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Tagebuch einer Schamanin, aufgewachsen in der mongolischen Steppe bei Nomaden, Vater deutsch, Mutter Mongolin.

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Weidmannsheil!

Ich habe nichts gegen Jäger, im Gegenteil. Weil es im dicht besiedelten Deutschland keine größeren Raubtiere wie Bären, Wölfe oder Luchse mehr gibt (bis auf wenige Ausnahmen), werden Jäger gebraucht, damit besonders das Schwarzwild und andere Pflanzenfresser nicht überhand nehmen. Die Jäger und Jagdpächter, die ich bisher kennen lernte, taten viel für die Hege des Wildes, den gesunden Aufbau ihres Reviers und den Naturschutz.
 
Bis ich in die Nähe dieses Dorfes zog, das Eingeweihte aus gutem Grund  "komisch" nennen. In anderen umliegenden Dörfern heißen sie auch "Eselheimer". Das Dorf hat zwar nur etwa 130 Insassen, aber davon sind immerhin mindestens vier Jäger. Und seit ich diese "Herrschaften" besser kenne, frage ich mich: Wo hat man die denn rausgelassen?

Es heißt doch, dass die charakterliche Eignung zum Führen von Waffen gegeben sein muss. Und jeder Jagdbeflissene  muss doch eine Jagdprüfung ablegen, in der das Grundwissen z. B. über das Wild, Art der Bejagung, geschützte Tiere etc. geprüft wird. 

Na ja, da werden die beiden Jungjäger wohl gerade nicht aufgepasst haben. Wie sonst sind sie wohl auf die Idee gekommen, am Montag Abend im Dunkeln Enten zu jagen, wie sie uns weismachen wollten. Ich besitze zwar keinen deutschen Jagdschein, aber in der Mongolei habe ich früher auch Enten geschossen. Auch in Deutschland werden diese Tiere bei Tag geschossen, allerdings mit Schrot. Man braucht das Licht, um die Flugbahn zu sehen, weil üblicherweise kurz vor die Ente gehalten wird.

Diese beiden jungen Helden machten es nun etwas anders. Und ich hatte sozusagen einen Logenplatz, weil der ins Visier genommene Fischteich nur etwa 100 Meter vor meiner Haustür liegt. Schon am Nachmittag hörte ich das Knallen einer KK-Waffe (für Nicht-Jäger: Kleinkaliber), kurz nachdem ich mit meinem Wolfsmix am entenleeren Teich vorbei kam.

Seit der letzten Treibjagd ziehen die Enten offenbar andere Teiche vor. Und am Abend ging es richtig los. Mein altes Pferd und mein wildfarbener Esel waren noch auf der Koppel, gegenüber vom Fischteich. Mein Bär und ich arbeiteten im Stall. Die schwere Holztür war angelehnt, damit das Wasser nicht einfriert.

"Wooomm!" dröhnte es, und die Tür wurde ganz zu gedrückt. Ein Schuss, anscheinend aus nächster Nähe! Aber womit? Die üblichen Jagdflinten haben eher einen leicht aggressiven Knall. Dies hörte sich nach einem größeren Kaliber an.

Raus aus dem Stall: Sind Tigerchen und Marian noch ganz? Ist der Schütze noch zu sehen? Auf dem Schnee müsste der Blödel doch zu erkennen sein. Aha! Da unten am Teich! Da bewegt sich was! Erst mal die Tiere reinholen. Kaum hatten wir die beiden am Halfter: noch zwei Schüsse, diesmal offenbar eine normale Jagdflinte. Aber auf was? Den sirrenden Flügelschlag von Enten hätte ich gehört. Und meine Huftiere "explodieren" nicht bei Schüssen, dafür knallt es hier viel zu oft.

Mein Bär und ich stiefeln zum Teich. "Was jagen wir denn heute?" fragte er freundlich den Sohn des ersten Jagdpächters.

"Enten" mumpfelte der, während ich seine überdimensionale Jagdflinte beäuge. Für genauere Einzelheiten war es schon zu duster. War das große Ding auf dem Lauf ein Zielfernrohr? Oder ein im übrigen sauteures Nachtsichtgerät?  Der andere Jungjäger, Sohn des zweiten Jagdpächters, stand etwas weiter entfernt, mit einer normal großen Flinte. Der musste bei unserer Frage erst überlegen, bevor er "Enten" hervor würgte.

Was? Enten? Welche denn nur? Gut, manchmal höre ich im Dunkeln noch den Flügelschlag von Enten. Und Enten schießt man, wie gesagt, mit Schrot. Wenn man mit  einem Riesen-Püster auf Enten schießt, mit Kugeln, dann kommt doch nur noch Frikassee runter. Und wie findet man im Dunkeln das tote Tier?

Und wenn die beiden wirklich Enten gejagt hätten, wo war dann der Hund oder die Wathose, um die Entenleiche aus dem Teich zu holen? Oder wäre dann einer von denen mit neckisch geschürztem Unterleibchen und nacktem Po in den Teich gestakst?

Für mich hörte sich der erste Schuss an wie von einer Großwildbüchse, die ein entsprechendes Kaliber und eine gewaltige Durchschlagskraft hat. Eine Bundeswehrpatrone besitzt eine Durchschlagskraft von ca. 1.700 Joule, eine Standard-Natopatrone ca. 3.000 bis 3.600 Joule und die stärkste hier erhältliche Jagdpatrone (.700 Nitro-Express) entwickelt bis 11.000 Joule. Dabei entsteht im Gewehrlauf ein Gasdruck bis 6.000 bar.

Nun sind Großwildbüchsen, falls es eine war, für wärmere Gefilde entwickelt. Wer nun bei eisiger Kälte damit schießt, muss damit rechnen, dass der Lauf dieser Donnerbüchse einen Riss bekommt. Beim nächsten Schuss kann ihm das gute Stück um die Ohren fliegen. Weidmanns Heil!


(C) Copyright 2004-2008 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.

P.S.: Bei diesem Blog haben mich die "Drei Hörnchen" fachlich beraten! Ganz lieben Dank dafür!
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U
Guter Vortrag!!<br /> Sitze vor nicht so langer Zeit in einer idyllischen Dorfbeiz. Kommt ein schnaufender Fettsack,locker 130kg, herein, mit seiner Flinte und hat erst mal einen "richtigen Durscht"!<br /> Das Besäufnis nahm seinen Lauf. Eine "Dame", welche schon eine halbe Flasche Osborn intus hatte nahm das Gewehr und lies es sich erklären!!<br /> Sie zielte im Lokal herum, worauf der Waidmann ihr schnell das Gewehr abnahm. Er hatte "vergessen" es zu entladen!!<br /> Habe ein paar"illegale" Bilder mit versteckter Kamera gemacht! Waidmanns Heil, äh, Prost!<br /> liebe Grüsse,Uli
Antworten
K
<br /> <br /> Lieber Uli,<br /> <br /> <br /> bei einer Treibjagd im letzten Jahr hat ein Jäger auch vergessen, seine Büchse zu entladen. Er schoss dann einer Jägerfreundin die Wange ab, die arme Frau musste dann mit einem Hubschrauber in<br /> die Klinik geflogen werden.<br /> <br /> <br /> Liebe Grüße, Kiat<br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br />