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Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.

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Alter

Immer öfters sprechen mich Frauen an, die mit ihrer Verpflichtung gegenüber ihren Eltern nicht mehr klar kommen. In den Städten ist es ja heute kaum noch möglich, dass mehrere Generationen unter einem Dach wohnen. Wenn nun die Mutter oder der Vater immer kränker werden und auf ständige Hilfe angewiesen sind, dann droht die "Seniorenresidenz", wie diese Verschiebebahnhöfe für demente Menschen oft beschönigend genannt werden.

Andererseits sind bei vielen Familien beide gezwungen zu arbeiten, angesichts der explodierenden Nahrungsmittel- und Energiepreise durchaus nachvollziehbar.

Dann gibt es vor allem Frauen, die trotzdem versuchen, den kranken Vater oder die kranke Mutter zu sich zu nehmen, aber das geht nur kurze Zeit gut. Zurück bleiben ausgebrannte Menschen, die sich darüberhinaus noch mit schlechtem Gewissen belasten.

Wie war es da zu meiner Zeit in der mongolischen Steppe bei den Nomaden? Ja, da lebten mehrere Generationen in einem Ger. Es war selbstverständlich, dass die Alten geachtet wurde. Aber auch die Alten kannten ihre Verpflichtung gegenüber der Sippe. Das ging sogar soweit, dass die Alten ihr eigenes Leben weniger einschätzten als das der Kinder. Das wichtigste Ziel der Sippe war das Überleben der Sippe, also musste die Zukunft der Kinder gewährleistet sein.

Wenn in einem sehr strengen Winter die Nahrungsmittel zur Neige gingen, da konnte es dann schon passieren, dass Alte beschlossen, mitten in der Nacht in die Kälte zu gehen und ihre Letzte Reise anzutreten. Denn wie gesagt, wichtig war und ist, dass die Kinder überleben. Für Langnasen mag sich das grausam anhören, aber so war es in der Steppe.

In Wolfsrudeln habe ich es ähnlich erlebt. Wenn da der strenge Winter kein Ende nehmen wollte und das Jagen immer schwerer wurde, dann verließ ein alter Wolf von sich aus das Rudel, um in der Kälte einsam zu sterben. Auch bei den Wölfen war das Überleben des Rudels und vor allem der Nachkommenschaft das Wichtigste.

Das ging sogar soweit, dass Welpen, die sich nicht unterordnen wollten, von der Leitwölfin tot gebissen wurden. Grund: Ein Wolf, der sich nicht in ein Rudel einfügt, wird zu einer Gefahr für das Rudel. Wenn bei der Balgerei unter jungen Wölfen einer nicht aufhörte mit dem Zubeißen, obwohl der andere sich schon unterworfen hatte und auf dem Rücken lag, dann wurde er von den ranghohen Wölfen des Rudels getötet.


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