Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Vor Beginn des Kirchentages in München traf ich eine Bekannte, sie ist sehr kirchlich engagiert und hat mir ganz freudig erzählt, dass sie an der grafischen Gestaltung des Gleichnisses vom "Kamel und dem Nadelöhr" beratend beteiligt war.
"Na, dann hast du hoffentlich gesagt, dass die Textstelle Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel auf einem Übersetzungsfehler beruht."
"Nein, natürlich nicht. Und außerdem glaube ich das nicht. Das hat ja auch Luther so übersetzt."
"Das ist trotzdem falsch übersetzt! Kamel - hebräisch gamal - wurde falsch übersetzt. Im Hebräischen steht gamta, und das heißt Schiffstau. Und das macht Sinn. Was hat ein Kamel mit einem Nadelöhr zu tun? Aber ein Schiffstau passt eher zu einem Nadelöhr, nur dass es halt zu dick ist."
"Ach du mit deinen Spitzfindigkeiten! Der Dekan hat schon recht, wenn er uns vor dir warnt. Du zerstörst unseren Glauben!"
"Also, wenn durch eine solche Richtigstellung euer Glaube zerstört wird, dann kann er nicht sehr stark sein!"
"Außerdem, soll ich auf dem Kirchentag sagen, ich kenne eine Schamanin, die behauptet, dass diese Stelle falsch übersetzt wird?!"
"Ich zitiere ja mehrere Rabbinen. Und die sind wohl wirklich kompetent für das Aramäische."
"Stimmt nicht! Die Urtexte der Evangelien sind in griechisch geschrieben!"
"Aber zu einer Zeit, als Jesus bereits gestorben war. Jesus selbst hat aramäisch gesprochen."
"Also, der Dekan hat doch recht, du zweifelst die Evangelien an! Ich denke, mit dir spreche ich nicht mehr. Aus dir spricht der Teufel! Du und dein Buch sollten wirklich verboten werden!"
Soviel zur Diskussionsfähigkeit fundamentalistischer Christen ...
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