Donnerstag bringt die Postfrau oder der Postmann immer die ZEIT mit dem MAGAZIN. Das ist bei mir schon fast ein gewohnheitsmäßiges Ritual: Suchen nach dem Magazin, letzte Seite aufschlagen und das Interview mit Helmut Schmidt lesen, meistens noch auf dem Weg vom Briefkasten bis zur Haustür. Ich schätze diesen alten Herrn sehr, erinnert er mich doch an die weisen Alten in der Steppe. Diese Alten wagten es auch, einen mächtigen Chan zu kritisieren; der Chan konnte aber nichts gegen einen Alten unternehmen, er durfte auch nicht zeigen, dass er sauer, vielleicht sogar wütend auf einen Alten war, nein, sonst hätte er sein Gesicht verloren.
Und was hätte er gegen einen alten weisen Mann unternehmen können? Einen Menschen, der vielleicht bald seine Letzte Reise antreten wird? Nichts! Also konnten die alten weisen Männer mit ihren Worten immer korigierend eingreifen, wenn was in der Sippe schief lief.
Ja, die weisen Alten in der Sippe stellten auch Fragen, wenn es galt, einen Schamanen zu prüfen. Wenn ein Schamane nichts mehr taugte oder er falsch spielte, dann wurde ihm vom Chan nahegelegt, die Sippe zu verlassen. Und wenn sich dann ein neuer Schamane bei der Sippe vorstellte, dann musste er sich einer Prüfung unterziehen und Fragen der weisen Alten beantworten.
Helmut Schmidt erinnert mich an die weisen Alten in der Sippe in der mongolischen Steppe. Wie sie spricht er unerschrocken die Wahrheit aus. So auch heute im MAGAZIN Nr. 44 auf der Seite 62. Auf die Frage "Fühlen Sie sich nicht in Ihrer Kritik an den Bankern bestätigt?" antwortete er:
"Ich teile die Menschheit in drei Kategorien ein: Zur ersten Kategorie gehören wir normale Menschen, die irgendwann in ihrer Jugend mal Äpfel geklaut oder im Supermarkt einen Schokoriegel in die Tasche gesteckt, aber sonst nicht viel ausgefessen haben. Die zweite Kategorie von Menschen hat eine kleine kriminelle Ader. Und die dritte besteht aus Investmentbankern, bisher weitgehend legale Übeltäter."
Solche Worte schätze ich an diesem alten weisen Herrn.
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Liebe Isabelle,<br />
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ja, ich traure den Interviews mit dem Altbudeskanzler auch nach. Es ist wirklich schade. Aber soviel ich weiß, waren nur eine gewisse Anzahl Interviews ausgemacht. Angesichts seines hohen Alters.<br />
Und was Roger Willemsen angeht, geben wir ihm doch noch eine Chance, oder zwei;-)<br />
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Liebe Grüße, Kiat<br />
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