Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Heute früh ging ich mit Riffel spazieren - da plötzlich wurde sie schneller, sie signalisierte mir: Da ist frisches Hasenblut auf der Straße. Gut, dass sie angeleint war! Ja, wirklich, wir kamen zu einer Stelle, da zeigte sich uns ein grausiges Bild.
Ein junger Hase - getötet von einem Jeep - den Reifenspuren nach! Und vom Jeep überfahren: mitten durch! Nicht auf einer Schnellstraße, sondern auf einem Seitenweg, der meist nur von Traktoren bevölkert wird und nachts, wenn sich Betrunkene hinters Lenkrad klemmen und versuchen, ihr Auto im Suff nach Hause zu schlängeln und dabei keiner Polizeistreife in die Hände zu fallen.
Ja, da lagen die Reste dieses jungen Häsleins. Frisches Blut, höchstens vor einer Stunde muss das passiert sein! Hasen gehören zu einer aussterbenden Spezies - aber so? Wie gesagt, normalerweise ist dieser Seitenweg von landwirtschaftlichen Fahrzeugen genutzt. Reifenspuren nicht von einem PKW, sondern von einem Jeep.
Alles klar. Normalerweise fahren die PKWs sehr langsam - wegen der Bauern. Sollte wirklich ein Hase diesen Weg überquert haben, wie leicht hätte der Fahrer bremsen oder ausweichen können? Aber nein! Da wird extra noch beschleunigt und mitten auf den Hasen draufgehalten. Wieder ein Hase erledigt! Was sind wir doch für tolle Burschen?
Es ist wirklich schade um diesen Hasen - er hatte ein sehr kurzes Leben. Aber eins tröstet mich: Er kam aus meinem Biotop - dort hatte er es gut! Lieber ein kurzes Hasenleben als bei einer Treibjagd angeschossen und dann totgeschlagen zu werden. Ich habe bei Treibjagden schon Hasen am "Leichenwagen" baumeln sehen, die noch verzweifelt strampelten.
Ja, gibt es wirklich Menschen, die Freude daran haben, ein Tier grausam umzubringen? Ja, die gibt es! Leider! Da gibt es einen Hasensong: Da heißt es: "Mit der Frau ist's oede. Tiere toeten macht doch viel mehr Spass. Da geht einem einer ab ..."