Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Als ich heute abend mit Riffel zum Abendspaziergang aufbrach, war ich plötzlich nicht allein.
Plötzlich tauchte der Kater Weißie aus dem Maisfeld auf und erzählte mir was, das sich nach vielen "mau - mau- mau" anhörte. Aha, Weißie will uns heute begleiten. Er setzte sich an die Spitze, seinen Schwanz steil nach oben und hopste voran. Ab und zu schaute er sich um, wo wir bleiben.
Riffel signalisierte mir, dieser Kater ist wohl die reinste Plaudertasche. Aber sie störte sich nicht weiter an ihm. Dann hörten wir ein anderes "mau - mau- mau", es hörte sich wie ein Kastratenstimmchen an. Ja, es war Brömmel, der kastrierte Senior. Beide Kater marschierten vor uns her. Irgendwie war es ein schönes Gefühl, von zwei Katern begleitet zu werden.
Dann hielt Brömmel inne, sagte irgendetwas, das sich anhörte wie: "Ich kehre jetzt um, schließlich bin ich ja nicht mehr der Jüngste!" Und er verschwand im Maisfeld. Weißie führte unseren kleinen Trupp weiter an.
Da wurden wir von einem Jeep überholt, nicht weit, da hielt der Jeep, ein Mann stieg aus und urinierte an meiner kleinen Nordmanntanne - oder er versuchte es. Ich war stinksauer, die Tiere merkten das. Ich gab Riffel ganz viel Leine, sie schlich sich von der Seite an den Pinkler an und knurrte ihn ganz böse an. Das war kein flaches Spielknurren, nein das kam ganz tief aus ihrem Inneren.
Der Pinkler erschrak und seine Hose wurde nass. Und Weißie baute sich vor dem Pinkler auf und fauchte ihn böse an. Jetzt kam ich auch dazu, musterte den Typ von untern bis oben und fragte ihn: "Du bist ja ganz nass! Hat es geregnet?" Mit puterrotem Gesicht stieg er hastig in seinen Jeep und fuhr davon. Seine Sitze werden vielleicht müffeln.
Jedenfalls, das ist mir vielleicht auch noch nicht passiert, dass Hund und Katze gegen zweibeinige Feinde zusammenhalten.
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