Heute hatte ich Besuch, eine Freundin aus Studienzeiten, jetzt Buchhändlerin aus Leidenschaft. Sie klagte mir ihr Leid: Da kommen Käufer in den Laden, wollen in das Buch der HH reinlesen und beginnen dann eine Diskussion ...
"Ja, du weißt ja, dass ich Bücher mag! Und wenn es neue Bücher gibt, dann mache ich mich schlau und berate meine Kundschaft. Aber jetzt, da kommen Leute, die wollen den Roman der HH anlesen. Da habe ich einen kleinen Stapel, bereits aufgeschnitten."
"Und dann?"
"Die schlagen dann zielsicher das Buch auf und lesen mir laut vor, meist die perversen Stellen. Und dann wollen sie mit mir diskutieren. Ich bin da in einer verdammt schlechten Position."
"Das glaube ich dir, du hältst ja selbst nichts von diesem Buch?"
"Ich hasse dieses Buch, aber ich muss es vorrätig halten, solange es verlangt wird. Stammkunden habe ich gefragt, was sie davon halten. Einige waren ehrlich und meinten: Wenn ich gewusst hätte, was da drinsteht, dann hätte ich es nicht gekauft. Ich habe mich an die Bestsellerliste gehalten und jetzt muss ich dieses Buch vor meinen minderjährigen Töchtern verstecken."
"Also, wir lesen ja die ZEIT, da geht in den Leserkommentaren die Post ab. Jetzt werden schon Leserkommentare gekürzt oder gar rausgenommen. Und das in der ZEIT?"
"Ja, ich habe da auch reingeschaut. Da haben sogar manche ihr Abonnement gekündigt."
"Mein Bär ist ja auch Abonnement und denkt ebenfalls über eine Kündigung nach."
"Das kann ich verstehen. Was erst Mangold und dann die Radisch seitenweise von sich geben, das hätte ich dem ZEIT-Feuilleton nicht zugetraut!"
"Naja, die wollen halt einfach nicht zugeben, dass sie getäuscht wurden oder sich täuschen ließen."
"Eigentlich haben alle Beteiligten versagt: die Agentur Eggers & Landwehr, Ullstein und vor allem der Vater Carl Hegemann."
"Stimmt! Der Vater ist ja mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit der eigentliche Author, zumindest der Ko-Autor. Und dann die Rechte an den Texten nicht zu überprüfen?! Wie können die nur so blauäugig sein?"
"Ich denke eher, es war die Gier, die alle getrieben hat. Die wollten ein zweites und noch einträglicheres Feuchtgebiet auf den Markt bringen. Deshalb musste alles ganz schnell gehen. Und dann kommt noch die Überheblichkeit eines Großverlages gegenüber Bloggern und Kleinverlagen dazu."
"Ja, die haben einfach die Macht der Bloggerszene unterschätzt."
"Und ihre Macht der Manipulation durchs Marketing unterschätzt!"
"Das ist das Allerschlimmste, was passieren konnte. Das siehst du ja bei den ZEIT-Lesern. Deren Leser sind gebildet und wenn die merken, dass sie mit Fehlinformationen manipuliert werden sollen, dann gibt es entsprechende Reaktionen. Diese ganzen Feuilleton-Redaktionen haben sich doch so was von lächerlich gemacht."
"Stimmt! Jetzt frage ich mich doch bei jeder Rezension: Wieviel hast du dafür bekommen? Schließlich scheint es nur ums Geld zu gehen."
"Aber ich hoffe, dass dies ein Neubeginn wird für diesen Literaturbetrieb, ich hoffe auch für eine Stärkung für die vielen Kleinverlage. Und dass immer mehr Leser aufwachen und sich diese Manipulationen durch die vier großen Verlage in Deutschland nicht mehr gefallen lassen. Nicht diese miteinander verbandelten Kreise bestimmen, was gute Literatur ist, sondern mündige Leser."
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