Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Als ich heute gegen abend aus meinem Fenster in meinem Büro in Richtung Norden schaute, sah ich eine sehr beeindruckende Wolkenformation. Mit einem fulminanten Farbenspiel:
Der Westwind peitschte die Bäume und Sträucher in abgehackten Stößen - so als ab gleich ein Unwetter kommt. Dann nahm ich meine Kamera und ging vors Haus. Im Nordosten bauten sich glutrote Wolken aufeinander:
Mein Bär kam dazu und meinte erschrocken: "In dieser Suppe möchte ich nicht fliegen!" Gebannt schauten wir beide dem Schauspiel zu. In wenigen Minuten änderte sich das Bild. Es schien, als senkte sich die Wolkenwand auf die Erde:
Beim Anblick dieser Wolken erinnerte ich mich schlagartig an meine erste Reise durch die Gobi. Da hatten die Kameltreiber öfters Pech. Und ich sollte der Unglücksbringer sein. Ihr Aberglauben peitschte ihnen ein, dass sie mich den Dämonen opfern wollten. Der damals schwefelgelbe Himmel erinnerte mich fatal an die heutigen Wolken.
Wolken in der Gobi waren sonst recht selten. Wer mein Buch gelesen hat, weiß, dass Gewitter und Sturm damals mein Leben retteten ...
Daran erinnerten mich heute diese Wolken ...