Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Heute früh wollte ich einen alten unbenützten Bodenraum aufräumen, also bestückte ich mich mit einem Staubsauger. Da - das Saugrohr war anscheinend verstopft. Also demontierte ich das Saugrohr und ging hinunter auf den Hof.
Dort hielt ich das Saugrohr wie ein Fernrohr und schaute hindurch - oder wollte hindurchschauen. Das war nicht möglich - eben verstopft. Kater Murrli hatte mich die ganze Zeit beobachtet - wie er das immer macht.
Ich ging in die Holzlege, um nach einem festen Draht zu suchen, mit der ich das Rohr reinigen könnte. Als ich zurückkam, was sah ich? Murrli hatte das an die Hauswand gelehnte Saugrohr umgeworfen und machte es mir nach - oder wollte es nachmachen. Ja, er wollte auch hineinschauen.
Und so ein offenes Rohr? Da steckt bestimmt ein Katzengeheimnis dahinter! Also steckte er seine Pfote hinein und er ertastete etwas Weiches. Eine Maus? Oder so? Er zog seine Pfote wieder heraus und war empört. Anklagend sah er mich an: Seine Pfote war schmutzig geworden - von den Resten einer Wollmaus.
Da fing er an, seine Pfote zu putzen. Und er schaute mich mehrmals fragend an. Was für komische Mäuse fangen die Zweibeiner? So etwas kann doch niemand essen!
Als ich das zweite Mal im Hof war - mit dem gefüllten Staubbehälter in der Hand - ich verwendete einen Staubsauger ohne Beutel, da schaute Murrli mich richtig mitleidig an, als ich den Inhalt in die Resttonne entsorgte. Auf Katzonesisch signalisierte er mir: "Ich habe es dir doch schon gesagt, solche Mäuse isst niemand!"