Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Da liegt unser Kater Murrli - in der Sonne, die er liebt - wie alle Katzen. Er scheint müde zu sein, kein Wunder bei seinem regen Nachtleben! Jetzt lässt er sich nicht stören. Auch wenn ich mit der Mistkarre vorbeifahre - er regt sich nicht. Und er weiß mittlerweile, hier haben die Jäger Hofverbot. Das findet er gut!
Murrli ist etwas ganz Besonderes - ein Blendling - also eine Mischung von Wild- und Hauskatze. Und bei ihm scheint viel Wildkatze durchgekommen zu sein! Allein sein Kopf - viel länger als bei den Hauskatzen. Und seine Zeichnung. Was wir hier nicht sehen, diese Zeichnung ist symmetrisch - auf beiden Seiten gleich. Das habe ich bei Katzen noch nie gesehen.
Die anderen Katzen haben gleich gemerkt, dass Murrli keine "richtige" Katze oder richtig kein richtiger Kater ist. Brömmel unser alter Kater, hat zuerst auf ihn Jagd gemacht. Aber mittlerweile respektieren sich die beiden. Es gibt natürlich ab und zu Stuten gucken - und Katzen haben Ausdauer.
Ich erinnere mich noch, als wir Murrli zusammen mit Wähli aus dem Tierheim holten. Das waren richtige wilde Katzen - sie wollten mit den Menschen nichts zu tun haben. Sie versteckten sich in ihrer Höhle und wurden kaum gesehen.
Und jetzt? Kaum öffnet einer von uns die Stalltür, sausen Murrli und Wähli unten durch die Stalltür, da haben wir eine Öffnung ausgesägt. Und sie erwarten Futter. Dabei schwänzeln sie um unsere Füße. Und mittlerweile lassen sie sich auch anfassen. Und sie zeigen, wann sie gestreichelt werden wollen. Dann schnurren sie wie kleine Elektromotoren.
Gegenüber Fremden sind sie immer noch sehr scheu - sobald ein fremder Mensch auf den Hof kommt, sind sie verschwunden - aber sie beobachten.
Ja und heute war Schlaftag - auch für die Kater. Auch für den alten Brömmel. Er ist der Senior. Heute hat er sich eine alte Mauer als Platz an der Sonne gesucht. Da lag er nun - hingegossen - die Augen geschlossen. Er weiß, er kann sich auf seine Menschen verlassen! Auch er kam aus dem Tierheim. Auch ein Problemfall. Auf er wollte nichts mit Menschen zu tun haben. Auch heute ist er noch sehr scheu. Und das ist gut so.
Denn in der weiteren Umgebung leben Menschen, die offenbar Katzen hassen! Ich fasse es nicht, wie kann ein Mensch solche Tiere derart hassen, dass er sie erschießen muss? Das werde ich nie begreifen.
