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Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.

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Lichtmess

Heute rief mich eine alte Bekannte an, sie fragte mich zu "Lichtmess" aus.

"Was hältst du von Lichtmess? Ist das wirklich ein heidnischer Feiertag?"

"Nicht unbedingt. In der Landwirtschaft war dies früher der Tag, da wurden die Knechte und die Mägde ausbezahlt, und dies war auch der Tag, da konnten die Knechte und Mägde den Bauern verlassen, wenn sie eine andere Stelle gefunden hatten. Und hier in der Gegend hatte Lichtmess auch seine Schattenseiten."

"Ehrlich? Erzähl mal!" Sie war richtig neugierig.

"Nun, es kam immer wieder vor, dass ein Großbauer eine junge Magd schwängerte. Der Großbauer wollte, dass die schwangere Frau vom Hof verschwindet. Die schwangere Magd weigerte sich, wer sollte sonst für ihr Kind aufkommen?"

"Und dann?"

"Tja, da wurde dann oft vom Großbauern verbreitet, dass seine Magd eine Hexe ist. Von seiner Vaterschaft erzählte er natürlich nichts. Und wenn das nichts half und die Schwangere stur blieb, dann bot er ihr einen Ochsen an, damit sie ihr Kind aufziehen könne. Und wenn auch das nichts half, dann rief er den Hexenbanner."

"Was ist das denn?"

"Das war ein Männchen, im schwarzen Anzug, das kam mit Weihwasser und Rute auf den Hof und versuchte, die schwangere Magd vom Hof zu treiben."

"Das gibt es doch nicht!"

"Doch, ich habe noch mit Zeitzeugen gesprochen, von denen weiß ich, dass noch in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts der Hexenbanner geholt wurde."

"Und musste die Schwangere gehen?"

"Nein, das mit dem Hexenbanner funktionierte nicht mehr. Die junge Frau weigerte sich, sie packte den Weihwasserkessel und schüttete ihn dem Hexenbanner übern Kopf. Dann versteckte sie sich bei ihrer Ärztin. Und die nahm sich den Großbauern vor. Na ja, da haben diese Bauern einsehen müssen, dass die Zeit der Hexenbanner vorbei ist. Aber immer wenn jemand von Lichtmess redet, fällt mir diese Geschichte ein."

"Das wird den Neuheiden nicht passen! Die verklären doch immer alles."

"Ach, hör mir doch mit denen auf! Dieser sogenannte heidnische Kalender mit den acht Festtagen ist eine Erfindung des letzten Jahrhunderts."

"Uih, wenn das die Neuheiden hören, die zerkratzen dir das Gesicht!"

"Trotzdem können sie die Wahrheit nicht aufhalten. Nimm doch die Namen der acht Feste. Die sind aus unterschiedlichen Quellen und Sprachräumen zusammen getragen."

"Welche Tage zu Beispiel?"

"Nimm Litha, die Mittsommernacht oder Sommersonnenwende am 21. Juni. Weißt du, woher Litha kommt?"

"Nein, aber du wirst es mir gleich sagen."

"Litha ist eine Erfindung vom Fantasy-Autor Tolkien! Das wollen nur die wenigsten wahrhaben."

"Meinst du Tolkien, den Autor von Herr der Ringe?"

"Genau den!"

"Jetzt verstehe ich, wieso da eine gegen dich keift."

"Meinst du die Miljenka Schmid?"

"Woher weißt du das?"

"Ach da gibt es eine kleine Gruppe, die nennen sich die Sternenkinder. Die hat mir da mal vorgeworfen, ich würde die Leser zu Mitleid verleiten und das dürfe ich nicht."

"Wieso verleitest du zu Mitleid?"

"Das weiß ich auch nicht. Aber sie bezog sich auf eine Rezension meines Buches in der Presse. Und die hat ihr halt nicht gefallen."

"Wieso denn?"

"Was weiß ich. Vielleicht vermutet sie Konkurrenz. Sie nennt sich Heilerin und hat eine Praxis für Geistiges Heilen."

"Aber du machst doch kein Geistiges Heilen! Du machst doch handfeste Sachen."

"Eben. Vielleicht hat sie deshalb Angst vor mir. Wer weiß."

"Und bist du gegen sie vorgegangen?"

"Wieso denn? Diese Sternenkinder sind doch eine ganz kleine Gruppe, die kaum jemand kennt."

"Aber zurück zu den verschiedenen Namen für die neuheidnischen Festtage, hast du noch mehr Beispiele?"

"Nimm z. B. Samhain, Beltane und Imbolc, die stammen aus dem altirischen Gälisch. Oder Lammas stammt aus dem Altenglischen. Oder Ostara ist altdeutsch. Und Mabon ist mittelalterliches Walisisch."

"Das hört sich nach einem großen Sammelsurium an. Aber das sage ich in unserem Coven lieber nicht ..."
 
  
(C) Copyright 2004-2009 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.
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S
<br /> Oh, die altehrwürdigen Hexenfeste, das ist ein riesengroßes Thema und spannend obendrein, wenn man es nicht zu verkrampft betrachtet.<br /> <br /> Gleich vorneweg, ich feiere inzwischen die meisten davon. Weniger, weil sie so uralt und wichtig sind, sondern weil eine Gelegenheit mit Freunden ums Feuer zu springen und dabei falsch zu singen,<br /> derbe Witze zu reißen und mit Nudelsalat, Folienkartoffeln und selbstgegorenem Wein bis spät in die Nacht zu feiern nicht ungenutzt verstreichen sollte, wie ich finde.<br /> <br /> Im Laufe der Jahre bin ich immer wieder auf diese Feste gestoßen und wurde schnell hellhörig, denn im Gegensatz zu allem sonst, das man in magischer Literatur findet, waren sich die Autoren hier<br /> absolut einig und schienen auch vielfach voneinander abgeschrieben zu haben. Mit gehöriger Skepsis habe ich mich also angenähert und versucht die Tage energetisch zu erforschen, ob sie denn<br /> tatsächlich so besonders seien, und ein paar hatten durchaus etwas an sich.<br /> <br /> Die Namen habe ich immer schon ungern benutzt, weil ich keinen Bezug dazu hatte und bin inzwischen dazu übergegangen nur noch deutsche Begriffe zu verwenden, die mehr Sinn für mich machen.<br /> <br /> Ob die Feste alt sind und welche Kuchen man mit welchen Worten zu verteilen hat kümmert mich nicht, denn jede Tradition war einmal jung und Feste sind zum Feiern da. Und wenn man manchen Quellen<br /> glaubt haben es meine Ahnen genauso gehalten ;-)<br /> <br /> Alles Liebe,<br /> Sefa<br /> <br /> <br />
Antworten
K
<br /> Liebe Sefa,<br /> <br /> deine Einstellung gefällt mir. Bei "und schienen auch vielfach voneinander abgeschrieben zu haben" habe ich geschmunzelt, genau das stelle ich auch immer wieder fest. Auch gefällt mir,<br /> dass du die deutschen Namen verwendest. <br /> <br /> Ich stimme dir voll zu, dass Feste zum Feiern einladen und das ist das Wichtigste. Ich wünsche dir weiterhin viele fröhliche Feste!<br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br />
K
<br /> Liebe Moira,<br /> <br /> du schreibst zu Imbolc. "Dabei wird dieses Fest nach dem 2ten Neumond nach der Wintersonnenwende gefeiert,wenn der Mond wieder zunimmt"<br /> Meines Wissens ist dies ebenfalls eine moderne Interpretation. Es lässt sich ganz einfach nicht klar belegen, ob sich das vorchristliche Fest nach dem Mondstand gerichtet hat oder nicht. Wenn du<br /> aber Quellen hast, die deine Aussage historisch belegen, würde mich dies sehr interessieren.<br /> <br /> Blessed Be<br /> Kat<br /> <br /> <br />
Antworten
K
<br /> Liebe Kat,<br /> <br /> ich bin zwar nicht Moira, aber zur Frage Mond- oder Sonnenkalender möchte ich z. B. auf Stonehenge verweisen. So wie Stonehenge aufgebaut, beruht das mehr auf einem<br /> Sonnenkalender. Was natürlich nicht heißt, dass es Volksstämme gab, die einen Mondkalender hatten.<br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat <br /> <br /> <br />
M
<br /> Liebe Kiat!<br /> <br /> Mit den Bezeichnungen der Jahreskreisfeste muß ich Dir Recht geben,daß die aus verschiedenen Sprachen zusammengewürfelt sind.<br /> Die 4 Sonnenfeste nenne ich auch Wintersonnenwende,Frühlings- bzw Herbstäquinox und Mittsommer.<br /> Die anderen 4 Feste sind Mondfeste:Lichtmeß ist christlich,am symphatischten ist mir immer noch die Bezeichnung Brigid für diesen Festtag Anfang Februar,der für den Beginn,den zunehmenden Mond<br /> steht,eigentlich ist jeder Name einer heidnischen Gottheit,die diesen Aspekt repräsentiert also völlig korrekt.<br /> Die Bezeichnung Walpurgisnacht Anfang Mai ist auch christlichen Ursprungs,Walpurga bedeutet einfach nur "großer Leib" also schwanger.Die Natur ist also schwanger und gebiert das Leben:<br /> Das Vollmondfest also.Beltane paßt also,da sie die Fruchtbarkeitsgöttin ist.Politisch ganz korrekt muß es Pollenflugfest heißen,denn genau das passiert Anfang Mai.<br /> <br /> Den abnehmenden Mond,den Abschied des Wachstums und den Beginn der Erntezeit feierten unsere Vorfahren Anfang August:Lugnasad,nach dem Sonnengott Lugh paßt nicht so recht,Erntefest oder die<br /> Benennung nach einer Gottheit,die den Aspekt des abnehmenden Mondes verkörpert wäre passender.<br /> Und das letzt Mondfest,das Dunkel bzw Neumondfest ist das Todesfest,das aber schon die Auferstehung der Natur beinhaltet:<br /> Der Vegatationszyklus ist vorbei,nun kommt in der Natur die Zeit der Reinigung und dann folgt ein neuer Zyklus:Ahnenfest finde ich am treffensten,ich habe aber auch kein Problem ,wenn jemand zB<br /> Hekatefest dazu sagen würde.<br /> <br /> Die Unterwanderung durch Fantasy ist erwünscht,um diese Naturfeste zu diskretitieren.Man will die Leute entweder dazu bringen,daß sie nicht das,was gerade wirklich in der Natur passiert durch ein<br /> Jahreskreisfest ehren,sondern herumexperimentieren und irgendwelchen Blödsinn dazuerfinden.<br /> <br /> Das sieht man schon daran,daß die meisten ihre Feste nach christlichem Kalender feiern,also Brigid immer am 1 oder 2 Februar.Dabei wird dieses Fest nach dem 2ten Neumond nach der Wintersonnenwende<br /> gefeiert,wenn der Mond wieder zunimmt.Die Germanen feierten um diese Zeit das Disenopfer,welches eine Bitte an die Fruchtbarkeitsgöttinnen um ein erfolgreiches neues Jahr war.<br /> <br /> Also egal wie wir die Feste nennen,wichtig ist,daß wir uns an den tatsächlichen Abläufen in der Natur orientieren,so wie unsere Ahnen.<br /> <br /> Daß die Feste wirklich von unseren Ahnen gefeiert wurden,bezweifle ich nicht,warum haben die Christen sich sonst so eine Mühe gemacht,sie mit ihrer Ideologie zu verwässern und sogar die Daten<br /> übernommen?<br /> Sie konnten dem einfachen Volk das Feiern nicht verbieten,also wurde verfremdet,verfälscht und umbenannt.<br /> Das gleiche,was Tolkien und Co heute tun...<br /> <br /> Aber deshallb laß ich mir das Feiern nicht vermiesen...<br /> <br /> Liebe Grüsse von Moira<br /> <br /> <br />
Antworten
K
<br /> Liebe Moira,<br /> <br /> Lichtmess ist nicht unbedingt christlich, genau genommen stecken da jüdische Wurzeln drin. Vielleicht schreibe ich darüber mal ausführlicher.<br /> <br /> Also, Tolkien hat bestimmt nicht das Neuheidentum unterwandert, er hat ein Fantasiefigur geschaffen, die dann vom Neuheidentum übernommen wurde.<br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br />  <br /> <br /> <br />
S
<br /> die nennen sich doch neuheiden, da kann ihre geschichte nicht so alt sein. lol<br /> <br /> <br />
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K
<br /> Hallo Strike,<br /> <br /> eine Argumentation, der ich nicht widersprechen kann  <br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat <br /> <br /> <br />
I
<br /> liebe kiat, deinen blog zu lesen, bringt stets neue erkenntnisse. also das mit litha und tolkien, das habe ich nicht gewusst. irgendwie ist es seltsam, dass menschen solche sachen ungeprüft<br /> übernehmen ... lg Isabelle<br /> <br /> <br />
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K
<br /> Liebe Isabelle,<br /> <br /> danke für dein Kompliment! Wie ich schon anderswo geschrieben habe,  offenbar schaltet sich bei einigen Spezies der gesunde Menschenverstand ab, wenn etwas nur fremd genug<br /> klingt.<br /> <br /> Irgendwie erinnert mich an den Dr. Postel, einem Hochstapler, der es immerhin bis zum Chefarzt der Psychiatrie gebracht hat. Nur durch einen dummen Zufall flog er auf. In einem<br /> Interview sagte, dass es in der Psychiatrie ganz leicht ist, da brauchte er nur ganz abstruse Worte zu erfinden und seine Kollegen nahmen das alles für bare Münze.<br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat <br /> <br /> <br />