Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Heute fuhr ich nach Windsbach und was sehe ich da? Der kleine Buchladen mit Bürokram hatte plötzlich so leere Schaufenster. Stattdessen hingen Pappschilder in den Fenstern: "Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe!"
Ich erinnere mich noch gut, als mein Buch vor einem Jahr erschienen war. Das hatte ich der Geschäftsinhaberin erzählt. Sie war ganz begeistert: "Da machen wir eine Lesung!" Und sie bestellte gleich ein paar Exemplare, für den Fall, dass jemand mein Buch kaufen wollte. Ich brachte ihr auch Plakate mit, die sie ins Schaufenster hängen könnte.
Und das tat sie, direkt in Augenhöhe!
Aber ich hatte eins nicht berücksichtigt: Einige Insassen des Rathauses und des Dekanats. Als ich das nächste Mal vorbeikam, bemerkte ich, dass die Plakate tiefer gesackt waren. Auf Kniehöhe. Und meine Bücher wurden plötzlich in den Regalen versteckt, zum Beispiel ganz unten bei den Kochbüchern und so. Vorher gab es extra einen Aufsteller mit "Von einer Autorin aus der Region", auch dieser Aufsteller verschwand. Und im Schaufenster war mein Buch auch nicht mehr zu sehen.
Was war los? Ich fragte die Buchhändlerin, sie wurde rot und wollte oder konnte oder durfte nichts sagen.
Ich kannte eine Mitarbeiterin sehr gut und fragte sie. Da bekam ich zu hören: "Einmal war der Bürgermeister im Laden, der hat das Plakat gesehen und ging mit der Händlerin nach hinten. Dann musste ich das Plakat woanders aufhängen."
Und sie fuhr fort: "Am nächsten Tag kam der Dekan und wollte die Chefin sprechen, ich holte sie und spielte Mäuschen. Der Dekan hat sich vielleicht aufgespielt, über Sie und Ihr Buch hat er hergezogen und geschimpft. So etwas gehöre nicht in ein Geschäft einer Stadt, in der der berühmte Knabenchor zu Hause ist. Was die Autorin schreibt, ist teuflisch!"
Nun ja, ich war schon etwas geknickt und erzählte es meinem Bären. Er meinte nur: "Denke an Tughais Prophezeihung" Wer mein Buch gelesen hat, wird sich erinnern: auf Seite 150. Ich dachte dann nicht mehr daran. Als ich heute die Schilder sah, fiel mir alles wieder ein. Dass es als erstes die Buchhändlerin getroffen hat, das wunderte mich zwar, aber die "Öberen" urteilen anders als wir Menschen. Aber sie hätte sich ja weigern können. Oder mir die Wahrheit sagen können. Wahrscheinlich war sie zu stolz.
Und die "Hintermänner" werden auch "bezahlen", da bin ich mir sicher. Nur, eigentlich ist mir das gar nicht wichtig. Was haben sie nur gegen mich und mein Buch? Wieso agieren sie im Hintergrund und sagen mir ihre Meinung über mich nicht persönlich? Oder sagen die eigentliche Wahrheit: Es geht nicht um mein Buch, sondern um meinen Blog. Da schreibe ich nämlich meine persönliche Meinung über politische Vorkommnisse, das können halt so manche Lokalplatzhirsche überhaupt nicht leiden.
(C) Copyright 2004-2010 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.