Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Heute fuhr einer der Oberjäger an meinem Hof vorbei, drohte mit der Faust und kreischte: "Deine Wiese mähen wir ab! Das hast du dann davon!"
Was soll denn das? Ich lasse das Gras auf meiner Ackerwiese immer lange stehen. Grund: Pferd und Esel brauchen lange Halme, nicht so kurzes Gras. Und zweitens wird so meine Ackerwiese zu einem Zufluchtsort für wilde Tiere wie Rehe, Hase, Fasan und mehr.
Als wir heute zum Vollmond zum Kraftplatz gingen, wollte Riffel unbedingt buddeln. Wir ließen sie. Sie war so vertieft, dass sie den Hasen in unmittelbarer Nähe zu spät bemerkte. Zum Glück für den Hasen. Er sauste urplötzlich davon. Im hohen Gras können sich auch die Rehe verstecken. Mich freut das, die Rehe freuen sich gewiss auch.
Einigen Jägern passt das nicht. Sie dürfen ja zum Schießen nicht näher als 300 Meter an meinen Hof heran. Mein Hof ist ja bebautes Gelände. Da hilft das ganze Geschrei nichts, und auch die Drohungen mit der Faust wirken nur lächerlich.
Es gibt in diesem Revier sowieso zu wenig Wild. Die letzte Treibjagd musste abgesagt werden - mangels Hasen. Dafür besitzt dieses Minirevier bestimmt die höchste Dichte an Hochsitzen. Ich habe in meiner deutschen Verwandtschaft einen Onkel, er ist Berliner und war früher leidenschftlicher Jäger. Von Hochsitzen hält er überhaupt nichts: "Da hat das Wild keine Chance! Das ist nur etwas für Herumknaller!" Nun, so unrecht hat er nicht.
Ich werde mein Biotop verteidigen. Gerade jetzt, wo fast nur noch Maisäcker zu sehen sind. Da braucht das Wild doch seine Plätze zum Ausruhen und Schlafen. Und vor allem Ruhe vor schießwütigen Zweibeinern!
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