Heute abend rief eine Frau aus Eisenach an, sie wollte mich nächste Woche besuchen. Sie macht sich große Sorgen um ihre Zukunft. Vor allem der Eiertanz um die Opelwerke in Deutschland macht ihr zu schaffen. Ist ja auch verständlich. Jeden Tag geistern neue Hiobsbotschaften in Sachen Opel durch die Medien.
"Glaubst Du, dass die Araber auch bei Opel einsteigen?"
"Das ist schon möglich, bei Mercedes ist ja Abu Dhabi vor zwei Wochen eingestiegen, die halten jetzt um die neun Prozent bei Mercedes resp. Daimler. Ich habe gelesen, dass die Vereinigten Arabischen Emirate eine Wirtschaftlichkeitsstudie in Auftrag gegeben haben, was Opel angeht. Die Araber sind halt vorsichtige Leute."
"Irgendwie scheinen die von der globalen Krise wenig abzubekommen."
"Das hängt mit dem Islam und ihrem Bankensystem zusammen."
"Wieso mit dem Islam?"
"Nun, die islamischen Banken dürfen kein Geld erwerben durch Glücksspiel, Alkohol, Prostitution, Pornographie etc. Sie dürfen auch keine Wucherzinsen verlangen. Und sie dürfen auch nicht mit Schulden handeln. Kurzum, islamische Banken dürfen nur mit materiellen Gütern handeln und nicht mit den Hirngespinsten der westlichen Finanzjongleure, die die Krise verursacht haben."
"Dann ist der Islam doch nicht so schlecht, wie er hier immer dargestellt wird."
"Ist er auch nicht, auch wenn er hierzulande verfälscht dargestellt wird, z. B. in der Kölner Kirchenzeitung: Da wird behauptet, dass für Banken ein Zinsverbot besteht, was nicht stimmt. Nur dürfen nach islamischem Recht keine Wucherzinsen verlangt werden."
"Naja, das ist ja klar, dass eine Kirchenzeitung gegen den Islam zetern muss ..."
"Stimmt. Und es gibt einen großen Unterschied zum westlichen Kapitalismus: Im Islam gehört jeglicher Besitz Gott, der einzelne Mensch verwaltet nur den Besitz. Besitz ist ein Mittel zum Zweck, kein Ziel wie im Kapitalismus. Da ist es genau andersrum, da ist Geld das Ziel und wird verehrt. Die Banken sind sozusagen die Tempel, in denen das Geld angebetet wird."
"Das ist jetzt aber sehr überspitzt!"
"Mag sein, aber im Kern stimmt es schon."
"Meinst Du, die USA gehen den Bach runter?"
"Bestimmt. Auch wenn der Strahlemann Obama um die Welt reist, gegen die fundamentalen Tatsachen kann er nichts ausrichten, die USA haben nichts mehr zu bieten: keine Exporte, keine Produktion, kaum noch eigene Bodenschätze, eine kaum noch funktionierende Dienstleistungsgesellschaft. Hast Du die Bilder gesehen, von Amerikanern, die noch vor kurzem zum Mittelstand zählten und jetzt in Zelten hausen müssen?"
"Nein, ist es schon so weit? Aber mich treibt die Sorge um meinen Arbeitsplatz um."
"Das ist verständlich. Aber unsere Politiker haben derzeit nur eins im Sinn, die Zeit bis zur Bundestagswahl im September irgendwie zu überbrücken. Deshalb sagen sie auch nicht die Wahrheit. Da wird die Abwrackprämie verlängert z. B. Und die Manager der Automobilindustrie haben immer noch nicht kapiert, was nötig ist. Die denken immer noch in alten Mustern. Nimm Mercedes. Die wollen einfach nicht wahrhaben, dass die Zeit der Boliden vorbei ist. Die verbrennen immer noch Geld für Maybach und für den Formel-1-Zirkus."
"Und was wird aus Opel?"
"Opel muss von General Motors rausgenommen werden, sonst geht Opel mit GM unter. Aber die deutschen Politiker trauen sich nicht. Wenn ich da an den Eiertanz mit dem Flowers und der Hypo Real Estate denke."
"Und was sollen wir kleinen Leute machen?"
"Sich solidarisieren, auf die Straße gehen und den politisch Verantwortlichen mal richtig Dampf machen. Denn: Wir sind das Volk!"
(C) Copyright 2004-2009 by Kiat Gorina, Windsbach. Alle Rechte vorbehalten.
<br />
Lieber Reiner, danke für dein Lob! Liebe Grüße, Kiat<br />
<br />
<br />
W
Waltraud
04/09/2009 11:19
wow Kiat, du gehörst nach Berlin oder gib uns vielleicht einen kleinen Teil Deiner so kämpferischen Seele und ein wenig Deines Durchblicks. Ganz liebe Grüße aus Berlin, verbunden mit einem schönen, lichtvollen Osterfest wünscht Dir und Deinem Bären, die Waltraud.
<br />
Liebe Waltraud,<br />
<br />
vielen Dank für dein Lob, ich bin ganz rot geworden;-) Ich wünsche dir auch schöne Feiertage.<br />
<br />
Ganz liebe Grüße, Kiat<br />
<br />
<br />