Heute abends rief mich jemand an, die Frau fragte mich nach einem Ziegenbock-Ritual. Erst glaubte ich, sie wollte mich veralbern. Doch Nachfragen ergaben, diese Frau meinte es ernst!
"Warum brauchen Sie ein Ziegenbock-Ritual? Was wollen Sie damit erreichen?"
"Der Ziegenbock wird immer frecher, mein Mann kann ihn nicht mehr bändigen!"
"Wie alt ist der Bock?"
"Vier Jahre, als wir ihn bekamen, war er sechs Monate. Er hat uns stets angesprungen, das hat uns allen gefallen. Aber jetzt ist er ausgewachsen und wir kommen nicht mehr mit ihm zurecht."
"Immer das gleiche Spiel", knurrte ich. "Wenn die Tiere klein sind, dann finden viele die Springerei niedlich. Aber wenn sie größer werden ... Tiere müssen stets erzogen werden, sie dürfen nie die Chefrolle übernehmen!"
"Ja, aber. Sie sind doch Schamanin, Sie kennen bestimmt ein Ritual, dass unser Ziegenbock wieder ganz lieb wird!"
"Ja, ich kenne ein Ritual, aber das wird Ihr Bock nicht überleben!"
"Wieso?"
"Das ist ein Schlachtritual, das einzige was bei einem versauten Ziegenbock hilft!"
"Aber, aber, Sie sind doch Schamanin, Sie müssen doch zu allen Tieren lieb sein?!"
"Das ist auch so ein Klischee! Wenn ein Tier überhaupt nicht erzogen wurde und größenwahnsinnig wird, dann ist es eine größe Gefahr für die Menschen, die mit diesem Tier zusammenleben sollen. Bei jeder Gemeinschaft von Tieren und Menschen muss stets der Mensch der Chef sein. Ist dies nicht der Fall, dann wird es für die Menschen gefährlich!"
"Ich glaube, Sie sind gar keine Schamanin!"
"Wie Sie meinen ..."
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