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Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.

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SOS: Fütterungsautomat defekt!

Gestern nachmittag fuhren wir durch ein kleines Dorf, vor einem Stall war ein Auflauf, mehrere Männer standen davor und stritten sich offensichtlich, wild mit den Händen fuchtelnd. Da entdeckte eine Bäuerin mein Auto und winkte, ich fuhr rechts ran, stieg aus und fragte sie.

"Vielleicht könnt ihr uns helfen, der Fütterungsautomat geht nicht mehr und mein Mann streitet sich jetzt mit seinem Lieferanten herum!" Mein Bär hatte dies gehört und grinste. Er stieg aus und sagte: "Dann schauen wir uns erst mal den Computer an" und ging direkt in die Milchkammer. Ach ja, da fiel es mir ein: der Bauer hatte uns mal ganz stolz erzählt, dass er Ende der 90-er sich einen Fütterungsautomat für seine knapp 20 Milchkühe zugelegt hatte. Mein Bär hat sich das damals genau angesehen, mich interessiert das weniger.

In der mongolischen Steppe habe ich als Schamanin so etwas nicht gebraucht. Aber wenn die Langnasen meinen, dafür Geld ausgeben zu müssen, sollen sie doch.

Da kam auch der Sohn der Bäuerin, ein aufgeweckter Junge. Mein Bär fragte ihn, ob er weiß, wo ein Schraubenzieher ist. Sofort flitzte der Junge los und kam mit einem wohl sortierten Werkzeugkasten zurück. Dann holte mein Bär noch ein Messinstrument aus meinem Kofferraum.

Er sah sich den Computer an, der war aus, mausetot. Und er ließ sich nicht einschalten. Also zog er den Netzstecker raus und prüfte, ob die Steckdose unter Strom steht. "Uih" sagte er. Da kam der Bauer dazu und fragte ihn, was er da macht. "Ich habe nachgemessen, ob auf der Steckdose Saft ist", antwortete er und "Du hast eine ziemliche Überspannung an der Steckdose, jetzt gerade 250 Volt. Sag mal, brennen bei euch öfters die Glühbirnen durch?" Seine Frau: "Ja, in letzter Zeit schon, so viel Glühbirnen haben wir sonst nicht gebraucht!" Der Bauer: "Was ist normal?" Mein Bär: "Naja, so um die 230 Volt, Haushaltsstrom halt. Woher kommt dein Strom?"

Der Bauer: "Vom Maschinenring! Den werd ich gleich anrufen!" Er schickte seinen Jungen los, der solle ihm das Mobilteil seines Telefons bringen. Dann fing der Bauer an, ins Telefon zu brüllen. Jemand brüllte zurück, auch ohne Freisprecheinrichtung.

Mein Bär hatte indessen den Stecker wieder in die Dose gesteckt, das Netzteil des Computers geöffnet und geprüft, ob auch am Eingang des Trafos Spannung ist. Der Junge stellte Fragen, mein Bär erklärte ihm, was er gerade macht. Dann prüfte er den Ausgang des Netzgerätes, da war nichts, also alles klar: Das Netzteil hatte den Geist aufgegeben. Er rief nach dem Bauern: "Wer hat dir das Teil geliefert? Der soll ein Ersatznetzteil besorgen!"

Der Bauer wandte sich gleich an seinen Lieferanten: "Hast du das gehört? Fahr nach Hause und hol Ersatz!" Der Lieferant stotterte: "Das, das geht nicht, dein Computer ist zu alt, da gibt es keinen Ersatz mehr!" Der Bauer: "Was soll das heißen? Ich habe auch einen Bulldog, der ist über dreißig Jahre, wenn ich da in die Werkstatt fahre, die haben immer ein Ersatzteil. Den Computer hast Du mir vor zehn Jahren verkauft und gesagt, das ist das Modernste, was Du hast. Also hau ab und hol Ersatz!"

Dem Lieferanten standen Schweißtropfen auf der Stirn, zumal andere Bauern  herumstanden und beifällig nickten. Also sprang er in seinen Lieferwagen und brauste davon.

Mein Bär hatte sich die Platine genauer angesehen und war fündig geworden: ein Elko war ausgelaufen. Wir kennen in einem Nachbardorf einen Fernsehmechaniker, er ist im Ruhestand, aber er bastelt immer noch gern. Er fragte die Bäuerin: "Soll ich zum Karl fahren, ob er das wieder hinkriegt?" Sie: "Das wäre prima!" Also fuhren mein Bär und ich los.

Wir hatten Glück, der Karl war daheim. Er sah sich die Platine an und lachte: "Wo habt ihr dies alte Teil her?" Wir: "Vom Hof vom ...bauer. Das ist das Netzteil für seinen Laptop, der seinen Fütterungsautomat steuert. Ist angeblich erst zehn Jahre alt." Der Karl drehte die Platine um und grinste: "Baujahr 1986, das ist mehr als zehn Jahre. Da hat er sich was andrehen lassen, geschieht ihm recht, er tut immer so gescheit!"

Dann bestätigte er den Verdacht meines Bären, der Elko wars! Er suchte seinen Lötkolben und einen passenden Elko, lötete den alten raus und den neuen rein. Dann maß er den Stromausgang und siehe da, es gab wieder Gleichstrom. Prima!

Mein Bär fragte ihn: "Was bekommst Du dafür?" Karl: "Ach, für das bisschen, was soll ich da verlangen?" Mein Bär: "Sei nicht dumm, dein Geschäft ist ja noch angemeldet! Der Bauer hat Geld, er hat erst letzte Woche 500 Schweine verkauft. Schreib eine Quittung aus: 1 Meisterstunde, 1 Diagnose, 1 Austausch, Material: 1 Elektrolytkondensator, 1 Überprüfung. Macht zusammen 100 EUR." Karl lachte und stellte die Quittung aus. Mein Bär zahlte gleich und steckte die Quittung ein. Dann fuhren wir zurück.

Das Netzteil wurde angeschlossen, der Schirm des Uralt-Laptop fing zu leuchten an: orange Schrift auf schwarz, aber in Holländisch. Wir beide rätselten etwas, aber es gelang uns, den Setup durchzuführen und der Computer funktionierte wieder. Alle Daten waren noch gespeichert. Da schlenderte schon die erste Kuh in Richtung Futterplatz, sie hatte wie alle anderen Kühe einen Transponder um den Hals hängen. Als sie vor dem Futtertrog stand, wurde dem Computer gemeldet, dass die Kuh Alma Hunger hat, das Programm schaute nach, wieviel Alma heute schon bekommen hat. Sie hatte wegen der Störung noch nichts erhalten, also öffnete sich die Futterklappe vom Silo und ein Pfund Kraftfutter rieselte in den Trog. Als Alma das aufgegessen hatte, verließ sie den Futterstand und die nächste Kuh kam dran.

Der Bauer fragte: "Was bin ich dir schuldig?" Mein Bär zog die Quittung raus: "Das habe ich dem Karl schon bezahlt!" Der Bauer schickte seine Frau das Geld holen und sagte noch: "Und bring für die beiden ein gescheites Vesper mit!" So geschah es, die Frau kam mit einer prall gefüllten Tüte mit.

Da kam auch schon der Lieferant angefahren, er hatte seinen Lieferwagen mit lauter Kartons beladen und sagte zum Bauern: "Ich habe dir gleich ein ganz neues System mitgebracht, das kriegst Du von mir zum Sonderpreis von 10.000 EUR, ich baue dir das gleich auf!"

Der Bauer grinste ihn an: "Das brauchst Du gar nicht erst auszuladen, mein System läuft wieder! Und schau mal, was es gekostet hat!" Er zeigte ihm die Quittung. Der Lieferant guckte ungäubig und zog seinen Kopf ein. Betrübt fuhr er weg.

Auch wir mussten weiter. Winkend fuhren wir davon. Ich bin sicher, diese Geschichte wird die Runde machen und der Lieferant wird von anderen Bauern darauf angesprochen werden. Vielleicht bekommt der Karl einige Aufträge, er kann es brauchen.

Zuhause angekommen schaute wir in die Tüte, die Bäuerin hat sich wirklich nicht lumpen lassen, lauter selbst Geschlachtenes: Schlotfegerle, geräuchterter Schinken, Dosen mit selbst gemachter Wurst, hmm, ganz lecker!


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