Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Über unseren Kater Murrli schrieb ich schon öfter. Vor über einem Jahr kam er zu uns - zusammen mit Wähli - zwei Kater, die im Tierheim furchtbar litten. Sie wollten von den Menschen nichts wissen. So kamen sie zu uns. Wir wollen ja auch nicht immer von den Mitmenschen etwas wissen.
Heute war es sehr kalt. Ich wollte gerade in den Stall gehen und öffnete die Haustür. Schwupp, flitzte Murrli in den Flur. Dann stellte er sich vor mein Arbeitszimmer und signalisierte mir: Ich will da rein! Na, gut, ich ließ ihm den Willen.
Wenn er im Haus ist, dann bewegt er sich sehr vorsichtig, wirft nichts um - er ist neugierig. Und dann sah er sich im Zimmer um. Ja, mir kam es vor, dass ihn die Bücherwand mit Fachliteratur geradezu magisch anzog. Ja, und da entdeckte in einem der unteren Regale ein Plätzchen, da standen nur kleinere Bücher, es war genug Platz für ihn.
Also kletterte er hinein und ließ sich nieder. Ganz zufrieden saß er in seiner "Regalhöhle". Das erinnerte mich an den Schriftsteller E. T. A. Hoffmann und seinen satirischen Roman "Lebensansichten des Katers Murr".
Ich musste dann in den Stall. Ich ließ ihn im Zimmer, sperrte jedoch ab. Und als ich zurückkehrte, da saß Murrli immer noch in seinem Regal und beschaute voller Staunen, was seine zweibeinige Katze wie ich so alles braucht.
Was hat ihn so angezogen? Ich vermute, er hat gleich festgestellt, dass ich die Fachbücher oft in die Hand nehme - also riechen sie besonders nach mir. Ja, ich schlage oft in der Fachliteratur nach - das gebe ich zu.
Einmal bin ich ja deswegen regelrecht beschimpft worden, da entrüstete sich eine Besucherin: "Du bist gar keine richtige Schamanin, wenn du so viel Bücher brauchst!"
Ja, diese Tante stellte sich wohl als Schamanin eine Frau vor, die Lebewesen nur mit dem Schnippen der Finger heilt. Oder so. Das ist ja viel angenehmer als das permanente Lernen und auf dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu sein.
Ich werde auch oft gefragt: "Wieso brauchst du überhaupt Bücher? Das steht doch alles im Internet!" Leider nein, viele Fachinformationen finde ich nicht im Internet. Grund: Fundierte Fachliteratur erscheint nur in ganz kleinen Auflagen. Und für solche Kleinauflagen interessiert sich der Gigant Google nicht.
Deshalb findet auch Google längst nicht alles! Und ich muss immer wieder schmunzeln, wenn ich einer Kundin etwas erkläre und sie dann sagt: "Da schaue ich im Internet nach, ob das stimmt!" Und dann später sich entrüstet: "Woher weiß du das, im Internet habe ich das nicht gefunden!"
Ich werde immer wieder gefragt: "Wieso schreibst du keine Bücher über dein Wissen?"
Die Antwort ist einfach: Ich habe Angst, dass es mir so geht, wie dem Verfasser des Homöopathischen Hausarzt - Dr. Constantin Hering. Er war ja einige Zeit in Südamerika als Arzt in einer Missionsstation tätig, dann musste er zurück nach Europa. Seine Patienten waren traurig darüber, dass er sie verlassen musste. Er tröstete sie: Ich schreibe euch alles auf.
Anfangs meinte er, auf 50 bis 60 Seiten passe sein medizinisches Wissen und seine Erfahrungen. Meine Ausgabe aus dem Jahr 1949 umfasst über 500 Seiten
"Organon der Heilkunst" von Samuel Hahnemann, Organon of medicine, Homöopathie, homoeopathy