Kurz nachdem die Rezension meines Buches im Mantelteil der Nürnberger Nachrichten erschienen war, erhielt ich einen recht seltsamen Anruf.
Ein Pärchen kam mal vor über fünf Jahren zu mir mit ihrem Hund. Der Hund war schon älter und wies unter dem Fell lauter Beulen auf. "Krebs!", schoss es mir gleich durch den Kopf. Ja, und ich roch auch den Krebs. Ja, wirklich, Krebs lässt sich riechen. Für einen Therapieversuch war es meiner Meinung nach zu spät! Der Kreislauf war auch wackelig, also empfahl ich zwei homöopathische Mittel.
Da gab es eine Diskussion und Vorwürfe: "Du bist keine richtige Homöopathin. Wir haben eine richtige Homöopathin in Wuppertal, die behandelt uns über Telefon und sie verordnet stets nur ein einziges Mittel."
"Ja, warum fragt ihr sie nicht?"
"Weil sie keine Tiere behandelt!"
"Hunde sind Säugetiere wie wir Menschen, da greifen die gleichen Mittel."
"Unsere Homöopathin sieht das anders!"
"Das ist eure Sache! Ich lasse mich nicht auf solche Diskussionen ein. Euer Hund hat Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Lasst ihn nicht zu lange leiden. Ihr könnt seinen Kreislauf unterstützen, sonst kippt er euch bald um. Aber sonst könnt ihr nichts tun."
"Dann gehen wir zu einer Tierärztin, du kannst wohl gar nichts!", geiferte die Frau. Ich zuckte mit den Schultern.
Dann habe ich jahrelang nichts mehr von den beiden gehört. Nur von deren Tochter, die traf ich mal auf einem Flohmarkt. Sie erzählte, dass der Hund bald darauf gestorben sei. Der Tierarzt hatte auch Krebs im fortgeschrittenen Stadium festgestellt.
Wie gesagt, kurz nachdem der Bericht über mein Buch in den Nürnberger Nachrichten erschienen war, rief mich das Pärchen an, die Frau sprach und der Mann schnaufte im Hintergrund: "Hab ich es doch gewusst, dass du den Zeitungen hinterherrennen musst, damit jemand über dich schreibt!"
"Wovon redest du eigentlich?"
"Na, der Bericht über dich in den NN! Ich habe das nicht nötig! Der ehemalige Würzburger Bischof lässt Bücher auf Fränkisch schreiben. Das mache ich! Ganz allein! Die werden zwar unter seinem Namen veröffentlicht, aber geschrieben habe ich sie! Und dem läuft die Presse hinterher, sogar im Lokalradio war er schon!"
Ich musste innerlich grinsen: Diese Frau kam aus dem Rheinland und hat heute noch Schwierigkeiten, Fränkisch zu verstehen. Aber Bücher schreibt sie auf Fränkisch? Erstaunlich.
Die Frau ereiferte sich weiter: "Ich kann überhaupt nicht verstehen, dass ein Redakteur dich interviewt. Du kannst doch überhaupt nicht schreiben!"
"Na wenn du meinst?" antwortete ich und legte den Hörer beiseite. Fünf Minuten später kreischte es immer noch aus dem Hörer. "Irgendwann muss sie doch mal Luft holen", überlegte ich. Aber sie schrillte immer weiter. Dann schellte das Praxistelefon und ich legte den Hörer auf.
Ob sie das gleich gemerkt hat?
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