Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Heute früh kam mein Kater Murrli - der Blendling - nicht zum Frühstück. Ich machte mir Sorgen. Seine Freundin Wähli - rabenschwarz mit einem kleinen Dreieck auf der Brust - war da - mit einem Riesenhunger.
Ich fütterte Tiger und Knopfi - sie freuten sich schon auf das am Vorabend gemähte Gras, das schmeckt ihnen viel besser als Heu. Tja, und mittags fand ich Murrli - schlafend im Stall, in einer alten Heuraufe. Er ließ sich nicht stören. Mittlerweile kann ich ihn streicheln, er ließ es sich gefallen und schnurrte. Und dann gähnte er und ich konnte sein schönes Gebiss bewundern. Da macht sich schon bemerkbar, dass er einen Mischung von Wild- und Hauskatze ist.
Besorgt schoss mir eine Gedanke durch den Kopf: Hat Murrli etwas Ungesundes erwischt?
Nachmittags kam der Hufschmied - und Murrli blieb in seiner Heuraufe liegen. Und schlief. Als der Hufschmied weg war, da schlief er immer noch. Dann geruhte er aufzustehen, ging zum Wassernapf und dann verschwand er im hohen Gras.
Ich fuhr gerade meine Mistkarre zum Misthaufen - wer kommt mir entgegen? Murrli, Kopf hoch erhoben, im Maul eine große, fette Maus. Er sah mich und verschwand mit Maus im alten Rübenkeller. Wahrscheinlich hat er dort seine Vorratskammer.
Als ich vom Misthaufen zurück kam, war Murrli wieder da - mit Maus. Er begann sie aufzuessen. Wähli schaute ihm zu - dann war Murrli satt und ließ seiner Freundin auch etwas übrig.
Ich war froh. Jetzt wusste ich, dass Murrli nicht krank ist, er war nur müde. Und schlief halt tagsüber. Katzen sind eben Nachtjäger. Murrli ist wahrscheinlich ein fleißiger Jäger. Und Wähli auch. Und auch der alte Brömmel, eine orangene Tigerkatze, er kommt auch öfters mit einer Maus im Mund und geht zum Essen in die alte Scheune.
Wenn mein Bär spät abends Tiger und Knopfi nachfüttert und nach dem Rechten sieht, dann dauert es nicht lange und alle drei Katzen tauchen auf. Und warten auf ihre Leckerbissen. Wenn ich daran denke, wie scheu die Katzen am Anfang waren, ich bekam sie vom Tierheim, sie ließen sich überhaupt nicht anfassen und versteckten sich den ganzen Tag.
Bei mir leben sie richtig artgerecht: Sie können jagen, sie spielen miteinander oder dösen in der Sonne. Wenn Fremde auf den Hof kommen, dann verstecken sie sich - ich finde das gut. Einmal kam ein Bekannter und wollte Pferdemist für seinen Garten holen. Kein Problem. Wir beluden seinen Kofferraum mit den gefüllten Kübeln, da erschien Murrli und wollte wissen, was dieser Mensch wohl mitnimmt. Ja, er sprang sogar in das fremde Auto. Und der Bekannte bekam schon einen begehrlichen Blick - Murrli gefalle ihm, meinte er. Anscheinend verstand das Murrli, schwupps, sprang er aus dem Kofferraum und ward nicht mehr gesehen.