Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Heute rief mich wieder eine alte Freundin aus der Studienzeit an. Sie war gestern bei ihrer Heilpraltikerin, so richtig zufrieden war sie nicht mit ihr. Vor allem, nachdem sie erfahren hatte, dass ich überhaupt kein Geheimnis daraus mache, wenn ich jemandem ein homöopathisches Mittel empfehle.
Ihre Heilpraktikerin dagegen weigerte sich, die genauen Mittel zu nennen. Ja schlimmer noch, sie verkaufte ihr kleine Glasröhrchen, gefüllt mit Globuli, die sie angeblich aus Österreich beziehe. Ich hatte meiner Freundin schon mehrmals gesagt, das sei Quatsch!
Als mal meine Freundin sich getraute, ihre Heilpraktikerin zu fragen, welche Mittel sie ihr verkauft, meinte sie: "Das ist mein Geheimnis, das dürfen Sie nicht wissen, weil sonst der Heilungsprozess gestört wird!"
Als dies mir meine Freundin erzählte, meinte ich nur: "Ja, der Heilungsprozess ihres Geldbeutels." Meine Freundin: "Du bist wieder sehr direkt!" Ist doch wahr! In der Homöopathie gibt es doch keine Geheimnisse! Ja, auch die Herstellung der Mittel ist kein Geheimnis. Im Gegenteil: Jeder Herstellungsschritt ist vorgeschrieben.
Und auch die Arzneimittelprüfungen müssen dokumentiert sein. Leider habe ich festgestellt, dass manche Heilpraktiker einfach ihren Patienten nicht sagen, welche Mittel sie verordnen. Ich sprach mal einen Heilpraktiker darauf an, er meinte: "Ich bin doch nicht blöd, wenn die Leute dann wissen, was ich ihnen gegeben habe, dann besorgen sie sich das dann selbst im Internet und ich mache kein Geschäft mehr!"
Schade, also auch bei der alternativen Medizin geht es nur ums Geschäft! Eine andere Heilpraktikerin weigert sich auch, die Mittel zu nennen. Ihrer Begründung: "Wenn die Patienten wissen, welche Mittel sie nehmen sollen, dann schauen sie im Internet nach und werden verrückt, und dann werfen sie die Mittel weg! Und kommen nicht wieder!"
Also, das habe ich selbst noch nie erlebt. Wenn ich jemandem etwas empfehle, dann versuche ich das immer zu erklären. Und zwar so, dass es die Menschen verstehen. Und ich mache nie ein Geheimnis, um welches Mittel es sich handelt. Ich handle nicht mit homöopathischen Mitteln, ich sage den Menschen, wie sie heißen, in welcher Dareichungsform es sie gibt, in welcher Potenz und wie sie sie nehmen sollen. Kaufen müssen sie diese Mittel selbst.
Und wenn ich feststelle, dass nur eine selbst zubereitete Nosode helfen kann, dann mache ich das mit dem Menschen zusammen. Ich erkläre ihm, was und warum er machen muss. Damit habe ich die gesetzlichen Regelungen zum Dispensierrecht umgangen. Das ist dann genauso, als wenn der Mensch ein HAB-Buch (Hömöopathisches Arzneibuch) liest und danach das Mittel selbst herstellt.
Ja, und dann habe ich noch von einem Fall gehört: Eine Frau war mal einmal zu Besuch und erzählte mir, dass sie zu einem Heilpraktiker geht, er steckt ihr eine Ohrkerze ins Ohr. Er arbeitet angeblich mit "geweihten" Ohrkerzen, die er sich aus Polen schicken lasse. Und deshalb seien diese Kerzen so teuer, 75 Euronen das Stück!
Ich dachte mir mein Teil und suchte nach einem Katalog und zeigte der Frau die Angebote - auch von Ohrkerzen. Ihr blieb der Mund offen, als sie die niedrigen Preise las! "Aber die sind nicht geweiht!" meinte sie dann - etwas verunsichert.
Einige Zeit später besuchte sie mich wieder: "Stell dir vor, heute war ich bei dem Heilpraktiker, da kam der Paketdienst und er musste aus dem Behandlungszimmer und ließ die Tür zum Nebenraum einen Spalt offen. Ich schaute durch den Spalt und sah auf einem Tisch einen Karton mit der Aufschrift von der Firma, wo man Ohrkerzen bestellen kann! Ja, und auf dem Tisch lagen ein paar ausgepackte Ohrkerzen, die sahen genauso aus, wie die, die er mir immer ins Ohr steckt. Meinst du, seine Kerzen sind gar nicht geweiht?"
"Da kannst du sicher sein! Das ist doch nur ein Trick, die Preise in die Höhe zu treiben!"
Sie schluckte und fragte: "Behandelst du auch mit Ohrkerzen!"
"Nein, ich halte nichts davon!"
"Aber das ist doch eine alte Behandlungskunst der Hopi-Indianer!"
Ich lächelte: "So alt kann diese Behandlung mit Ohrkerzen nicht sein, da erst seit 1990 hierzulande diese Ohrkerzen aufkamen. Und es gibt keinerlei Belege dafür, dass die Hopi-Indianer schon früher damit behandelt haben! Und mit Ohrkerzen kann einiges passieren, so kann Bienenwachs in den Gehörgang tropfen usw."
"Aber was mache ich gegen meinen Tinnitus?"
"Ist er nach einer Ohrkerze verschwunden?"
"Nein, der Heilpraktiker meinte, das braucht seine Zeit, mindestens zwanzig Behandlungen! Aber das ist mir zu teuer! Was machst du gegen Tinnitus?"
"Hast du eine Stunde Zeit?"
Sie nickte. Dann "behandelte" ich sie, sie wurde müde - das ist immer ein gutes Zeichen. Sie nickte sogar ein. Dann sagte ich zu ihr: "Du kannst aufwachen. Wir sind fertig." Sie öffnete die Augen und dann sagte sie erstaunt: "Das Geräusch ist weg!" Ich schrieb ihr dann noch etwas auf, was die Durchblutung fördert. Und sie ging ganz erfreut.