Heute rief mich eine alte Bekannte an, sie fragte mich zu "Lichtmess" aus.
"Was hältst du von Lichtmess? Ist das wirklich ein heidnischer Feiertag?"
"Nicht unbedingt. In der Landwirtschaft war dies früher der Tag, da wurden die Knechte und die Mägde ausbezahlt, und dies war auch der Tag, da konnten die Knechte und Mägde den Bauern verlassen, wenn sie eine andere Stelle gefunden hatten. Und hier in der Gegend hatte Lichtmess auch seine Schattenseiten."
"Ehrlich? Erzähl mal!" Sie war richtig neugierig.
"Nun, es kam immer wieder vor, dass ein Großbauer eine junge Magd schwängerte. Der Großbauer wollte, dass die schwangere Frau vom Hof verschwindet. Die schwangere Magd weigerte sich, wer sollte sonst für ihr Kind aufkommen?"
"Und dann?"
"Tja, da wurde dann oft vom Großbauern verbreitet, dass seine Magd eine Hexe ist. Von seiner Vaterschaft erzählte er natürlich nichts. Und wenn das nichts half und die Schwangere stur blieb, dann bot er ihr einen Ochsen an, damit sie ihr Kind aufziehen könne. Und wenn auch das nichts half, dann rief er den Hexenbanner."
"Was ist das denn?"
"Das war ein Männchen, im schwarzen Anzug, das kam mit Weihwasser und Rute auf den Hof und versuchte, die schwangere Magd vom Hof zu treiben."
"Das gibt es doch nicht!"
"Doch, ich habe noch mit Zeitzeugen gesprochen, von denen weiß ich, dass noch in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts der Hexenbanner geholt wurde."
"Und musste die Schwangere gehen?"
"Nein, das mit dem Hexenbanner funktionierte nicht mehr. Die junge Frau weigerte sich, sie packte den Weihwasserkessel und schüttete ihn dem Hexenbanner übern Kopf. Dann versteckte sie sich bei ihrer Ärztin. Und die nahm sich den Großbauern vor. Na ja, da haben diese Bauern einsehen müssen, dass die Zeit der Hexenbanner vorbei ist. Aber immer wenn jemand von Lichtmess redet, fällt mir diese Geschichte ein."
"Das wird den Neuheiden nicht passen! Die verklären doch immer alles."
"Ach, hör mir doch mit denen auf! Dieser sogenannte heidnische Kalender mit den acht Festtagen ist eine Erfindung des letzten Jahrhunderts."
"Uih, wenn das die Neuheiden hören, die zerkratzen dir das Gesicht!"
"Trotzdem können sie die Wahrheit nicht aufhalten. Nimm doch die Namen der acht Feste. Die sind aus unterschiedlichen Quellen und Sprachräumen zusammen getragen."
"Welche Tage zu Beispiel?"
"Nimm Litha, die Mittsommernacht oder Sommersonnenwende am 21. Juni. Weißt du, woher Litha kommt?"
"Nein, aber du wirst es mir gleich sagen."
"Litha ist eine Erfindung vom Fantasy-Autor Tolkien! Das wollen nur die wenigsten wahrhaben."
"Meinst du Tolkien, den Autor von Herr der Ringe?"
"Genau den!"
"Jetzt verstehe ich, wieso da eine gegen dich keift."
"Meinst du die Miljenka Schmid?"
"Woher weißt du das?"
"Ach da gibt es eine kleine Gruppe, die nennen sich die Sternenkinder. Die hat mir da mal vorgeworfen, ich würde die Leser zu Mitleid verleiten und das dürfe ich nicht."
"Wieso verleitest du zu Mitleid?"
"Das weiß ich auch nicht. Aber sie bezog sich auf eine Rezension meines Buches in der Presse. Und die hat ihr halt nicht gefallen."
"Wieso denn?"
"Was weiß ich. Vielleicht vermutet sie Konkurrenz. Sie nennt sich Heilerin und hat eine Praxis für Geistiges Heilen."
"Aber du machst doch kein Geistiges Heilen! Du machst doch handfeste Sachen."
"Eben. Vielleicht hat sie deshalb Angst vor mir. Wer weiß."
"Und bist du gegen sie vorgegangen?"
"Wieso denn? Diese Sternenkinder sind doch eine ganz kleine Gruppe, die kaum jemand kennt."
"Aber zurück zu den verschiedenen Namen für die neuheidnischen Festtage, hast du noch mehr Beispiele?"
"Nimm z. B. Samhain, Beltane und Imbolc, die stammen aus dem altirischen Gälisch. Oder Lammas stammt aus dem Altenglischen. Oder Ostara ist altdeutsch. Und Mabon ist mittelalterliches Walisisch."
"Das hört sich nach einem großen Sammelsurium an. Aber das sage ich in unserem Coven lieber nicht ..."
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