Schon vor der letzten Bundestagswahl warnte ich vor den Plänen des Anton Schlecker.
Jetzt haben diese Pläne das kleine beschauliche Städtchen Herrieden in Mittelfranken erreicht: Ein kleiner Schlecker-Laden wird geschlossen und die Belegschaft entlassen. Im Gegenzug wird ein neuer Laden eröffnet, ein sogenannter XL-Laden, mit neuer Belegschaft, die für den halben Lohn arbeiten darf. Die meisten sind dann wohl zusätzlich auf eine Grundsicherung von der Agentur für Arbeit angewiesen, mit allen Konsequenzen. Also ein Wurf ins Prekariat.
Nun wohnt in diesem Herrieden der Bundestagsabgeordete Josef Göppel, er steht jetzt unter Erfolgszwang. Also was macht ein Abgeordneter, wenn er nichts machen kann und darf? Er schreibt einen Brief an den Unternehmer Anton Schlecker, in dem er den Unternehmer auffordert, seiner unternehmerischen Verantwortung gerecht zu werden. Und er will zusammen mit der Arbeitsministerin Ursula von der Leyen eine "Initiative gegen Dumpinglöhne" starten.
Ich fasse es einfach nicht. Weiß dieser Abgeordnete nicht, wozu er von seinen Wählern gewählt wurde? Herr Göppel, Sie repräsentieren jetzt die Legislative! Also müssen Sie eine Mehrheit finden, wie Sie und Ihre Kollegen eine Gesetzesgrundlage schaffen, die Schlecker und andere an solchen asozialen Plänen hindert! Wie wäre es mit einem bundesweiten Mindestlohn? Andere EU-Staaten haben das ja auch geschafft! Das Geeiere um Mindestlöhne je Branche ist zu bürokratisch und einfach Quatsch! Wieso gibt es in Deutschland keine gesetzlich verankerten Mindestlöhne? Ist die Lobby der Arbeitgeber zu stark?
Einen Unternehmer an seine soziale und ethische Verantwortung zu erinnern, ist einfach lächerlich. Ein Typ wie Anton Schlecker wird Ihnen etwas husten! Als Abgeordneter sind Sie verpflichtet, Gesetze zu schaffen, die Unternehmer wie Anton Schlecker daran hindern, sich asozial auf Kosten der Allgemeinheit zu verhalten.
Die einzigen, die außer Ihnen noch etwas unternehmen können, sind die Verbraucher: Die können mit den Füßen gegen Schlecker abstimmen und nicht mehr in den XL-Läden einkaufen.
Also, Herr Bundestagsabgeordneter Göppel, wo bleibt der bundesweite Mindestlohn?
Oder wollen Sie warten, bis Ihnen und Ihren Kollegen die soziale Bombe um die Ohren fliegt?
(C) Copyright 2004-2009 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.