Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Heute nachmittag ging ich zur alten Scheune, neben der Tür wächst ein Holunderbusch. Oben im Busch thronte mein Kater "Weißie" in der Sonne. Ganz genüsslich.
Ich holte aus der Scheune Strohballen, füllte das Katzenfutter auf und machte erstmal im Stall weiter. Aber irgendetwas fehlte: normalerweise steigt Weißie mir dabei ständig zwischen den Füßen herum. Heute nicht. Gefiel es ihm oben im Busch so gut?
Denkste. Ich hörte sein jämmerliches Maunzen. Was war los? Weißie hing ziemlich kläglich in halber Höhe zwischen den dicht gewachsenen Zweigen. Er kam nicht vor und nicht zurück. Was sollte das denn? Normalerweise sind Katzen doch gute Kletterer! Davon hatte Weißie anscheinend noch nichts gehört.
Nur mit Mühe gelang es mir, Weißie aus dem Busch zu pflücken. Endlich hatte ich ihn auf der Schulter, er sprang zu Boden. Irgendwie schien ihm die Sache peinlich zu sein, er rannte sehr schnell davon. An diesem Abend bekam ich ihn nicht mehr zu Gesicht.
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