - im WDR. Ja, und da wurde gezeigt, was wir auch festgestellt hatten: Handys beginnen ein Eigenleben, auch wenn nicht gesprochen wird! Und es sei möglich - meinte der eine Moderator, dass Handys aus der Ferne so manipuliert werden können, dass das Mikrofon funktioniert, das Display aber dunkel bleibt - also die ideale Abhöreinrichtung!
Jetzt war uns klar:
Ich sagte zu meinem Bären: "Los, wir spielen jetzt die ganze Zeit Je t'aime - was meinst du, wie fischig es dann bei denen im Abhörraum zu stinken anfängt?!"
Dann überlegten wir uns, wie wir das abstellen können. "Einfach den Akku rausnehmen", meinte ich. "Das ist aber umständlich! Nehmen wir doch diese stabile Keksdose aus Blech, die wirkt dann wie ein Faradayscher Käfig, und wir brauchen nicht immer den Akku rausfriemeln." Gesagt, getan.
Vorher bestand ich auf einer Probemessung. Das Ergebnis: Das Handy war abgeschottet!
Jahre später erschien in einer SPIEGEL ONLINE Ausgabe ein Artikel, in dem bestätigt wurde, dass sogar das FBI mit Handys andere Menschen belauscht.
Quelle: SPIEGEL ONLINE Handy abgeschaltet, FBI hört mit
Ja, und jetzt las ich die dpa-Meldung, dass Manager immer mehr Angst haben, dass ihre Besprechungen abgehört werden. Sicher, diese Angst ist berechtigt! Und sie stecken während der Besprechung ihre Handys in Keksdosen. Nicht in irgendwelche Keksdosen - nein, es müssen schon bestimmte sein - aber das sei ein Geheimnis. Oder in einen stabilen Cocktail-Shaker oder in einen stabilen eisernen Kochtopf oder ...
Quelle: SPIEGEL ONLINE Keksdosen als Schutz gegen Spione