Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
"Wie machst du das mit deinen Voraussagen?" fragte mich heute vormittags jemand, "langsam wirst du mir unheimlich!"
"Wie meinst du das?"
"Na ja, am 11. Oktober schreibst in deinem Blog über einen Ministerpräsidenten, der Konkurrenz in seiner eigenen Partei bekommt. Und wie du schreibst, kann es sich nur um Seehofer handeln. Und am 14. Oktober nimmst du noch einmal Bezug. Und am folgenden Tag steht in der Zeitung "Gefährlicher Kronprinz." Das kann kein Zufall sein."
"Ich mache eigentlich gar nichts. Ich setze mich hin, und dann kommt mir in den Sinn, was ich schreiben könnte. Ich versuche das zu schreiben, finde vielleicht einen Link dazu. Und dass dann etwas später eintrifft, was kann ich dafür? Es ist halt so."
"Aber das sind keine Einzelfälle, du schreibst über etwas in deinen Glossen, und dann passiert das wirklich."
"So geheimnissvoll ist das nicht. Vieles Zukünftige deutet sich bereits in der Gegenwart an, nur die meisten Menschen geben auf die Anzeichen nicht acht."
"Kann das jeder lernen?"
"Sicher, schau, früher war jeder Schäfer ein Wetterkundiger, das war wichtig für ihn und seine Schafe. Und bei den Schamanen bei uns in der Steppe war es ähnlich."
"Ich habe gelesen, dass ein Schamane die Geister befragt hat."
"Das kam nur für besondere Anlässe vor, nicht jedoch für Fragen des Alltags."
"Ich war mal auf einem Wochenendseminar, da hat ein Schamane stundenlang Orakel befragt. Machst du das auch?"
"Auf keinen Fall, das ist mir viel zu anstrengend. Und es ist auch nicht ungefährlich. Wenn du da die Abschirmung vergisst, dann kannst mit einer Wesenheit Kontakt bekommen, und du kriegst sie nicht mehr los."
"Hast du so etwas schon erlebt?"
"Bei mir nicht, wir passen auf, oder versuchen es zumindest. Bei anderen habe ich das öfters erlebt. Das passiert bei vielen magischen Praktiken: Da finden Menschen alte Zaubersprüche und probieren sie aus, und sie haben Erfolg damit. Immer öfter probieren sie das aus. Nur, auch in diesem Bereich gibt es nichts umsonst. Die Opfer werden immer größer ..."
"Werden da auch Tiere geopfert?"
"Nicht nur Tiere ... Komm, lass uns über anderes reden ..."
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