Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.
Am letzten Sonntag hat Anne Will sogar das Thema ihrer Talkshow kurzfristig geändert: die angeblichen Enthüllungen der US-Diplomatie auch über deutsche Politiker.
Also, was da am Sonntag zur Sprache kam, ich war enttäuscht. Oft waren es Belanglosigkeiten. Deutsche Politiker müssen in Deutschland oft mehr aushalten, was zum Beispiel Kabaretts über sie verbreiten.
Wenn ich da höre, der Entwicklungsminister Dirk Niebel sei ein "schräger" Minister. Also Leute, das wissen wir doch schon alle, dazu brauchen wir keinen amerikanischen Botschafter. Oder dass der Bayerische Ministerpräsident Seehofer "unberechenbar" ist, das ist doch den meisten Deutschen, die sich mit Politik befassen, längst bekannt.
Schmunzelnd vernahm ich den Vergleich der Kanzlerin mit einer Teflon-Bratpfanne, weil bei dieser Frau so ziemlich alle Kritik abperlt. Denken wir nur an ihre mit der Atomindustrie ausgehandelten Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke.
Aber wirklich etwas Neues gab es da kaum zu hören. Und wenn ich dann die gespielte Entrüstung höre, dass ausländische Diplomaten dazu angesetzt werden, interne Daten über ihre Kollegen im jeweiligen Land zu gewinnen?!
Leute, wozu sind all die diplomatischen Mitarbeiter in all die Länder geschickt worden? Zum Spionieren, wozu denn sonst?! Und die Infos, die jetzt über das Netz verteilt werden, dürften nur die Spitze des Eisberges sein. Was bisher bekannt wurde, sind halt irgendwelche persönliche Tratschgeschichten. Interessant wird es doch richtig, wenn es um Informationen geht, mit denen der auspionierte Politiker mundtot oder abhängig gemacht werden kann.
Nur, solche Erkenntnisse wurden bisher auch von WikiLeaks nicht veröffentlicht. Und das wäre wirklich interessant. Ob ein Politiker finanziell abhängig ist? Ob er Schulden hat? Ob er nebenbei einiges verdient, das er nicht deklariert hat? Ob er nebenbei "schlamperte" Verhältnisse pflegt usw. Ich bin sicher, dass solche Infos auch gesammelt werden. Und dass nötigenfalls von solchen "Geheiminssen" auch Gebrauch gemacht wird. Vor allem dann, wenn ein Politiker nicht mehr so funktioniert, wie gewisse Kreise des Großkapitals es sich wünschen.
Oder denken wir an den Fall "Guttenberg". Die Süddeutsche hat ihn als "Plaudertasche" bezeichnet, vor allem, was Westerwelle angeht. Hier stellt sich dann die Frage: Wer will hier Sand ins Getriebe der deutschen Politiker streuen?
Und damit wären wir bei den Motivationen für eine solche "Berichterstattung" und "Enthüllung". Also, für mich persönlich kommen mir viele dieser "Enthüllungen" als Ablenkungsmanöver vor. Da werden die Bürger und Bürgerinnen mit der Existenz von vielen hunderttausend "Dokumenten" überschüttet, die die allermeisten gar nicht sich genau anschauen können.
Aber das hat eine Folge: Die wirklich kritischen Bürgerinnen und Bürger werden abgelenkt, zum Beipiel von Geheimverträgen zwischen Regierung und Atomindustrie, diese Verträge sind derart geheim, dass sie sogar den Bundestagsabgeordneten vorenthalten werden. Warum wohl?
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