Gestern habe ich darüber geschrieben, dass wegen der weltweiten Finanzkrise auch die Superreichen Federn lassen mussten. Dabei habe ich auch Adolf Merckle genannt. Wie heute über die Presseticker lief, war Merckle zu diesem Zeitpunkt schon tot.
Als ich heute im Radio die Meldung hörte, lief ich gleich in die Küche, mein Bär war am Brutzeln. Er hatte Merckle persönlich kennengelernt, da war mein Bär Prokurist in einem medizinischen Fachverlag. Er hat mir erzählt, dass Merckle ein typischer schwäbischer Unternehmer war. Und er hat ihn bewundert.
Merckle übernahm von seinem Vater eine kleine Arzneimittelhandlung und machte daraus den Pharmahersteller Merckle. Dann war er einer der ersten, die Generica herstellten. Mein Bär kann sich noch gut erinnern, als Ratiopharm auf einem Firmengelände bei Neu-Ulm entstand. Damals war Merckle als sehr sparsam bekannt. Als Chef fuhr immer noch seinen alten VW-Käfer, sehr zum Leidwesen seiner Abteilungsleiter. Die getrauten sich nämlich nicht, etwas Größeres als einen Audi 80 für sich als Dienstwagen zu bestellen.
Als einmal ein sehr erfolgreicher Pharmareferent seine üppige Provision in einen Porsche anlegte und damit auf den Firmenparkplatz kurvte, kritisierten ihn einige Abteilungsleiter. Das ginge doch nicht, wenn der Chef einen Käfer fahre! Merckle bekam das mit und lächelte: Wenn er für viel Umsatz sorgt, darf er ruhig Porsche fahren ...
Als im November letzten Jahres die Meldung durch die Presse ging, dass Merckle sich verspekuliert hatte, war mein Bär erschüttert. Das passte so gar nicht zum Bild des Adolf Merckle, wie er ihn in Erinnerung hatte.
Vielleicht hat Merckle erkannt, dass er sich meilenweit von seinen früheren Idealen entfernt hatte und die Konsequenz gezogen. Vielleicht war auch sein Stolz verletzt. Die Gläubigerbanken haben ihn ja bedrängt, Ratiopharm zu verkaufen; die Geier aus Frankreich und Israel warteten ja schon. Aber an Ratiopharm hing Merckle sehr, das war für ihn wie ein Kind. Ratiopharm wollte er unbedingt be- und erhalten.
Wieder einmal ist ein erfolgreicher Mensch Opfer seiner eigenen Gier geworden. Wie schnell kann es gehen. dass aus einem sehr erfolgreichen Unternehmer ein verzweifelter Mensch wird, der nur im Freitod einen Ausweg sieht. Mein Mitgefühl gilt der Familie, seinen Söhnen und Enkeln. Mögen sie ihren Vater und Großvater stets in Ehren halten, ganz gleich was andere über ihn denken und schreiben!
Hierzulande gilt Suizid als etwas Verwerfliches, ich sehe das nicht so. Selbst im Alten Testament gibt es Selbstmörder, die in der jüdischen Religion hoch geachtet werden, denken wir an König Saul, der sich selbst ins Schwert stürzte, als er im Kampf verloren hatte. Jeder Mensch sollte selbst entscheiden dürfen, was er mit seinem Leben macht.
Es gibt hier Dörfer, da gehört Koma-Saufen zum "guten Ton". Dabei ist Alkoholmissbrauch erwiesenermaßen ein Selbstmord auf Raten. Aber am Saufen verdienen Brauereien und Gastwirte ...
(C) Copyright 2004-2009 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.
Liebe Kiat,<br />
ich werde immer wieder sehr berührt von deinen Antworten. Ich spüre, dass du ein außergewöhnlicher Mensch mit sehr weitem Herzen bist. Durch deine Einträge darf ich noch viel neues erfahren.<br />
<br />
Herzlichst<br />
Gerlinde - glasikone
<br />
Liebe Gerlinde,<br />
<br />
vielen Dank für dein Kompliment. Aber ehrlich gesagt, ganz wohl fühle ich mich nicht dabei. Grund: Ich bin kein außergewöhnlicher Mensch, ich bin ein Mensch wie Du, mit Fehlern und ein paar<br />
Stärken. Wie jede von uns ...<br />
<br />
Liebe Grüße, Kiat<br />
<br />
<br />
M
Michaela
01/08/2009 08:55
Liebe Kiat,<br />
<br />
zum Suizid allgemein:<br />
Das hat mich als Kind schon beschäftigt, ob diese Seelen dann wirklich in "der Hölle" schmoren.<br />
Das neue Testement verweist auf Judas.<br />
<br />
Auch jetzt höre ich immer wieder Menschen sagen, man müsse dann zumindest ne "Ehrenrunde drehen".<br />
<br />
Was ist verwerflich an einer "ehren" Runde?<br />
<br />
Ich habe Gott darüber oft gefragt.<br />
<br />
Antwort: LIEBE!<br />
<br />
Na, das konnt ich mir auch nicht vorstellen, das zum Teil sehr verzweifelte Seelen, dafür noch einen drauf bekommen!<br />
<br />
Klar, manche kleben dann noch ein wenig an Ihrem alten Leben, doch das passiert auch anderen, die keinen Suizid begangen haben.<br />
<br />
Ein Lernprozess, "hüben" wie "drüben"!<br />
<br />
Na dann, PROST! und bloss nicht Aufwachen, weiter weiter Menschen und Tiere terrorisieren, die nicht in "IHR" Weltbild passen. Verurteilen und Werten: über Menschen die Suizid begehen oder einfach anders sind.<br />
<br />
Ich winke Dir zu, Michaela.
<br />
Liebe Michaela,<br />
<br />
ich persönlich bin davon überzeugt, wer seinem Leben ein Ende setzt, wird in einem anderen Leben genau an der Stelle weitermachen, wo er unterbrochen hat. Vor unseren Aufgaben im Leben können wir<br />
uns nicht drücken.<br />
<br />
Und es gibt viele Menschen, die sehr alt und gebrechlich und unheilbar krank sind. In der Steppe war es so, dass alte Menschen ihre Letzte Reise antraten, sie suchten sich eine schöne Stelle und<br />
starben dort. Später wurden sie dann von der Sippe bestattet.<br />
<br />
Wurde z. B. die Nahrung knapp und nicht alle Sippenmitglieder würden über den Winter kommen, dann gingen Alte freiwillig hinaus in die Kälte und erfroren, nur damit ihre Kinder und Enkel<br />
überlebten. Keiner in der Sippe verurteilte diese Alten wegen ihrer Entscheidung, im Gegenteil, sie wurden in Erzählungen und Gesängen geehrt und ihre Tat wurde an ihre Nachkommen<br />
weitergegeben.<br />
<br />
In Deutschland ist das Thema "Sterbehilfe" immer noch Tabu. Wieso eigentlich? Wenn jemand nicht mehr leben will, weil er so krank ist, dass eine Heilung ausgeschlossen ist, wieso wird dann dieser<br />
Mensch gezwungen weiterzuleben. Oft frage ich mich, dass hier auch handfeste finanzielle Interessen dahinterstecken.<br />
<br />
Liebe Grüße, Kiat<br />
<br />
<br />
L
Leonhard Fromm
01/07/2009 17:15
Liebe Kiat,<br />
danke für Ihre einfühlsamen Anmerkungen zu Merckles Suizid, der mich sehr bewegt hat, gerade weil der Mann als fromm und bescheiden galt. Ich hätte mir gewünscht, er hätte im Leben mehr die Demut trainieren können (oder müssen) und hätte Trost bei Hiob im AT und/oder seiner Familie gefunden. leo
<br />
Lieber Leo,<br />
<br />
nachdem, was mir mein Bär über ihn erzählt hat, war er bescheiden und sehr christlich orientiert, jedenfalls zu der Zeit, als mein Bär ihn getroffen hat. Er kann sich natürlich auch verändert<br />
haben. So war er ja auch mit Ferdinand Piech per Du, und genau an den VW-Aktien ist er gescheitert ...<br />
<br />
Die christliche Tradition der Familie Merckle wird fortgesetzt: sein Enkel Tobias hat ja das Seehaus gekauft und hilft dort jungen Straffälligen.<br />
<br />
Ziemlich geschmacklos finde ich, dass gleich die Hyänen über Merckles Firmenimperium herfallen und sich die Filetstücke unterm Nagel reißen wollen, die können nicht mal abwarten, bis er begraben<br />
ist.<br />
<br />
Liebe Grüße, Kiat<br />
<br />
<br />
J
Juliette C. Frollo
01/07/2009 16:11
Jedem das Seine.<br />
Das giltet sowohl für die Einstellung zum Leben als auch zur Meinung dazu... °-^<br />
Liebi Grüessli,<br />
<br />
Julie
<br />
Liebe Julie,<br />
<br />
meine Meinung ist, dass jede von uns für dieses sein Leben verantwortlich ist und auch dafür zur Rechenschaft gezogen wird.<br />
<br />
Liebe Grüße, Kiat<br />
<br />
<br />
U
uli
01/07/2009 15:25
Hallo Kiat,<br />
bin nun gespannt, was die Leichenfledderer mit dem Firmenimperium anstellen werden. Schließlich hängen jede Menge Arbeitsplätze daran.<br />
Liebe Grüsse,Uli
<br />
Lieber Uli,<br />
<br />
ja, es geht um 100.000 Arbeitsplätze bei der Holding VEM Vermögensverwaltung. Als erstes Filetstück wird Ratiopharm verhökert. Das hat Adolf Merckle wahrscheinlich zu dieser Verzweiflungstat<br />
gebracht ...<br />
<br />
Nachdenkliche Grüße, Kiat<br />
<br />
<br />