Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Im benachbarten Dorf gibt es eine kleine Clique von jungen Mädchen, denen haben die Eltern verboten, mich zu besuchen. Das jedoch macht mich für die jungen Mädchen erst recht interessant. Also besuchen sie mich heimlich.
Sie stellen es ganz geschickt an und radeln einen Umweg, so dass ihre Eltern vom Dorf aus sie nicht sehen können. Und sie haben oft Fragen., die versuche ich zu beantworten. Dann gibt es Fragen, da sage ich: "Das weiß ich auch nicht, aber da können wir nachschauen."
Einmal hat ein Mädchen dann gesagt: "Aber die Erwachsenen sagen, dass sie alles wissen!" Darauf habe ich geantwortet: "Wer das behauptet, lügt! Niemand weiß alles!"
Letzte Woche waren sie wieder da. Ein Mädchen fragte: "Meine Oma hat gesagt, wir dürfen bei einem Gewitter nicht essen. Wenn da jemand isst, dann schlägt der Blitz ein! Stimmt das?"
Dann erklärte ich, was es mit dem Blitz auf sich hat. Und was ein Blitzableiter ist. Dann kamen wir zu den guten und schlechten Stellen, die es überall gibt. Und dass Hunde und Katzen auf unterschiedlichen Stellen schlafen.
Ja, und heute nachmittag waren sie wieder da. Einmal, weil ein Mädchen von ihren Eltern gehört hat, dass ich heute Heu bekommen habe. Da wollten sie in die Scheune sehen. Sie berührten das Heu, einige Ballen waren warm. Warum? Also versuchte ich das den Mädchen zu erklären. Das ist gar nicht so einfach ...
Ja, und dann erzählte ein Mädchen, dass sie ihrer Oma erzählt hat, dass ich gesagt habe, dass das mit dem Essen bei Gewitter nicht stimmt. Und die Oma ist böse geworden. Die hat geschimpft: "Die Hexe! Die treibt es mit dem Teufel! Deshalb schlägt bei der nie ein Blitz ein!"
"Stimmt das?" fragte ein anderes Mädchen. Und "Wie schaut der Teufel aus?" fragte noch ein anderes Mädchen. Tja, was mache ich da? fragte ich mich. Dann kam mir eine Idee. Ich erinnerte mich an ein Kasperletheater - zum Aufstellen auf den Tisch. Also ging ich auf den Spitzboden und holte den Karton. Dann baute ich das Theater auf und schlüpfte mit meinen Händen in den Teufel und ins Kasperle. Und dann holte ich meinen Bären und wir improvisierten ein Stück:
Gretel: "Kasper, ich habe Angst Es donnert! Da, es hat wieder geblitzt! Wenn der Blitz einschlägt?!"
Kasper: "Warum soll der Blitz einschlagen? Ich vertreibe den Blitz mit meiner Patsche!"
Gretel: "Aber das Krokodil frisst! Wenn es gewittert und jemand isst, dann schlägt der Blitz ein!"
Kasper: "Wer sagt das?"
Gretel: "Die Oma!"
Kasper: "Die Oma lügt! Das Krokodil kann essen soviel es will - deshalb schlägt kein Blitz ein!"
Gretel: "Die Oma sagt auch, dass du es mit dem Teufel treibst!"
Kasper: "So ein Quatsch! Ich vertreibe den Teufel mit meiner Patsche!"
Es donnert und blitzt. Der Teufel erscheint.
Teufel: "Ich bin der Teufel! Ich habe Hörner!"
Gretel: "Warum hast du Hörner?"
Teufel: "Weil ich mal ein Engel war."
Gretel: "Du warst mal ein Engel? Das glaube ich nicht! Engel sind gut! Und Teufel sind böse!"
Kasper: "Doch es stimmt! Der Teufel war mal ein Engel. Aber er ist frech geworden und Gott hat ihn aus dem Himmel geschmissen!"
Gretel: "Warum hat er Hörner?"
Kasper: "Weil alle Engel Hörner haben!"
Gretel: "Du lügst! Engel haben keine Hörner!"
Teufel: "Natürlich haben Engel Hörner!"
Gretel: "Kühe haben Hörner, aber nicht die Engel!"
Kasper: "Gretel, also Kühe haben Hörner, stimmt das?"
Gretel: "Ja, das stimmt!"
Kasper: "Es gibt gute Kühe, und es gibt böse Kühe. Stimmt das?"
Gretel: "Ja, das stimmt!"
Kasper: "Warum gibt es dann keine Engel mit Hörner? Engel sind gut, der Teufel ist böse!"
Gretel: "Hmmm, ich weiß nicht. Aber der Teufel ist böse!"
Kasper: "Stimmt. Ich vertreibe den Teufel mit der Patsche!"
Peng, Klatsch - Peng!
Da fing es wirklich zu donnern an. Ich sagte zu den Mädchen: "Ein Gewitter kommt! Radelt schnell nach Hause! Sonst werdet ihr nass!"
Und sie radelten nach Hause. Und wenn sie das jetzt der Oma erzählen?